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Der vergessene Sonnenkönig

Bei Ausgrabungen erfährt die Menschheit viel über ihre eigene Geschichte. Eine TV-Doku aus Ägypten erzählt nun eine davon.
Von Klaus Braeuer, dpa

Berlin.Der König, den viele für den größten Pharao Ägyptens halten, gilt als Großvater von Tutanchamun und heißt Amenhotep III.. In seinem Harem sollen vor etwa 3000 Jahren mehr als tausend Frauen gelebt haben. Davon wird in der Dokumentation „Die 1000 Frauen des Pharao“ berichtet, die an diesem Samstag (20.15 Uhr) auf Arte zu sehen ist.

Gräber wurden für unwichtig gehalten

Nahezu unbeachtet von der Öffentlichkeit stieß im Januar 2011 ein Team der Universität Basel im Tal der Könige in Luxor auf zwei Gräber mit den Überresten von um die 50 Mumien in einem einzigen Grab, mehr als je zuvor in diesem Tal entdeckt worden sind. Und das alles, während Demonstranten bei Massenprotesten in Kairo den Sturz des Präsidenten Husni Mubarak forderten. Deshalb mussten die Forscher ein Jahr lang warten, bis sie weiter graben durften. Die Gräber waren dort zwar vermutet, aber lange Zeit für unwichtig gehalten und deshalb nie freigelegt worden.

Das Team unter der Leitung von Elina Paulin-Grothe und Susanne Bickel stellte sehr schnell fest, dass das Grab KV 32 („Kingsvalley 32“) keineswegs unwichtig war – es gehörte Königin Tiaa, der Großmutter von Pharao Amenhotep III. Ihre Mumie wurde nicht gefunden, jedoch die ihres Enkels. Er herrschte – 40 Jahre lang – etwa um 1400 vor Christus in Ägypten, als sich das Land auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Reichtums befand. Amenhotep III. kam schon mit zwölf Jahren auf den Thron, nannte sich selbst „Die strahlende Sonne“ und hinterließ nicht nur seinen Sohn Echnaton, sondern auch eindrucksvolle Bauwerke, die in Luxor teilweise noch heute sichtbar sind. Und jetzt eben seine Ruhestätte („KV 40“).

Die Grabstätte ist eindrucksvoll

Die Grabstätte wird im Film gezeigt und ist in der Tat sehr eindrucksvoll, mit all den kunstvollen Wandmalereien, Reliefs und Schmuckstücken in leuchtenden Farben, die im starken Kontrast zu den Brauntönen der Wüste stehen. So erzählen die Forscherinnen auch davon, dass im Harem von Amenhotep III. neben Familienmitgliedern wohl auch mindestens sechs ausländische Ehefrauen und deren Gefolge gelebt haben. Es wird daher angenommen, dass im Grab KV40 viele dieser Frauen bestattet wurden. Ihr genauer Status ist nicht bekannt, aber sie sind vermutlich die Favoritinnen des Herrschers gewesen, der den Frieden in seiner Region nicht durch Kriege, sondern geschickte Manipulationen und vorteilhafte Eheschließungen sichern konnte.

Der Autor Richard Reisz begleitet in seinem detailreichen Film (auch mit Hilfe von Computersimulationen) ausführlich die mühsamen und aufwendigen Arbeiten der Archäologen, die durch das Holz der Särge hindurch röntgen mussten und dabei erstaunlich gute Bilder produzieren konnten, oder ein seltenes Stück Stoff von einer Socke restaurierten und konservierten. Erst kürzlich waren Räumlichkeiten im Tempel der Altägyptischen Königin Hatschepsut freigegeben worden, die das Heiligtum des Hauptgottes Amun Ra bergen. Die vielen Grabstätten und großzügigen Tempelanlagen im Tal der Könige, wo allein über 60 Pharaonen begraben liegen, sind bis heute nicht vollständig erforscht. Es gibt also noch viel zu entdecken.

Die Dokumentation „Die 1000 Frauen des Pharao“ wird an diesem Samstag, den 30. Dezember, um 20.15 Uhr auf Arte gezeigt.

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