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Donnerstag, 19. Juli 2018 30° 1

Interview

Klassiker machen eine Hochzeit erst aus

Weddingplaner Froonck kommentiert nicht nur „4 Hochzeiten und eine Traumreise“ auf VOX, sondern plant auch selbst Hochzeiten.
von Susanne Wolf

Hochzeitsplaner Froonck kommentiert bei „4 Hochzeiten und eine Traumreise“ den schönsten Tag im Leben jeder Kandidatin. Foto: MG RTL D / Nady El Tounsy
Hochzeitsplaner Froonck kommentiert bei „4 Hochzeiten und eine Traumreise“ den schönsten Tag im Leben jeder Kandidatin. Foto: MG RTL D / Nady El Tounsy

Immer gut gelaunt und lebenslustig wirkt er im Fernsehen, wenn er „4 Hochzeiten und eine Traumreise“ bewertet und kommentiert. Auch im Gespräch mit ihm zeigt sich, dass Froonck mitten im Leben angekommen ist und vollends zufrieden mit seiner Aufgabe ist, den perfekten Tag im Leben eines Paars zu planen und umzusetzen.

Nach dem Abitur haben Sie angefangen, Medizin, Französisch und Sport zu studieren. Dann folgten eine Ausbildung sowie ein Studium zum Marketing-Kommunikationswirt und Werbekaufmann. Jetzt sind Sie seit 16 Jahren als Weddingplaner tätig. Wie kam es dazu? Waren Studium und Ausbildung hilfreich?

Ich wollte mich neu orientieren, die „undankbare“ Werbebranche verlassen, etwas Neues auf die Beine stellen. Meinen eigenen Weg gehen, auf dem ich meine Entscheidungen treffen und verantworten kann. Als ich von diesem Beruf aus den USA erfuhr, war ich sofort regelrecht angefixt: Die Bandbreite der Skills, die Komplexität, die Herausforderungen sowie die Dualität zwischen kaufmännisch und kreativ begeisterten mich. Das wollte ich machen – obwohl ich wirklich nichts darüber wusste. Und so legte ich einfach los. Geholfen haben mir alle meine Ausbildungen und Studien vorher, denn ich habe Projektleitung, Kundenbetreuung, Kreatives Arbeiten, Konzipierung, Ideenentwicklung, Sprachen und Erste Hilfe gelernt.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Job?

Die Vielseitigkeit, die Abwechslung, das Positive, die Emotionen, die Herausforderung, für zwei Menschen den schönsten Tag zu gestalten, und der damit einhergehende Druck, dass dieser perfekt werden muss. Dazu gibt es keine zweite Chance – das ist der Thrill.

Da es ja der perfekte Tag werden soll, vertrauen Ihnen die Paare in hohem Maß. Wie fühlt sich das an, dass Ihnen so viel Vertrauen entgegengebracht wird und Sie im Gegenzug eine hohe Verantwortung tragen?

Es bedeutet eine große Wertschätzung für mich. Ich bin sehr dankbar dafür, in diesen intimen, familiären Moment eingebunden zu werden. Für mich fühlt es sich gut an, dass ich gebraucht werde und einen wichtigen Beitrag zum Gelingen dieses bedeutenden Festes leisten kann.

Sie sind als Hochzeitsplaner von Sarah Connor und Mark Terenzi bekannt geworden. Für uns Zuschauer war es eine Traumhochzeit. Wie ist es für Sie, wenn sich die Paare einige Jahre nach der Hochzeit trennen?

Das hängt für mich weniger mit der Hochzeit als vielmehr mit den Menschen zusammen. Diese wachsen mir während der Zusammenarbeit ans Herz, sodass ich dann traurig bin, wenn es (doch) nicht klappt. Aber ich finde es wichtiger, dass die Beteiligten sich treu bleiben und neue Wege gehen, als unglücklich zu sein.

Viele Frauen träumen von einer Hochzeit in Weiß. Was sehen Sie hinter einer „Hochzeit in Weiß“?

Weiß steht ja bekanntlich für Reinheit und Unschuld. Unberührt in die Ehe zu gehen, kommt aber heute nur noch sehr, sehr selten vor. Deshalb bedeutet die Farbe beziehungsweise der Ausdruck „Hochzeit in Weiß“ für mich schlichtweg „strahlend im Mittelpunkt stehen“ – wie eine Königin oder Prinzessin, denn diese erfanden im 17. Jahrhundert das eierschalenfarbene Brautkleid und setzten damit den Modetrend vorerst im Adel. Weiß ist die hellste Farbe – im Grunde genommen gar keine Farbe – und lenkt damit automatisch den Blick auf die Braut, sie überstrahlt alle Anwesenden. Es ist also für den ganz großen Auftritt gesorgt.

Ich denke an Gothic-Fans. Was sagen Sie zu einem schwarzen Brautkleid?

Nachdem Schwarz vor einigen Jahren mal kurzzeitig en vogue war bei Brautkleidern, sind heute wieder Pastelltöne und Two-Tone-Kleider im Trend. Schwarze Accessoires haben sich nicht durchgesetzt, es war einfach zu gewöhnungsbedürftig für die Allgemeinheit. Mir gefällt es in der Tat nur bei Gothic-Bräuten, da ist es ein Must-have.

Was war der bisher kurioseste Wunsch, den ein Brautpaar an Sie gerichtet hat?

Eine Photobooth (Anm. d. Red.: mobiler Fotoautomat), die keinerlei Falten zeigt! Das konnten wir dann sogar umsetzen (lacht).

Was war bisher das Highlight auf einer Hochzeit für Sie, das Ihnen immer in Erinnerung bleiben wird?

Da gibt es zum Glück einige – und sehr unterschiedliche. Mal war es der grandiose Auftritt eines Promis, mal die Rührung des 90-jährigen Großvaters, zuletzt die romantische Ballonfahrt des Brautpaars in der Toskana.

Gibt es noch viele Traditionen, die ein Brautpaar verwirklichen will? Wenn ja: Welche sind das?

Ich nenne sie die Klassiker, die eine Hochzeit überhaupt erst ausmachen: getrenntes Übernachten vor der Hochzeit, Brautstrauß und -wurf, Brautjungfern, Trauzeugen, Einzug der Braut mit Vater und Übergabe an den Verlobten, Blumenkinder, Ringträger, Jawort oder Gelübde, Eheringe und deren Tausch, Autokorso (je nach Kultur), Ansprache der Eltern, Anschnitt der Hochzeitstorte, Hochzeitstanz, Schleiertanz oder Vater-Tochter-Abschiedstanz (je nach Kultur).

Wenn wir bei Traditionen sind: Von welcher Tradition sollte man vielleicht mittlerweile absehen und sich einfach mal etwas Neues trauen?

Verzichten kann ich auf den von mir benannten „Hochzeitsdreikampf“: Bettlaken-Herz, Hochzeitstauben, Baumstammsägen.

Welche Tradition finden Sie eher unangebracht?

Die Brautentführung ist heutzutage überflüssig und meist nur ein seichter Abklatsch des ursprünglichen Rituals – von daher lieber weglassen, da es meist die Stimmung zerreißt. Keine eigentliche Tradition: Aber Trinkspiele als Unterhaltungsprogramm, die sich leider in weiten Teilen durchgesetzt haben, finde ich unangebracht.

Was gehört zu jeder perfekten Hochzeit?

Eine zum Brautpaar und zur Gästezahl passende Location mit Flair, der richtige DJ, ein stimmungsvolles Unterhaltungsprogramm, eine verzaubernde Blumendekoration, besondere Festtagsspeisen – und natürlich eine bestens aufgelegte Gesellschaft, die alles gibt!

Was ist der Höhepunkt einer Hochzeit für Sie?

Die Trau-Zeremonie, die das Jawort oder das individuelle Gelübde und den Hochzeitskuss umfasst. Darum geht es ja im Kern – und das sind immer die größten Emotionen. Dicht gefolgt vom Eröffnungstanz, bei dem das Paar noch mal verträumt in andere Sphären entschwindet (entschwinden sollte!).

Wie viele Hochzeiten pro Jahr organisieren Sie? Was machen Sie als Ausgleich oder um Stress abzubauen?

Das liegt zwischen zehn bis 15. Die Sommersaison in Europa ist immer sehr intensiv, im Winter finden weniger Hochzeiten statt, sodass dies meine ruhigere Zeit ist – trotz durchlaufender Projekte. Es ist also ein angenehmer Zyklus. Stress entsteht bei mir nicht wirklich, denn wir haben die Planungen ja im Griff. Wenn dann doch mal alles zusammenkommt, gönne ich mir einen Tag Wellness und Beauty, einen Opern-, Theater- oder Kinobesuch oder mache einen Kurztrip ans Meer.

Man kann Sie als Trauredner für eine Freie Trauung engagieren. Wie finden Sie immer für jedes Brautpaar die passenden Worte?

Ich kann zuhören und habe ein hohes Einfühlungsvermögen, nicht zuletzt auch durch meine Erfahrung als Hochzeitsplaner in 16 Jahren. Und ich weiß, worauf es ankommt, um die richtige Balance zwischen Tränenrührigkeit und entspannter Freude zu finden. Man muss das Brautpaar und vor allem die Gäste mit auf eine Reise nehmen.

Jedes Brautpaar will, dass die Hochzeit der schönste Tag in seinem Leben wird. Was raten Sie einem Paar, damit es kurz vorher – bedingt durch den ganzen Stress und die Wünsche – nicht durchdreht und die Nerven nicht blankliegen?

Frühzeitig mit der Planung beginnen, die Wünsche, Vorstellungen und Ziele definieren und gemeinsam besprechen. Außerdem das Budget schon zu Beginn definieren und fortlaufend im Blick behalten, ohne Weddingplaner Trauzeugen zur Unterstützung bei der Planung hinzuziehen, sich zwei Tage vor der Hochzeit freihalten und entspannen.

Zur Person

  • Laufbahn

    Froonck ist in Olpe geboren und aufgewachsen und hat dort 1987 das Abitur abgelegt. Danach hat er angefangen, Medizin, Französisch und Sport zu studieren. Es folgten eine Ausbildung sowie ein Studium zum Marketing-Kommunikationswirt und Werbekaufmann. Im Anschluss daran war er bis 2002 in unterschiedlichen Werbeagenturen tätig. Noch im selben Jahr hat Froonck die Agentur „Wh!te – The Wedding Agency“ gegründet, mit der er sich auf die Planung von Hochzeiten spezialisiert hat.

  • Durchbruch

    Drei Jahre später wurde er auch in der Öffentlichkeit bekannt, da er die Hochzeitsplanung von Sarah Connor und Mark Terenzi übernommen hat. Die Hochzeit war in der Reality-Show „Sarah & Mark in Love“ zu sehen, die im Sommer 2005 von ProSieben ausgestrahlt wurde. Hier kam er auch zu seinem Künstlernamen „Froonck“, da Sarah Connor ihn so genannt hat.

  • TV-Karriere

    Bereits im Folgejahr bekam der Hochzeitsplaner seine erste eigene Sendung: „Frank – Der Weddingplaner“ auf ProSieben. 2007/2008 ist er mit Mikkeline Kierkgaard bei der ProSieben-Show „Stars auf Eis“ angetreten. 2011 hat der Weddingplaner an der RTL-Reality-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ teilgenommen. Seit 2012 sieht man Froonck nahezu täglich in der VOX-Sendung „4 Hochzeiten und eine Traumreise“, wo er als Experte die Hochzeiten von vier Bräuten kommentiert und bewertet.

  • Agentur

    Mit seiner umbenannten Agentur „WH!TE by Froonck“ hat er mittlerweile über 600 Hochzeiten geplant. Seit 2018 heißt seine Agentur „Monsieur Froonck“. Froonck ist in einer Partnerschaft und lebt abwechselnd in Berlin und Nizza.

Kommt es oft zur Torschlusspanik oder zum „Hochzeitsfieber“, wie Sie es in Ihrem Buch nennen? Was ist dann zu tun, wenn Braut oder Bräutigam kalte Füße bekommen?

Nein, das kam zum Glück bei mir noch nicht vor. Es gab mal einen heftigen Streit zwei Wochen vor dem Tag der Tage, der das Fest zu platzen lassen drohte. Aber sie haben sich erfreulicherweise wieder zusammengerauft. „Hochzeitsfieber“ benennt bei mir ja auch den positiven Zustand der Vorfreude, den emotionalen Ausnahmezustand, dass man alles möchte, teilweise den Realitätsbezug verliert, einfach der irrationale Freudentaumel.

Unter der Woche sind Sie nahezu täglich als Experte bei „4 Hochzeiten und eine Traumreise“ bei VOX zu sehen. Wie ist es, als Profi Laienhochzeiten anzusehen?

Nach wie vor ist es sehr interessant, zu sehen, was Brautpaare ohne Experten auf die Beine stellen können – oder eben nicht. Es gibt immer wieder neue tolle oder böse Überraschungen, es ist emotional, lustig, dramatisch. Aber vor allem macht es mir sehr viel Freude, Bräuche, Rituale oder andere Kulturen zu erklären und viele Tipps zu geben. Sehr oft sagen Zuschauer mir, dass sie einiges für ihre eigene Hochzeit gelernt haben – darum geht es mir.

Bei der Serie geht es ja manchmal ganz schön zur Sache. Meiner Meinung nach bewerten die Frauen die Hochzeiten oft sehr unfair. Wie finden Sie dieses Krallen-Ausfahren und was raten Sie künftigen Teilnehmerinnen?

Das stimmt so nicht. Zicken gibt es im Verhältnis aller Sendungen sehr selten, aber sie bleiben am meisten im Gedächtnis, weil man sich darüber aufregt und diese Empörung als stärkere Emotion tiefer ins Hirn dringt. Teilweise ist es Boshaftigkeit oder Berechnung, manchmal einfach Unwissen, fehlende Vergleiche, keine Sachkenntnis. Unterschiedliche Blickpunkte und Sichtweisen sind ja klar gewünscht, da es sich um subjektive Bewertungen handelt, aber fair muss es bleiben. Die Bräute sollten definitiv bei sich bleiben, fröhlich und gutmütig sein und sich nicht zu viele Gedanken um den Wettbewerb machen. Einfach mit Freude dabei sein und im Moment aus dem Bauch heraus bewerten.

Was sollten die Hochzeitsgäste beachten?

Mit Leib und Seele dabei sein, das Brautpaar und sich selber feiern, Braut und Bräutigam in den Mittelpunkt rücken, sich um sie kümmern, kein Weiß tragen, alkoholisch nicht über die Stränge schlagen.

Was raten Sie Paaren, die sich gerade in die Vorbereitungen für ihre Hochzeit 2018 werfen? Auf was sollten sie achten, damit es ein unvergesslicher Tag wird?

Gas geben! Das Jahr hat begonnen, die Zeit rast. Die Hochzeit nach ihrem Gusto feiern, das heißt einen Stil definieren, der zu ihnen passt, ihre eigenen Wünsche realisieren. Von allen Dienstleistern verschiedene Angebote einholen, damit ein Vergleich gesichert ist, nicht den erstbesten nehmen. Den Favoriten dann persönlich treffen, und schließlich nach Sympathie und Bauchgefühl entscheiden.

Wie lange sollte man für die Planung einrechnen?

Als Laie sollte man mindestens ein Jahr zuvor beginnen, damit die Wunschlocation noch frei ist und man Zeit für Auswahl und Entscheidungen hat.

Wie sehen Ihre Zukunftsplanungen aus? Wollen Sie in 20 Jahren immer noch Hochzeiten planen?

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Gerade stehe ich in der Blüte meiner Agentur, es macht mir mehr Spaß denn je, denn ich kann mir die Hochzeiten aussuchen. Dieses Jahr geht als Erstes unsere neue Website online, dann steht der Restart unseres Shops an, ein paar B-2-B-Projekte in der Schweiz werden realisiert. Es wird also mal wieder ein aufregendes Jahr.

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.


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