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Mollath-Doku: Nah dran und doch so fern

Wer ist Gustl Mollath? Das Bayerische Fernsehen zeigt am Dienstag die Doku „Mollath – Und plötzlich bist du verrückt“.

Gustl Mollath in einer Szene der Dokumentation, die am Dienstag im Bayerischen Fernsehen zu sehen ist.
Gustl Mollath in einer Szene der Dokumentation, die am Dienstag im Bayerischen Fernsehen zu sehen ist. Foto: Zorro/dpa

Nürnberg. Sein Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: Der Nürnberger Gustl Mollath war rund sieben Jahre gegen seinen Willen in der Psychiatrie eingesperrt. Ein Gericht hielt ihn für gefährlich, doch er kämpfte von Anfang an für seine Freilassung. 2014 schließlich kann er das Regensburger Landgericht nach einem Wiederaufnahmeverfahren als freier Mann verlassen.

Zwei junge Filmemacherinnen haben den 59-Jährigen eineinhalb Jahre lang begleitet. Sie wollten hinter die Fassade von einem der bekanntesten Justizopfer in Deutschland blicken. Am kommenden Dienstag, 22.45 Uhr, ist die Dokumentation „Mollath – Und plötzlich bist du verrückt“ im Bayerischen Fernsehen zu sehen.

In 90 Minuten blicken die Regisseurinnen Leonie Stade und Annika Blendl Mollath über die Schulter und sprechen mit Freunden und Wegbegleitern. Sie zeigen Mollath etwa barfuß am Strand, bei einem Autorennen in England, in der Kirche oder wenn er liebevoll seine Pflanzen versorgt.

Zuweilen wirkt Mollath im Film eigen – etwa wenn er im Bus seine Münzen wegen der seltenen Prägung nicht zum Bezahlen verwenden will und lieber Schwarz fährt. Auch seine Verbitterung ist zu sehen über die Ungerechtigkeit, die ihm angetan wurde. Dann wieder wirkt er extrem vernünftig, humorvoll und selbstironisch. Als ihm etwa eine Frau einen kritischen Zeitungsartikel über ihn zeigen will, lehnt er lachend ab und sagt, wenn er so was lesen würde, „möchte ich fast verrückt werden und das möchte ich vermeiden“.

Mollath, ein amüsanter Typ?

Blendl erzählt: „Es gab viele witzige Szenen. Er hat sehr viel Humor und wir haben uns gut mit ihm amüsieren können. Das hätte man vielleicht gar nicht geahnt.“ So richtig nahe kommen ihm die Regisseurinnen dennoch nicht. Gustl Mollath lässt wohl niemanden an sich ran. Stade nennt ihn kompromisslos, kämpferisch und sehr genau. „Uns war es wichtig, auch diese Seiten zu zeigen. Denn ohne diese Eigenheiten wäre er nie aus der Psychiatrie raus gekommen.“

Mollaths Ex-Frau kommt in dem Film nicht selbst vor. „Wir haben uns darüber sehr viele Gedanken gemacht“, berichtet Stade. „Doch dann hätten wir sie zu gleichen Teilen integrieren müssen – und hätten kein Porträt mehr über ihn machen können.“ Zudem wollte sie auch nicht mehr in der Öffentlichkeit auftreten.

Die andere Seite von Mollaths Geschichte wird daher durch die Journalisten Otto Lapp und Beate Lakotta erzählt. Vor allem Lakotta sah den Fall sehr kritisch – und wurde dafür mehrmals wüst beschimpft. Dafür haben die Regisseurinnen kein Verständnis. Stade sagt: „Definitiv ist Gustl Mollath zum Opfer von etwas geworden. Das heißt aber nicht, dass man ihn deswegen zum Helden stilisieren muss.“

Mollath selbst wollte mit dem Film vor allem auf die Zustände in psychiatrischen Kliniken aufmerksam machen: „Ich hoffe, dass die Menschen motiviert sind, wissen zu wollen, was in diesen Anstalten los ist.“ (dpa)

Mehr Hintergründe und Fakten über Gustl Mollath, den Justizskandal und das neu-aufgerollte Verfahren gibt es hier.

Kommentar

Der Unbeugsame

Gustl Ferdinand Mollath, 57: Ein Mann ohne Pass, Einkommen und festen Wohnsitz, dafür aber mit einem Anliegen. Seit dem 7. Juli steht er wieder vor Gericht....

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