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Menschen des Jahres

Bettina Wulff „Jenseits des Protokolls“

Es sollte ein Befreiungsschlag werden. Aber das Buch der ehemaligen First Lady Bettina Wulff wurde zum Reizthema.

Bettina Wulff setzte mit ihrem Buch zu einem Befreiungsanschlag an.

Berlin. Kai Diekmann sei „einfach ein Fuchs“, so hat es Bettina Wulff geschrieben. Beim Frühstück auf Schloss Bellevue fragte der Chefredakteur der „Bild“-Zeitung die Frau von Christian Wulff, was denn dran sei an den Rotlichtgerüchten. Da sei ihr fast das Brötchen im Halse steckengeblieben. Eine Schlüsselszene aus dem Buch „Jenseits des Protokolls“. Der Rundumschlag kam im September, sieben Monate nach dem Rücktritt ihres Mannes als Bundespräsident. Der Titel hätte auch lauten können: „Jetzt rede ich“. Auf dem Buchcover ist Bettina Wulffs Tattoo zu sehen. Ein trotziges Zeichen: Nehmt mich so, wie ich bin. Mit der Diplomatie ist es vorbei.

Die 39-Jährige hat es getroffen, was die Medien über sie geschrieben haben. Ein typischer Satz: „Ich habe mich ja schon fast gewundert, dass kein Journalist einmal nachhakte und recherchierte, ob ich überhaupt die Tochter meiner Eltern bin.“ Ob ihre Kleider, ihre angebliche Partyvergangenheit oder ihr nicht abgeschlossenes Studium: Es ist ihr nicht egal, was die Leute über sie denken. Und sie will auch nicht mit ihrem Mann, der über Affären um einen Hauskredit und Urlaubsreisen gestürzt war, in einen Topf geworfen werden.

So hat die PR-Expertin mit Hilfe einer Promi-Autorin ein Buch geschrieben, das in seiner Ausführlichkeit sehr weit und manchen gehörig auf die Nerven ging. Muss man wirklich wissen, dass es in der Küche der Präsidentenvilla keine richtige Dunstabzugshaube gab, oder dass Leibwächter gegenüber dem Hotelzimmer möglicherweise alles hören? Oder dass sie bei Männern (Kapitel 1) „kein festes Beuteschema“ hat?

Dann kam eine Reihe von Interviews. Zu lange habe sie nach den Terminplänen ihres Mannes gelebt. „Jetzt geht es um mich und meine Söhne.“ Auch, dass sich die Wulffs therapeutische Hilfe holten, war zu lesen. Die PR-Offensive löste viel Häme aus. Die Kommentarspalten im Internet quollen über. Sie sagte Talkshows und Lesungen ab.

Fast ein wenig vergessen wurde in all dem Rummel, dass Bettina Wulff als jüngste First Lady zur deutschen Antwort auf Frankreichs Carla Bruni hochgeschrieben und für ihr ehrenamtliches Engagement geschätzt wurde. Und im Rückblick steckt vielleicht auch eine Portion Frauenfeindlichkeit dahinter, wie Politiker und Journalisten hinter vorgehaltener Hand tratschten, die große Blondine an Wulffs Seite sei früher mal ganz wild gewesen. Dazu kamen die Verleumdungen im Internet - gegen die sie sich juristisch wehrte.

Und heute? Die Wulffs sind aus der Villa in Berlin-Dahlem zurück ins niedersächsische Großburgwedel gezogen, länger hörte man nicht mehr großl von ihnen. Für den Prothesenhersteller Otto Bock reiste sie als Botschafterin zu den Paralympics nach London, im November trat sie beim RTL-Spendenmarathon auf. Wie viele Bücher verkauft sind, sagt der Riva Verlag nicht. Bettina Wulffs Nachfolgerin Daniela Schadt, die Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck, hält sich, was Medienauftritte angeht, auffällig zurück.

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