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Mauerfall

„Bilder, die um die Welt gingen“

25 Jahre – 25 Stunden: Der RBB setzt zum Mauerfall-Jubiläum auf Zuschauer-Sitzfleisch. Claudia Nothelle erklärt, was dahinter steckt.

Claudia Nothelle, die Programmdirektorin des RBB, erzählt vom größten Projekt, das der Sender je gestemmt hat.
Claudia Nothelle, die Programmdirektorin des RBB, erzählt vom größten Projekt, das der Sender je gestemmt hat. Foto: dpa

Berlin.Von morgens bis abends Fernsehen und dann wieder bis in den nächsten Morgen – zu nur einem Thema. Am kommenden Wochenende bietet der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) genau das: zum Mauerfall-Jubiläum. Warum der Sender, der aus dem ORB und dem SFB vor mehr als einem Jahrzehnt entstand, für sich hier eine besondere Verantwortung sieht, erklärt Programmdirektorin Claudia Nothelle.

Wie entstand die Idee zum Dauerprogramm von 25 Stunden Mauerfall in Fernsehen, Radio und Online?

Die Frage war: Was machen wir? Einerseits waren die Feierlichkeiten zu 20 Jahren Mauerfall 2009 gefühlt noch sehr nah, andererseits ist es ein so einschneidender Tag und so wichtig, dass wir dieses besondere Jubiläum auch in besonderer Weise begehen wollten. Dann kam die Idee: 25 Jahre – machen wir 25 Stunden Programm – „mehr als ein Tag“. Der Gedanke dahinter: Es war eben nicht nur der 9. November, sondern die Ereignisse reichen weit darüber hinaus.

Glauben Sie, dass Menschen wirklich 25 Stunden davorsitzen?

Nein – ich kann mir nicht vorstellen, dass sehr viele 25 Stunden ununterbrochen davorsitzen, aber hoffentlich viele, die immer wieder reinschalten, und auch solche, die die entscheidenden Stunden sehen wollen. Und dann dran hängenbleiben, weil sie feststellen: „Hatte ich schon völlig vergessen“ oder „habe ich nie so gesehen“. Es ist ja eine Mischung aus Live-Elementen – immer zur vollen Stunde sind wir live an verschiedenen Orten entlang des ehemaligen Mauerverlaufs – und aus dokumentarischen Anteilen, um eben viele verschiedene Blickwinkel zu bieten.

Wie viele Menschen haben mitgewirkt an dem Programm?

Gefühlt macht der gesamte RBB mit. Angefangen hat es mit einem Kernteam, das sich seit einem Jahr immer wieder mit dem 9. November beschäftigt – seit einiger Zeit sogar ununterbrochen. Im Verlauf kamen immer mehr dazu. Allein die Ballonaktion des Senats ins Fernsehen zu bringen, ist ein Riesenprojekt – vor allem für die Produktion, also für Kamera und Bildtechnik. Die Gesamtdisposition, also die Liste der Orte, der Produktionsmittel und der Beteiligten für das Mauerfall-Wochenende, hat 86 Seiten. Zudem haben wir viele Dokumentationen in unserem Archiv zum Mauerfall und zu den Ereignissen in den Wochen davor und der Zeit danach. Damit muss sich ja jemand auseinandersetzen und prüfen: Was gibt es für Schätze? Was wollen wir zeigen? Da steckt viel Arbeit drin. Insgesamt sind die 25 Stunden das größte Projekt, das wir als RBB je gestemmt haben.

Hat der RBB die Verantwortung für das Thema, auch innerhalb der ARD?

Es ist für uns Verantwortung und Chance zugleich, dass wir eben genau in dieser Region leben. Berlin ist die Stadt, die durch die Mauer geteilt war. Und hier entstanden damals (und entstehen jetzt wieder) die Bilder, die um die Welt gingen und beinahe ikonographisch für das stehen, was 89 ausmacht. Wir sind – gemeinsam mit unserem Vorgängersender SFB – der Sender, der diese Bilder gemacht und gedreht hat. Wir stehen mit unserer Ost-West-Anbindung mittendrin und haben die Verantwortung, die Geschichte immer wieder zu erzählen und in die Zukunft zu transportieren.

Wo waren Sie selbst damals am 9. November?

Ich habe eigentlich zu der Zeit noch in Bonn studiert, bin aber gerade am 9. November in Dresden angekommen, wo ich Freunde besucht habe. In Dresden gab es ja kein Westfernsehen, so hatten wir einen fröhlichen, aber ahnungslosen Abend und sind gegen Mitternacht ins Bett gegangen. Da kam ein Anruf von Freunden aus Westdeutschland, die fragten: „Feiert Ihr denn gar nicht?“ – Da war natürlich die Nacht vorbei, der Sekt wurde geköpft. Ich habe eine unglaubliche Zeit in Dresden verlebt, absolut unvergesslich.

Zur Person:

Claudia Nothelle ist seit Mai 2009 Programmdirektorin in Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), zuvor war sie seit 2006 Chefredakteurin des RBB Fernsehens. Die gebürtige Westfälin wuchs in Köln auf und studierte Katholische Theologie und Germanistik in Bonn und Mainz, ehe sie in den Journalismus wechselte. Die Wiedervereinigung hat auch ihr berufliches Leben geprägt: Nach verschiedenen Stationen bei Zeitungen arbeitete sie von 1992 bis 2006 in unterschiedlichen Positionen beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), ehe sie zum RBB wechselte. (dpa)

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