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Brust raus und singen bei DSDS

Neue Regeln, aber alles beim Alten: Bei DSDS überrascht nur Marianne Rosenberg: Die Sängerin hat das Zeug zum neuen Bohlen.
Von Katrin Wolf, MZ

  • Sängerin Marianne Rosenberg eifert mit ihren bissigen Kommentaren Dieter Bohlen nach. Foto: dpa
  • Rapper Kay One sorgt in der Jury für den gewissen Prollfaktor. Foto: dpa

Regensburg.„Kandidaten an die Macht“ hat RTL als Motto für die elfte Staffel DSDS ausgegeben. In den Liveshows dürfen sie jetzt anziehen, was sie wollen, und singen, was sie wollen – und nicht, was Stylisten und Vocal Coaches für sie aussuchen. Oder, wie Marianne Rosenberg im Trailer ankündigt, die Kandidaten sollen „ihren Style finden und dabei authentisch bleiben“.

Welche Art von Authentizität gemeint ist, wird schnell klar: „Du bist frech, du kannst labern...“, für Kandidatin Tanja, die nicht wirklich gut singen kann, reicht das fürs Weiterkommen. Obwohl – nicht ganz: Tanja hat noch mehr zu bieten, und zwar ein großzügiges Dekolleté. Mit den Stimmen der beiden Männer in der Jury, DSDS-Dino Dieter Bohlen und das Rapper Kay One, ist sie in der nächsten Runde. Dabei profitiert Tanja von einer Neuerung im Reglement: Die Kandidaten wählen sich aus der Jury im Vorfeld einen Joker, der bei einer Patt-Situation über ihr Weiterkommen entscheiden kann. „Ich finde das immer wichtig: Brüste und ne gute Stimme“, grinst Kay One. Aber bei DSDS ging es schließlich noch nie um die Stimme. Man sei schließlich nicht bei „The Voice“, bringt Kay One die Sache auf den Punkt.

„Schluss mit dem Schrott hier!“

Kay One hat es sich mit seinen Sprüchen offenbar zur Aufgabe gemacht, Bohlen in Sachen Prolligkeit und Sexismus den Rang abzulaufen. Die wahre Überraschung in der Jury ist Schlagersängerin Marianne Rosenberg („Er gehört zu mir“): Neben ihr wirkt Bohlen wie ein netter Onkel. Das ist anfangs noch sehr erfrischend, als sie den Obermachos Bohlen, Kay One („Ich würde meine Frau nie arbeiten lassen“) und Kandidat Maurizio resolut Paroli bietet („Schluss mit dem Schrott hier!“). Bei Kandidat Artur, der kläglich an einem Song von Kay One scheitert, reißt ihr aber der Geduldsfaden: „Kommt da jetzt gleich die versteckte Kamera - wer hat dir gesagt, du kannst zu uns kommen?“ Den Rest der Show gibt sie die bräsige, alternde Diva. Möglicherweise fühlt sie sich mit ihrer Entscheidung, in der Jury einer Castingshow mitzumachen, doch nicht so wohl. Rosenberg kritisierte Castingformate vormals als „Menschenverwertungsmaschine“. Sie habe mitgemacht, weil sie gefragt worden sei – und probieren wollte, ob es auch anders geht, sagte Rosenberg in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“. Mal sehen.

Mieze Katz hingegen spielt die liebe kleine Schwester. Sie hält sich angesichts der Pöbeleien ihrer Kollegen dezent im Hintergrund und begnügt sich vornehmlich damit, Grimassen zu schneiden.

Aus dem Quotentief hat die neue Jury Deutschlands größtes Castingformat übrigens nicht geholt: 4,39 Millionen Menschen sahen am ersten Abend zu, das sind 800 000 weniger als im vergangenen Jahr – der schwächste Start seit 2002.

Bohlen wird fürsorglich

Sonst bleibt alles beim Alten: Selbstverständlich wird auf die Tränendrüse gedrückt, und ein paar Kandidaten dürfen sich vor der TV-Nation wieder bis auf die Knochen blamieren. Dieter Bohlen entdeckt seine fürsorgliche Seite und warnt Kandidat Artur, es werde kein gutes Ende nehmen, wenn er noch ein Lied singe. Der wird kurz nachdenklich:„Könnt ihr das so machen, dass ich nicht gezeigt werde?“ Schallendes Gelächter im Studio – fast schon rührend naiv die Annahme.

Eine Überraschung gibt es dann doch noch: Bohlen lässt „Öko-Mädchen“ Maxi weiter, weil sie einen Küblböck-Song mit mehr Wiedererkennungswert darbietet als Daniel Küblböck selbst. Kay One hätte sie wegen ihrer „Optik“ allerdings wieder nach Hause geschickt. Im Großen und Ganzen sind es aber doch die Damen mit der anderen Art von „eigenem Stil“, die beeindrucken – mit Dekolleté und Labern.

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