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Schneidern

Die tapferen Schneider-Laien

Kleidung nur noch aus asiatischen Sweatshops? Das muss nicht sein: Kathrin Kloos und Stefan Lachenmayr nähen sich im Selbstversuch ihr eigenes Outfit.
Von Kathrin Kloos und Stefan Lachenmayr

Selbstgenäht: Kathrins Kleid und Stefans Jeans Foto: Kloos/Lachenmayr

Passau.2014 nach Christus. Jedes Kleidungsstück wird in asiatischen Sweatshops unter fragwürdigen Bedingungen produziert. Jedes Kleidungsstück? Nein, denn wir haben uns vorgenommen, ein Sommerkleid und eine Jeans vom Schnitt bis zur letzten Naht selbst herzustellen. Ein optimistisches Ziel für zwei Menschen, deren Nähkompetenz bisher nicht einmal dazu reicht, einen Knopf zu befestigen. Damit die selbstgeschneiderte Kleidung nicht sofort im Altkleidercontainer landet oder komplett auseinanderfällt, brauchten wir für unser Vorhaben natürlich professionelle Hilfe.

Auf der Suche nach Unterstützung fanden wir die Schneiderin Tina Califano. Die 43-jährige Italienerin opferte zwei Tage für unser ehrgeiziges Projekt. Damit war für uns Crashkurs angesagt. Hochmotiviert und voller Elan freuten wir uns auf unseren ersten Nähschultag. Doch statt hoher Schneiderkunst stand erst einmal Bügeln auf dem Programm. Immerhin gab es hier noch Erfolgserlebnisse, denn auch der moderne Student weiß gerade noch wie ein Bügeleisen funktioniert. Ganz anders sah es dann an der Nähmaschine aus. Oberfaden, Unterfaden, Fadenspannung, Schiffchen, Nähstich – so eine kleine Maschine kann einen Laien durchaus überfordern. Nach ein paar zögerlichen Übungsstichen auf einem Blatt Papier wurde es für uns ernst: Die erste Naht. Langsam schob sich die Nadel Zentimeter für Zentimeter durch den Stoff und hinterließ eine zumindest halbwegs gerade Linie. Fuß vom Pedal, Schiffchen hoch, Faden abschneiden, fertig. Nach diesem Erfolg ging es gleich zurück zum Bügeleisen, um die frische Naht zu glätten. „Denn gut gebügelt ist halb genäht“, meinte unsere Lehrerin.

Stück für Stück wurden unsere Nähkünste besser und auch die Klamotten nahmen langsam Form an. Aus einer einfachen Stoffbahn wurden immer mehr Einzelteile, die sich nach und nach zu einem großen Ganzen zusammenfügten. Doch die ersten Rückschlage holten uns gleich wieder auf den Hosenboden der Tatsachen zurück. So verzweifelten wir beinahe dabei, die Kurven einer Frau in ein Kleid zu nähen, da ein Brustteil in Kegelform à la Madonna nicht sonderlich ästhetisch wirkt. Auch die Säuberungsnähte sollten gewissenhaft umgesetzt werden, um nicht eine fast vollendete Jeans noch zu vernichten. Ohne professionelle Unterstützung hätten wir spätestens hier aufgegeben. Dank einer hingebungsvollen Lehrerin und viel Fleiß waren wir nach nur zwei Tagen stolze Besitzer eines selbstgemachten Kleidungsstücks. Die ein oder andere schiefe Naht zeugt zwar von unserer fehlenden Kompetenz, aber macht das Stück natürlich auch gleich zu einem Unikat. Unser Fazit: Stoffe sind günstig, doch guter Rat ist teuer. Zwar ist der zeitliche Aufwand mit einer einfachen Shoppingtour nicht zu vergleichen. Doch wir tragen unser Kleidungsstück „Made in Passau“ mit Stolz und das überwiegt die lange Arbeit allemal. Mission erfüllt.

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