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Sport

Ein Skater der alten Schule

Für Markus Lukesch ist Skatboarden nicht einfach nur ein Sport, sondern eine Einstellung. Und die bestimmt seit 26 Jahren sein ganzes Leben.
Von Miriam Witsch und Leonie Sanke

Der 46-jährige Markus Lukesch ist stolz auf sein kleines Skater-Paradies. Foto: Leonie Sanke

Passau.Markus Lukesch beobachtet stirnrunzelnd zwei Jugendliche auf der Suche nach einer neuen Hose. Ob es das Modell auch eine Nummer kleiner oder in „skinny“ gäbe, fragt ihn einer der beiden. „Wenn du den allerneusten Trend willst, musst du zu H&M gehen. Wir verkaufen hier echte Skaterklamotten, die sind nicht skinny“, reagiert der 46-Jährige prompt.

Seit 15 Jahren betreibt Markus Lukesch, den alle nur Lukesch nennen, sein Skategeschäft „Trick 17“ in der Passauer Fußgängerzone. Seine ersten T-Shirts und Boards verkaufte der frühere Werbegrafiker im Büro eines Freundes. Die Umsätze stiegen so rasant, dass er sich kurze Zeit später für 250 D-Mark im Monat einen eigenen Laden anmietete.

Lässig lehnt sich Lukesch über die selbstgebaute Ladentheke und erzählt von den Anfängen seiner Leidenschaft: „Als ich das erste Mal sah, wie mein Kumpel stundenlang versuchte, mit seinem Board auf einen Bürgersteig zu springen, konnte ich nicht verstehen, wie man so viel Zeit für etwas aufwenden konnte, das dazu noch so blöd aussieht. Dann probierte ich es aus und stand auf einmal selber stundenlang auf dem Brett.“

Das war Ende der 1980er Jahre, als Skater noch eine Subkultur bildeten, die aus der Masse herausstach und gerne aneckte. Auf der Straße und in den Clubs fielen Lukesch und seine dreißigköpfige Skatecrew mit ihrer rebellischen Art auf. „Mindestens genauso wichtig wie das Skaten war damals der gemeinsame Lifestyle. Der drehte sich vor allem um die Musik, die Frauen und das gemeinsame Feiern „, schwärmt Lukesch, während er nach der engsten Hose im Laden sucht. Doch auch die ist den Jungs nicht eng genug. Nach einer halben Stunde beäugen sie sich immer noch kritisch im Spiegel. „Heutzutage ist das Skaten für viele nur noch ein Sport. Außerdem sehen alle Skater gleich aus, weil sie nicht mehr so aus der Reihe fallen wollen wie früher, sondern lieber Skinny Jeans von H&M tragen“, scherzt Lukesch mit Blick auf die Jungs.

Weil es früher noch nicht in jeder Stadt einen Skatepark gab und auch Passau für Skater nicht viel zu bieten hatte, reiste Lukesch mit seinen Kumpels zu den besten Skateparks in ganz Deutschland. „Wir sind oft nach Nürnberg oder Regensburg getrampt, weil man dort einfach besser skaten konnte“, erzählt er. Beim Blick durch den Laden fallen die vielen gerahmten Fotos auf - Lukeschs Erinnerungen aus fast drei Jahrzehnten gelebter Skaterkultur. „Die Skateboarder zu dieser Zeit waren alle sehr offen, weil sie sich über die Stadtgrenzen hinaus viel stärker ausgetauscht haben“, erzählt Lukesch mit Blick auf die Bilder. Bei einem Foto bleibt er hängen. „Einmal, kurz nach der Wende“, erinnert er sich, „skateten am Passauer Bahnhof vier Jungs, die irgendwie nicht hierher passten. Keiner kannte sie, keiner verstand ihre Sprache - aber die hatten es unglaublich drauf.“ Die vier waren Tschechen, die über die Grenze gekommen waren. Enttäuscht von den mageren Skatemöglichkeiten in Passau, luden sie Lukesch und seine Skatecrew zu sich nach Hause ein. Bei ihrem ersten Besuch in dem tschechischen Dorf waren die Passauer überwältigt von „den hübschen Mädels, dem Bier für 25 Pfennig und den geilen Skateparks“. Besonders beeindruckte sie aber die Gemeinschaft ihrer neuen tschechischen Freunde. Hier feierten Jung und Alt zusammen und niemand hatte das Bedürfnis besonders cool zu sein. „Das Miteinander unter den Skatern war sowieso das Wichtigste. Der Style, die Musik und das alles, das war im Prinzip nebensächlich“, stellt Lukesch klar. Da meldet sich einer der Jungs wieder zu Wort und reißt ihn aus seinen Gedanken. Er sei sich immer noch unschlüssig und würde die Hose gerne zurücklegen lassen.

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