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Grünes Gold - Di. 20.08. - ARTE: 23.00 Uhr

Auf den Spuren der Droge Khat

Vor allem in Afrika boomt der Handel mit der amphetaminhaltigen Pflanze Khat. Er ist zu einem Milliardengeschäft geworden - mit fatalen Auswirkungen auf die User und die Gesellschaft in Ländern wie Somalia oder Äthiopien.

  • Safi Musa arbeitet seit 15 Jahren als Khat-Arbeiter in Awoday in Äthiopien. Er und die anderen Arbeiten kauen Khat, um nicht müde zu werden. Foto: ARTE / Matteo Keffer / Corso Film
  • Die amphetaminhaltige Pflanze ist global verbreitet, wird von Millionen von Menschen in Ostafrika, auf der Arabischen Halbinsel und darüber hinaus konsumiert. Foto: ARTE / Matteo Keffer / Corso Film
  • Das Geschäft mit dem Khat ist sehr lukrativ. Viele Menschen in Somaliland sind von dem Geld abhängig, das sie mit der Droge verdienen. Foto: ARTE / Matteo Keffer / Corso Film
  • In einer psychiatrischen Klinik in Hargeysa in Somaliland können die Khat-Patienten kaum behandelt werden. Oftmals fehlen die Medikamente. Foto: ARTE / Matteo Keffer / Corso Film
  • Der Dichter Khalif Samatar (links)lebt im Flüchtlingslager Dadaab seit dessen Errichtung 1992. Er kaut Khat, da es ihn von seinen Problemen und der Eintönigkeit ablenkt. Foto: ARTE / Matteo Keffer / Corso Film

Lange war in Europa und der westlichen Welt nur wenig bekannt über die Wirkung der amphetaminhaltigen Pflanze Khat. Der Khatstrauch wurde vor allem in afrikanischen Ländern wie Somalia, Kenia und Äthiopien sowie auf der Arabischen Halbinsel angebaut und konsumiert. Nutzten frühere Generationen die berauschende Wirkung der jungen Blätter, die im Mund zerkaut werden, noch für einen angeblichen gesellschaftlichen wie kulturellen Zusammenhalt, ist Khat nunmehr zu einem massiven Problem geworden. Und das weltweit! Im Zuge der Globalisierung und der international seit Jahren angespannten Flüchtlingssituation ist auch Europa betroffen. Zahlen belegen das. So hat der Frankfurter Zoll im vergangenen Jahr am Flughafen mehr als sieben Tonnen Drogen beschlagnahmt. Unter dieser ungeheuren Menge an Rauschgift entfiel der Hauptanteil mit knapp 4,8 Tonnen auf die Kaudroge Khat.

Die Autoren Davide Morandini, Matteo Keffer und David Chierchin haben sich in ihrem Film von 2017 auf die Spuren der Droge gemacht, die ihre Nutzer zunächst aktiver macht und wenigstens kurz aus einer Eintönigkeit des Lebens entkommen lässt. Die beklemmende Dokumentation zeigt, wie der Khat-Konsum beispielsweise nach dem jahrzehntelangen Bürgerkrieg in Somalia nahezu explodiert ist. Einen Grund dafür erklärt Abdirisak. "Mit dem Khat-Konsum wollen viele ihre Kriegstraumata vergessen. Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Krieg und dem Missbrauch der Droge", so der Abdirisak, der Sucht-Abhängige behandelt.

Als der psychiatrisch geschulte Sozialarbeiter in einem kleinen Dorf einen erst 15-jährigen Abhängigen aufsucht, reagiert dieser nur apathisch. Leere, trostlose Augen blicken in die Kamera. Eine der Dorf-Älteren erklärt in einer von Dürre geschundenen trostlosen Gegend: "Wir haben alles verloren und niemand hilft. Aber wenn die Kath-Laster kommen, dann rennen ihnen alle hinterher. Sie kommen jeden Tag. Dadurch denken die Männer nur noch an Khat. Sie kümmern sich um sonst nichts mehr."

Umschlagplatz London

Die Laster voll beladen mit der Strauchpflanze kommen aus Städten wie Awoday im Osten Äthiopiens. Hier bestimmt der Handel mit der Droge nahezu das gesamte Geschehen. Nahezu im Akkord werden Lastwagen mit der Pflanze beladen. Jede Nacht schwärmen sie aus. Ein Händler sagt ganz offen: "Von hier aus erreiche ich ganz Äthiopien, Somalia, das Horn von Afrika. Ich erreiche sogar die Flüchtlingscamps in der somalischen Wüste. Und alle Menschen, die von hier in den Rest der Welt emigriert sind. Wir schmuggeln die Ware bis nach China oder London."

Anders als in Deutschland und den meisten übrigen europäischen Staaten war Khat in Großbritannien bis noch vor wenigen Jahren nicht verboten. Erst in London wurde der aus Afrika geflohene Abukhar von dem Kraut süchtig. Schließlich brachten ihn fünf Messerstiche in den Bauch nach einem Streit im Rausch weg von der Droge. Im Film ist zu sehen, wie Abukhar fortan gegen das Khat kämpfte. Erfolgreich, bis die britische Regierung nach zehn Jahren seines Einsatzes die Pflanze erst 2014 für illegal erklärt hat.

Andreas Schoettl

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