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"Generation Helikopter-Eltern?"

Collien Ulmen-Fernandes: "Es wird sehr viel Geld mit der Angst der Eltern gemacht"

Alle klagen über Helikopter-Eltern, aber niemand glaubt, selbst dazuzugehören. Collien Ulmen-Fernandes setzte sich in einer zweiteiligen ZDFneo-Doku mit Eltern-Taxis und Windel-Apps auseinander. Ihre Erkenntnis: "Der Trend geht zur Ein-Kind-Familie, und dieses eine Kind wird extrem überbehütet."

  • Collien Ulmen-Fernandes setzte sich für eine ZDFneo-Doku mit der "Generation Helikopter-Eltern" auseinander. Foto: ZDF / Kai Schulz Fotodesign
  • Collien Ulmen-Ferandes rät: "Ich glaube, egal, wie das Kind ist, Eltern sollten loslassen lernen." Foto: ZDF / Kai Schulz Fotodesign

Als im Jahre 1901 in Berlin-Schöneberg der Erstflug eines Hubschraubers beklatscht wurde, galt das mit Recht als große Errungenschaft der Menschheit. Wenn heute von "Helikoptern" in Bezug auf Eltern die Rede ist, sind hingegen zivilisatorische Irrwege gemeint. "Das Interessante ist ja, niemand möchte es sein", sagt Moderatorin und Sachbuchautorin Collien Ulmen-Fernandes. "Alle, die ich als Helikoptereltern kategorisieren würde, sagen 'Nein, auf gar keinen Fall sind wir Helikoptereltern'." In der zweiteiligen ZDFneo-Dokumentation "Generation Helikopter-Eltern?" geht die 38-Jährige der Frage nach, wann elterliche Fürsorge zur Bevormundung wird.

"Ich glaube, ein bisschen Helikopter sind wir alle. Das ist mit den Dokumentationen grundsätzlich wichtig, dass man auch bei sich selbst guckt, wo man selbst vielleicht zu helikopterisch ist", erklärt Ulmen-Fernandes im ZDF-Interview ihre Motivation zum Doku-Beitrag. Ein brennendes Thema, das ihr dabei untergekommen sei: sogenannte "Elterntaxis". "Das kennt man, glaube ich, an sämtlichen Schulen", erläutert die Ehefrau von Schauspieler Christian Ulmen, die selbst eine Tochter im Grundschulalter hat.

"Früher sind 91 Prozent der Grundschulkinder zu Fuß zur Schule gelaufen, mittlerweile sind es, je nachdem, wen man zitiert, 50 Prozent und 70 Prozent, die gefahren werden." Zwar gebe es unterschiedliche Zahlen. Doch sei "auf jeden Fall klar, dass deutlich mehr Kinder gefahren werden als früher. Also nur noch 20 Prozent der Grundschulkinder laufen selbst zur Schule. Das ist an vielen Schulen ein großes Problem, weil die Elterntaxis eben auch die anderen Kinder, die zu Fuß kommen, gefährden."

"Völlig absurd, was es dort alles gibt"

Besonders eindrücklich hätten sich die Dreharbeiten auf der Kinder- und Jugendmesse gestaltet. Dort hätten "in diesem Jahr 151 Aussteller zu den Themen Sicherheit und Überwachung" Produkte präsentiert. Die ehemalige VIVA-Moderatorin hält es für "völlig absurd, was es dort alles gibt". Ulmen-Fernandes: "Zum Beispiel gab es da einen Chip, den man an die Windel macht, und dieser Chip informiert das Eltern-Handy per App darüber, wenn die Windel voll ist. Ich kann aus meiner Erfahrung als Mutter mit einem Baby sagen, das merkt man schon ganz gut alleine, wenn die Windel voll ist. Man braucht dafür keinen Chip und keine App." Das Gleiche gelte für Chips, die Auskunft darüber geben, wie viel ein Kind getrunken hat. "Grundsätzlich wird sehr viel Geld mit der Angst der Eltern gemacht", ist sich die Moderatorin und Kolumnistin sicher.

Auch auf die Frage, wie der relativ neue Erziehungstrend zu begründen sei, hat Ulmen-Fernandes eine Antwort. "Früher war das Phänomen nicht so ausgeprägt, weil man mehr Kinder hatte. Mittlerweile geht der Trend zur Ein-Kind-Familie, und dieses eine Kind wird extrem überbehütet. Das ist unter anderem ein Grund, warum mehr Eltern helikoptern." Ihr Rat: "Ich glaube, egal, wie das Kind ist, Eltern sollten loslassen lernen."

Das zweiteilige "Social Factual", wie das ZDF es nennt, "Generation Helikopter-Eltern?" läuft am Donnerstag, 5. Dezember, 20.15 Uhr bei ZDFneo als Doppelfolge. In der ZDF-Mediathek steht die Sendung am selben Tag bereits ab 10 Uhr morgens zum Abruf bereit.

teleschau

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