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Kommissarin Lucas: Tote Erde - Sa. 31.08. - ZDF: 20.15 Uhr

Der Zeitgeist lässt grüßen

Wichtige Themen, solide verhandelt: Im neuen "Kommissarin Lucas"-Krimi geht's unter anderem um radikalen Umweltschutz und den Kampf um eine bessere Zukunft.

  • Kommissarin Ellen Lucas (Ulrike Kriener) und ihr Chef Boris Noethen (Michael Roll) sind nicht immer einer Meinung. Foto: ZDF / Barbara Bauriedl
  • Marie (Luna Jordan, Mitte) übt sich im Revolutions-Sprech Che Guevaras. Foto: ZDF / Barbara Bauriedl
  • Ulrike Kriener verkörpert seit 2002 die Kriminalhauptkommissarin Ellen Lucas. "Tote Erde" ist bereits ihr 29. Fall. Foto: ZDF / Barbara Bauriedl
  • David (Bruno Alexander) kann es nicht fassen: Sein Freund Paul ist tot ... Foto: ZDF / Barbara Bauriedl
  • Der junge Paul (Anand Batbileg Chuluunbaatar, liegend) starb an einem Genickbruch. Kommissarin Lucas (Ulrike Kriener, rechts) und ihr Team (Jördis Richter und Lasse Myhr) rätseln, ob es sich bei Pauls Tod um einen Unfall oder Absicht handelte. Foto: ZDF / Barbara Bauriedl
  • Ellen Lucas (Ulrike Kriener) und Tom Bauer (Lasse Myhr) ermitteln in einem vertrackten Fall. Foto: ZDF / Barbara Bauriedl
  • Judith Marlow (Jördis Richter) unterstützt ihre Chefin bei der Aufklärung der beiden Todesfälle. Foto: ZDF / Barbara Bauriedl

Fall 29 der erfolgreichen ZDF-Krimireihe "Kommissarin Lucas" zeigt, wie brandaktuell fiktionales Fernsehen sein kann: In "Tote Erde" ermitteln die Titelheldin (Ulrike Kriener) und ihre Kollegen (Lasse Myhr und Jördis Richter) in einem vertrackten Fall. Ein Bauer wird tot aufgefunden - offenbar ist er an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben, verursacht durch Brandstiftung. Doch sein Leichnam weist Wunden und Frakturen auf. Hatte es der Bruder des Landwirts etwa auf dessen Lebensversicherung abgesehen? Oder haben drei jugendliche Umweltaktivisten das Feuer gelegt, um gegen die Verwendung von Pestiziden zu protestieren? Regisseurin Sabine Bernardi ist mit ihrem TV-Krimi ein weitgehend überzeugender Ökothriller mit dramatischen Momenten gelungen. Das ZDF zeigt den Film nun in einer Erstausstrahlung.

"Weltweit rebellieren die Jugendlichen, das ist doch verständlich, oder?" - Ellen Lucas stellt sich auf die Seite der Jugend von heute, die angeführt von Greta Thunberg für den Erhalt der Erde und gegen die skrupellosen Machenschaften von Industriekonzernen rebelliert. Das hätte man von einem Sender, der mit seinen Formaten vor allem ein Publikum Ü60 anspricht, so nicht zwingend erwarten können. Damit stößt Ellen Lucas dann auch ihren Chef vor den Kopf, der in den drei Weltverbesserern Marie (Luna Jordan), Paul (Anand Batbileg Chuluunbaatar) und David (Bruno Alexander) ein Trio linksradikaler Chaoten vermutet. Natürlich haben sie den Brand gelegt und den Bauern dadurch getötet - das ist doch glasklar! Doch so einfach ist das alles nicht. Erst recht nicht, als Paul ums Leben kommt.

Interessanterweise war der Junge als Praktikant bei einem Start-Up-Unternehmen tätig, das an umweltfreundlichen Pflanzenschutzmitteln forscht - auf Anraten seines Vaters, der dem Sohn zeigen wollte, dass nicht alle Unternehmen nur ihren eigenen Profit im Sinn haben. "Es gibt auch Grauzonen", so der Senior später zu Kommissarin Lucas. Doch offenbar hatte der Sohnemann seinen Job vor allem zur Industriespionage genutzt ...

"Viva la revolución!"

"Tote Erde" ist ohne Zweifel ambitioniert - und zumeist sehr differenziert ausgestaltet. Denn das ZDF spiegelt im neuen "Kommissarin Lucas"-Fall viel Gegenwärtiges wider: An allen Ecken und Enden fühlt man sich an die Proteste im Hambacher Forst oder die Fridays-for-Future- und G20-Demos erinnert. Mit der progressiven Klimaschutz- und Antikapitalismus-Thematik dürfte sich manch konservativer Zuschauer allerdings vor den Kopf gestoßen fühlen. Insbesondere diejenigen, die sich nicht mit Ellen Lucas, sondern mit ihrem Vorgesetzten Boris Noethen (Michael Roll) identifizieren: Der war laut eigener Aussage einst selbst an Protesten beteiligt - allerdings an deren Niederschlagung.

Seinen gesellschaftspolitischen (Bildungs-)Auftrag hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit "Tote Erde" also definitiv nicht verfehlt. Doch das geht in einigen Momenten zulasten der Glaubwürdigkeit: Wenn sich die Kids plötzlich im Revolutions-Sprech eines Che Guevara üben und Zitate wie "Viva la revolución!", "Si, comandante!" und "Hasta la victoria siempre!" hinausposaunen, ist es mit der Fremdscham nicht weit. Es ist verständlich, dass der Drehbuchautor Mike Viebrock hier versucht hat, die Figuren schnellstmöglich als Idealisten und Rebellen zu charakterisieren. Doch das erscheint viel zu platt. Vielleicht wäre hier weniger mehr gewesen.

Markus Schu

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