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Amazon-Serie "The Terror: Infamy"

Ein Geist, den keiner rief

Die Zeiten ändern sich, der Horror bleibt: Nach der gescheiterten britischen Arktis-Expedition in Staffel eins, beschäftigt sich die zweite Staffel von "The Terror" mit US-Internierungslagern im Zweiten Weltkrieg. Dort treibt ein blutrünstiger Geist aus der alten Heimat der Gefangenen sein Unwesen.

  • Angst und Paranoia: Nach dem Angriff Japans auf Pearl Habor, pferchten die US-Behörden 120.000 japanischstämmige Amerikaner in Lagern ein. Auch in der zweiten Staffel von "The Terror" ist der eigentliche Horror in der Realität verhaftet. Foto: © 2019 AMC Networks Inc.
  • Vater Henry Nakayama (Shingo Usama, rechts) und sein Sohn Chester (Derek Mio) haben unterschiedliche Auffassungen darüber, was es heißt, ein Mann zu sein. Foto: © 2019 AMC Networks Inc.
  • Die geheimnisvolle Yuki (Kiki Sukezane) verfolgt ihre Landsleute überall hin und sorgt für blankes Entsetzen. Foto: © 2019 AMC Networks Inc.
  • Der Auftakt des Bösen: Nachdem eine Nachbarin von einem Geist befallen wurde und sich das Leben nahm, wird das Leben einer japanischen Community zur Hölle. Foto: © 2019 AMC Networks Inc.
  • Chester (Derek Mio) will auf keinen Fall Fischer werden wie sein Vater: Der junge Mann fotografiert lieber und will die Welt sehen. Foto: © 2019 AMC Networks Inc.
  • Die Deportation von 120.000 US-Japanern nach dem Angriff auf Pearl Harbor gehört zu den dunkelsten, und bislnag weitgehend unverarbeiteten, Kapiteln der US-Geschichte. Foto: © 2019 AMC Networks Inc.
  • George Takei ("Star Trek") übernahm in "The Terror - Staffel 2" eine kleine Nebenrolle als alternde Fischerlegende. Viel wichtiger für die Serie waren jedoch seine Erfahrugnsberichte aus erster Hand: Takei und seine Familie wurden in den 1940er-Jahren von US-Behörden in ein Internierungslager deportiert. Foto: © 2019 AMC Networks Inc.

Es war eine eigenwillige, mithin beängstigend-düstere Interpretation einer im Jahr 1846 gescheiterten Arktis-Expedition, die "The Terror", eine von Amazon Prime übernommene TV-Produktion des US-amerikanischen "The Walking Dead"-Senders AMC, in der ersten Staffel wagte. Nun springt die erneut von Ridley Scott ko-produzierte Serie fast hundert Jahre in der Zeit und beschäftigt sich mit einem düsteren Kapitel der US-Geschichte. 120.000 japanischstämmige Amerikaner wurden während des Zweiten Weltkriegs in Internierungslagern eingepfercht. Als wäre das nicht schlimm genug, bekommen die Gefangenen ungebetenen Besuch eines übersinnlichen Wesens, das alles andere als freundlich gesinnt ist.

"The Terror" ist eine Anthologieserie: Es gibt in der zweiten Staffel (ab 16. August verfügbar) keine Fortsetzung sondern eine neue Geschichte, neue Figuren, neue Darsteller. Das verbindende Element ist der Horror, der von einem Geist ausgeht. Wirklich gruselig ist vordergründig aber nicht viel, außer vielleicht einige der belanglosen Dialogzeilen, die den zehn Episoden ziemlich viel Kraft rauben.

In "The Terror" sucht ein "Yūrei", ein dunkler Geist, der in Gestalt einer jungen Frau (Kiki Sukezane) daherkommt, die Familie von Chester (Derek Mio) heim, die auf einer kleinen kalifornischen Insel eine bescheidenes, aber rechtschaffenes Fischer-Dasein führt. Der Vater wanderte vor Jahrzehnten aus Japan ein, Chester selbst wurde in den USA geboren. Für den jungen Mann ist die Insel definitiv zu klein: Er will die Welt sehen, zumindest aber die USA. Anders als seine Verwandten hat er kein Problem damit, mit "anderen" Kulturen in Kontakt zu treten. Sein bester Kumpel ist ein "weißer" Matrose, seine Freundin hat hispanische Wurzeln.

Angst und Paranoia allerorten

Doch Chesters Pläne werden zunächst von einigen mysteriösen Todesfällen durchkreuzt und dann von den Kaiserlich Japanischen Marineluftstreitkräften. Nach dem Angriff auf Pearl Habor am 7. Dezember 1941 stellten die USA jeden Menschen, der irgendwie japanisch aussah, unter Generalverdacht. Chesters Familie wird deportiert und wird nicht nur von den Behörden schikaniert sondern auch von einem grausamen Geist.

"The Terror" mischt auch in der zweiten Staffel einen historischen Stoff mit Fantasy- und Horrorelementen. Die Serie spielt virtuos auf der Klaviatur des J-Horrors, der mit Filmen wie "Ringu" ("The Ring") und "Ju-On" ("The Grudge") vor mehr als zehn Jahren zu einem popkulturellen Phänomen aufstieg. Für Terror, Abscheu und Schrecken ist aber weniger der "Yūrei" zuständig, dafür sorgen die staatlich sanktionierten Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

"Infamy" - "Schande"-, ist der Untertitel der zweiten "The Terror"-Staffel, und die ist bis heute nicht aufgearbeitet. Mindestens genauso schlimm ist, dass sie sich überall auf der Welt wiederholt. Zum Beispiel in den sogenannten "Ankerzentren" - eine euphemistische Frechheit von Bezeichnung für Lager, in denen Menschen festgehalten werden, die von der Gesellschaft unter Generalverdacht - Terrorgefahr!, Wohlstandsschmarotzer! - gestellt werden.

Angst und Paranoia sind allerorten, das Fremde ist die Gefahr: "The Terror" destilliert daraus ein Gefühl des Unbehagens. Einer der den Serienmachern Max Borenstein and Alexander Woo aus erster Hand von den Ungeheuerlichkeiten berichten konnte, ist George Takei, der in der Staffel als alterndes Familienoberhaupt auftritt: "Mr. Sulu" aus "Star Trek" und seine Familie haben die Deportierung und Internierung einst selbst erlebt.

Andreas Fischer

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