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Die Ungewollten - Die Irrfahrt der St. Louis - Mo. 21.10. - ARD: 20.15 Uhr

Flüchtlingsschiff ohne Hafen

In einem packenden Dokumentarfilm erzählt der NDR für das Erste die tragische Odyssee von 937 jüdischen Flüchtlingen nach: Sie wollten Nazi-Deutschland verlassen, wurden in Kuba, den USA und Kanada aber nicht aufgenommen.

  • Gustav Schröder (Ulrich Noethen) wird in gleich mehreren Häfen abgewiesen. Foto: ADR/ARD Degeto/David Dollmann
  • Beim Ablegen in Hamburg ist die Stimmung der jüdischen Passagiere noch voller Zuversicht. Foto: ADR/ARD Degeto/David Dollmann
  • Martha (Britta Hammelstein) hatte es mit ihrem Sohn in letzter Minute an Bord geschafft. Foto: ADR/ARD Degeto/David Dollmann
  • Gustav Schröder (Ulrich Noethen) wurde später in Jad Vashem geehrt. Foto: ADR/ARD Degeto/David Dollmann
  • Kapitän Schröder (Ulrich Noethen, rechts) setzt sich stark für seine Passagiere ein. Foto: ADR/ARD Degeto/David Dollmann
  • Gustav Schröder (Ulrich Noethen) kann nicht glauben, dass er weder auf Kuba, noch in den USA und Kanada anlanden darf. Foto: ADR/ARD Degeto/David Dollmann
  • Martha (Britta Hammelstein) und ihre Familie hofft auf eine glückliche Zukunft auf Kuba. Foto: ADR/ARD Degeto/David Dollmann
  • An Bord macht sich zunehmend Verzweiflung breit. Foto: ADR/ARD Degeto/David Dollmann

Es war eine Schifffahrt, die voller Hoffnung startete - und im Grauen endete. 1939 durften mit einer Sondererlaubnis der Nazis 937 jüdische Flüchtlinge an Bord der "St. Louis" den Hamburger Hafen verlassen. Ihre Zuversicht: Jenseits des Atlantiks würden sie in Sicherheit ein neues Leben beginnen können. Doch wie der beklemmende neue Dokumentar-Film "Die Ungewollten - Die Irrfahrt der St. Louis", der vom NDR zusammen mit dem SWR, RBB und HR produziert wurde, zeigt, endete ihre Odyssee im Grauen der Vernichtung.

Gesteuert hat das große Flüchtlingsschiff einst der Hamburger Kapitän Gustav Schröder, in dessen Hinterlassenschaft das Autorenteam rund um Susanne Beck und Thomas Eifler wichtige Entdeckungen gemacht haben, auf die sich der neue Film stützt. Er steuerte den Dampfer zunächst voller Zuversicht über das Weltmeer und musste schon bald eine fürchterliche Ernüchterung an seine Passagiere weitergeben. Am ersten Hafen in Havanna auf Kuba wurde den Flüchtlingen, deren Leben in Nazi-Deutschland akut bedroht war, die Einreise verwehrt.

Schröder nahm Kurs gen Norden und steuerte zunächst Washington an. Doch auch dort durfte das Boot keinen sicheren Hafen erreichen. Ähnlich trostlos die Lage wenig später in Kanada, wo den deutschen Juden ebenfalls die Aufnahme verweigert wurde. An Bord ereigneten sich fürchterliche Szenen. Selbstmorde waren an der traurigen Tagesordnung, und sogar eine Meuterei war geplant. Schließlich musste die "St. Louis" wieder in Europa, im Hafen von Antwerpen festmachen. Nahezu ein Drittel der Passagiere wurden in den Folgejahren von den Nazis ermordet.

Das sehr sehenswerte Dokudrama in Spielfimqualität, unterstützt durch viel Archivmaterial und die starken Schauspielerleistungen unter anderem von Ulrich Noethen und Britta Hammelstein, weckt nicht nur verdrängte Erinnerungen an ein besonders düsteres Kapitel der NS-Jahre. Angesichts der aktuellen Flüchtlingsströme und dem täglichen Ertrinken von Hilflosen und oft sehr "Ungewollten" im Mittelmeer hat der Film eine brisante moderne Aktualität.

Das geschichtliche Versagen der US-Behörden und der Kanadier, die die weltpolitische Brisanz der Irrfahrt der "St. Louis" komplett verkannten, hat zuletzt weite Kreise gezogen. Kanadas Premier Justin Trudeau entschuldigte sich erst vor einiger Zeit bei den Familien der jüdischen Flüchtlinge, die Kanada einst abwies. Kapitän Schröder wurde in der zentralen jüdischen Holocaust-Gedenkstätte in Jad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" geehrt.

Rupert Sommer

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