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Black China - Afrika träumt den chinesischen Traum - Di. 24.03. - ARTE: 22.40 Uhr

Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Mit seiner Wirtschaftsmacht zieht China zahlreiche Einwanderer ins Land. Viele von ihnen kommen aus Afrika. Sie folgen dem "Chinese Dream", wollen mit Handel möglichst schnell viel Geld machen. Doch werden sie fernab der Heimat auch glücklich?

  • Der Kongolese Aude (links) beim Versuch, mit chinesischen Geschäftsleuten handelseinig zu werden: Vieles bleibt nur bei gut klingenden Lippenbekenntnissen. Foto: ARTE / Roman Lipah
  • Die junge Unternehmerin und Mutter Grace Malonga Monekene (links) buhlt mit einer chinesichen Händler um einen besten Preis. Sie möchte chinesische Waren nach Brazzaville im Kongo ausführen und dort weiterverkaufen. Foto: ARTE / Roman Lipah
  • Die südchinesische Metropole Guangzhou hat die größte afrikanische Gemeinde Chinas. Foto: ARTE / Roman Lipah
  • Der junge Informatiker Augustin Kimpolo will mit chinesischen Unternehmen und eigenen kreativen Ideen in Kontakt treten. Doch dem talentierten Kongolesen wird die Einreise nach China verweigert. Foto: ARTE / Roman Lipah

Rund zwölf Millionen Menschen leben in der chinesischen Metropole Guangzhou. Sie ist die Hauptstadt der Provinz Guangdong. Die Region im Perlflussdelta gilt wegen seiner Ballung an Industrie- und Wirtschaftskraft auch als "Fabrik der Welt". So gut wie alles gibt es in Guangzhou, das mit seinen ultramodernen Bauten mancherorts an eine Kulisse aus "Blade Runner" erinnert, zu kaufen. Das beinahe uneingeschränkte Angebot zieht Händler an. Viele von ihnen kommen aus Afrika.

Der Film "Black China" des in Brüssel in Belgien geborenen Regisseurs Inigo Westmeier begleitet afrikanische Immigranten in ihrem neuen Land der Träume. Doch erfüllt China diese Sehnsucht nach einer blühenden persönlichen Zukunft wirklich? "Die Chinesen sind nur nett, wenn sie etwas von einem wollen", sagt eine der Eingewanderten aus dem fernen Kontinent. Ihre Hoffnungen haben sich zerschlagen.

Dabei fielen die neuen Beziehungen zwischen Einheimischen in Guangzhou und den ihnen unbekannten Migranten mit Beginn einer Einwanderungswelle in den 1990er-Jahren zunächst auf fruchtbaren Boden. Der Handel blühte zwischen China und afrikanischen Ländern wie dem Kongo, Senegal oder Nigeria. Als jedoch immer mehr von dort kamen, Stadtviertel wie das verächtlich genannte "Chocolate Town" entstanden, wuchsen auch die Vorbehalte.

Den Spieß umgedreht

Da die chinesische Gesellschaft in der Vergangenheit kaum Erfahrung mit Einwanderungsbewegungen gesammelt hatte, ist der Druck auf die Neuankömmlinge größer geworden. Verschärfte Visa-Bestimmungen sollten ein dauerhaftes Bleiben der Fremden verhindern, die Polizei unternahm eindeutig ethnisch-motivierte Kontrollen. Sogar Rassismus brach sich Bahn. Ein afrikanischer Migrant mit ehemals chinesischer Freundin erinnert sich: "Als wir ihre Großmutter im Krankenhaus besuchten, rief diese nur, der Schwarze solle verschwinden. Raus, raus, raus!" Eine zweite Beziehung mit einer Chinesin scheiterte, weil diese ausgerechnet am Geburtstag des afrikanischen Mannes lieber mit einem chinesischen Einheimischen knutschte als mit ihm.

Noch ist offen, ob der "Chinese Dream" vieler Afrikaner endgültig geplatzt ist. Handelsbeziehungen bestehen weiterhin. Nur eben mit anderen Vorzeichen. Nunmehr sind es die Chinesen, die in die vermeintlich armen afrikanischen Länder gehen. Dort bieten sie ihre Waren einfach selbst an. Ein ehemals erfolgreicher Händler in "Chocolate City" sagt zerknirscht: "Die Afrikaner müssen also nicht mehr hierherkommen, um Sachen zu kaufen." China liefere den Konsum. Allerdings nach eigenen Regeln und Bestimmungen. Mögliche neue Arbeitsmöglichkeiten etwa in der Industrie oder Fertigung bringe das Land nicht mit.

Andreas Schoettl

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