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Lebenslinien: Adele Neuhauser - Die Bibi vom Tatort und ich - Mo. 20.01. - BR: 22.00 Uhr

"Ich bin jetzt gnädiger mit mir": Ein Film mit vielen Tränen

In diesem wunderbar offenen Lebenslinien-Porträt erzählt die Schauspielerin Adele Neuhauser, die man vor allem von ihrer Rolle im Wiener "Tatort" her kennt, aus ihrem - teils gefährlichen, teils beglückenden - Familien- und Schauspielerleben. "Ich bin jetzt gnädiger mit mir", sagt sie nach Zeiten des Haderns.

  • Adele Neuhauser hält im "Lebenslinien"-Film Rückblick auf ein manchmal trauriges und oft beglückendes Leben. Foto: BR / Maria Rank
  • Die Schauspielerin Adele Neuhauser erinnert sich vor einem eigenen Kinderbild in ihrer Wohnung an ihre frühe Kindheit. Foto: BR / Maria Rank
  • Heute tourt Adele Neuhauser gerne mit ihrem Sohn Julian, einem Musiker, gemeinsam durch die Gegend. Foto:

Es sieht etwas wackelig aus, wenn sie so mit ihrem Stadtrad im Hinterhof herumfährt, mit zerzaustem Haar, aber wie immer lächelnd und mit verschmitztem Blick. "Ich wusste schon früh: Es wird ein langer Weg. Ich muss Marathonläuferin sein", sagt die Wiener Schauspielerin Adele Neuhauser, die man vor allem als Bibi Fellner aus dem Wiener "Tatort" kennt, gleich zu Beginn dieses wunderbaren, ungewöhnlich offenen "Lebenslinien"-Porträts von Birgit Deiterding (BR / ORF). Und sie fügt hinzu: "Ich gebe lange nicht auf, und ich halte Sachen sehr lange aus."

Alles Weitere, die sehr ehrlich und genau wirkenden Erinnerungen und Selbsterkenntnisse, die sie zu weisen Selbstanalysen formt, sind ein Beleg für diese einleitenden Thesen. Alles wird gleich sehr anschaulich, wenn sie in dem Film mit dem bezeichnenden Titel "Adele Neuhauser - Die Bibi vom Tatort und ich" auf die von der Großmutter gemachten Puppen zeigt, vor allem auf Pippi Langstrumpf, ihr freches, starkes Vorbild von Kindheit an. Sie mochte ihren Mut und ihre Phantasie.

Früh schon hat sie gerne gesungen und Rollen gespielt. Schon immer wollte sie Schauspielerin werden. Mit 16 ist sie von daheim gegen den Willen des Vaters ausgezogen, die Eltern waren da längst getrennt. Adele Neuhauser wurde am 16. Januar 1959 in Athen geboren, die Mutter stammte aus einer Wiener Künstlerfamilie, der Vater, "halb Österreicher, halb Grieche", war Architekt. Dann kam der Umzug nach Wien auf Betreiben der Mutter, die Heimweh hatte. Ein herber Schlag für Adele - aus einem griechischen Zitronen- und Orangengarten in eine 71-Quadratmeter-Wohnung in einem Arbeiterbezirk.

Die Eltern stritten sich, sie waren schon einmal verheiratet, es gab einen Bruder aus der ersten Ehe, ein zweiter wurde von der Mutter in die neue Ehe mitgebracht. "Es ist interessant, dass man sich so wenig über schöne Dinge unterhalten hat", sagt Adele Neuhauser heute. Es gab viel Streit, die Eltern hätten "nur noch den Tisch geteilt". Als die Mutter dann auszog und sie mit einem der Brüder beim Vater blieb, gab sich Adele die Schuld, sie dachte, sie hätte "das Ungleichgewicht ins Leben gerufen". Sie verfiel in tiefe Depressionen, wollte sich mehrmals das Leben nehmen, stand wieder auf.

Ein Glücksfall natürlich, dass es so viele Familienbilder, Super-8- und Videofilme gibt, die von der Vergangenheit erzählen. Trotz allem: glückliche Zeiten, als Kleinkind beim Einkaufen mit der Mutter, der stolze Vater bei ihrem ersten richtigen Engagement in Münster am Stadttheater und mit dem Enkel spielend in Oberbayern, wo sie, stolze Mutter, mit ihrem Freund und Ehemann, dem Schauspieler Zoltan Paul, bis 2005 eine große Bahnhofsrestauration bewohnte. Die Ehe hielt 25 Jahre lang.

Es gibt viele Tränen in diesem Film. Sie wischt sie weg - wie all die Hindernisse, die Adele Neuhauser in ihrem Leben bewältigt hat. Gerettet hat sie neben der eigenen Stärke auch immer wieder der Beruf, erst auf der Bühne, dann im Film. Als Frau hat sie auf der Bühne den Mephisto gespielt. Eine Initialzündung für sie: "Mephisto ist ein Verführer, und wer könnte besser verführen als eine Frau!" Noch einmal darf sie sich auch hier mit ihrem "Tatort"-Partner Moritz Krassnitzer die Bälle zuspielen. Sie denkt da mal wieder über eine zu spielende Szene nach und wie man sie wohl verbessern könnte.

"Warum denkst du nach?", fragt Krassnitzer, und die Neuhauser muss ihm das erklären. Und dann versucht er noch einmal, das erstaunliche Wesen und die Stärke dieser Adele Neuhauser, die offensichtlich ein Star ist, ohne einer sein zu wollen, zu erklären. Krassnitzer muss dann aber zugeben, dass er nach der langen Zeit der Zusammenarbeit noch immer nicht weiß, "woher sie das hat". Sie selbst sagt, dass sie nach Zeiten der Selbstkritik nun auch "ein bisschen stoz" auf sich sei: "Ich bin jetzt gnädiger mit mir."

Wilfried Geldner

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