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"The Art of Self-Defense"

Maskuliner Irrsinn - knallhart entlarvt

In der cleveren Satire "The Art of Self-Defense" werden Sexismus und übertriebene Männlichkeit mit viel schwarzem Humor auf die Schippe genommen. Hollywood-Star Jesse Eisenberg glänzt in der Hauptrolle.

  • Jesse Eisenberg entpuppt sich als Idealbesetzung der schwarzhumorigen Komödie "The Art of Self-Defense". Foto: Bleecker Street
  • Casey (Jesse Eisenberg, links) stellt fest, dass in der Karateschule von Sensei (Alessandro Nivola) merkwürdige Dinge vor sich gehen. Foto: Bleecker Street
  • Ein Macho-Depp vom Allerfeinsten: Sensei (Alessandro Nivola). Foto: Bleecker Street
  • Anna (Imogen Poots, neben Steve Terada) wird als einzige Frau in der harten Männergemeinschaft der Karate-Schule permanent mit Sexismus konfrontiert. Foto: Bleecker Street
  • Anna (Imogen Poots) öffnet Casey (Jesse Eisenberg) die Augen. Foto: Bleecker Street
  • Senseis (Alessandro Nivola) Handeln basiert auf einem ziemlich fragwürdigen Weltbild. Foto: Bleecker Street
  • Casey (Jesse Eisenberg, rechts) erkennt recht schnell, dass Anna (Imogen Poots) die einzig Vernünftige unter den Karate-Lehrlingen zu sein scheint. Foto: Bleecker Street
  • Jesse Eisenberg (links) und Regisseur Riley Stearns präsentierten ihre clevere Satire "The Art of Self-Defense" auf dem diesjährigen Münchner Filmfest. Foto: 2019 Getty Images/Hannes Magerstaedt

Casey Davies (großartig: Jesse Eisenberg) ist ein Verlierer, wie er im Buche steht: Der introvertierte Buchhalter kann sich weder bei seinem Vorgesetzten, noch bei seinen Kollegen durchsetzen. Die Härte des Patriarchats, in dem das Gesetz des Stärkeren gilt, trifft ihn mit voller Wucht. Und zwar im wahrsten Wortsinne: Denn als er eines Nachts vom Einkaufen zurückkehrt, wird er von einer Motorradbande schlimm zugerichtet - nur knapp kommt er mit dem Leben davon. Um seinen dadurch resultierenden Angstzuständen Herr zu werden und sein sensibles Image abzulegen, beschließt er, sich an der Karateschule des Lehrmeisters "Sensei" (Alessandro Nivola) einzuschreiben, um dort "The Art of Self-Defense", also "Die Kunst der Selbstverteidigung" zu erlernen ... Riley Stearns' Gesellschafts-Satire sagt reaktionärem Macho-Gehabe auf grotesk-blutige Weise den Kampf an und steht ab Montag, 4. November, via iTunes, Amazon Prime Video, Magenta oder Sky zum Kauf oder zur Leihe zur Verfügung.

Casey ist natürlich kein Verlierer per se, doch die rabiate Männer-Kultur, die in der Gesellschaft vorherrscht, stempelt ihn als solchen ab. Er lebt in einer Welt, die zeitlich irgendwo zwischen den späten 1980-ern und frühen 90er-Jahren angesiedelt sein könnte, alles wirkt irgendwie retro, irgendwie aus der Zeit gefallen - genau wie das Weltbild, das von den Männern in "The Art of Self-Defense" propagiert wird. So soll Casey nämlich nicht nur die japanische Kampfkunst erlernen, sondern auch seinen Lebensstil umkrempeln: Metal statt Pop-Hits. Deutsch statt Französisch - denn wer will schon Französisch lernen, die Sprache der Nation, die so oft als Verlierer aus großen Schlachten hervorging? Und auch mit dem geliebten Dackel soll Casey fortan nicht mehr schmusen: Am besten tauscht er den Vierbeiner gleich gegen einen Schäferhund ein. Die sind schließlich stark und gefährlich.

Begeistert versucht Casey die (meisten) Ratschläge seines Karate-Meisters in die Tat umzusetzen. Doch er muss schon bald feststellen, dass in der Kampfsporthalle irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht: Kinder-Trainerin Anna (Imogen Poots) würgt einen ihrer Schützlinge, bis er das Bewusstsein verliert, ominöse Blutflecken sind plötzlich auf der Matte zu finden und ein spezieller Karate-Kurs für ein paar Auserwählte findet zu später Stunde statt. Langsam aber sicher merkt Casey, dass Sensei nicht ganz der Heilsbringer und Saubermann ist, der er vorgibt zu sein ...

Die "MeToo"-Debatte lässt grüßen

Fliegende Handkanten in Zeitlupe sehen für gewöhnlich ziemlich imposant aus - in Riley Stearns' absurder Komödie werden solche Dinge allerdings ganz bewusst ins Lächerliche gezogen. Auch die Gaga-Dialoge, die sich Casey von den weiteren Schülern und seinem Meister anhören muss, sind herrlich überzeichnet und entlarven übertriebene Männlichkeit auf clevere Art und Weise. Ohnehin passt der Release des Films zum gegenwärtigen Zeitgeist: Der sogenannten "toxischen Männlichkeit" wird hier der Spiegel vorgehalten, sodass sie als das dasteht, was sie nun mal ist: vollkommen dämlicher, plumper, maskuliner Irrsinn.

Im Interview mit der Agentur teleschau erklärte Hauptdarsteller Eisenberg kürzlich, dass das Drehbuch zum Film seines Wissens nach bereits vor der "MeToo"-Debatte geschrieben worden sei. Und dennoch passt die Thematik des Films wie die Faust aufs Auge zum gesellschaftlichen status quo im Jahr 2019: Machtmissbrauch und Sexismus, Misogynie, Victim-Shaming und sogar das US-Waffengesetz werden kritisiert - und zwar mit tiefschwarzem und zuweilen recht blutigem Humor. Nicht Karate oder die Ausübung von Kampfkunst an sich ist hier also Gegenstand der Persiflage, sondern die Pervertierung des Ganzen in pure Gewaltfantasien.

Casey lehnt sich schließlich auf gegen das brutale Unrechtssystem seines Meisters. Doch bei genauer Betrachtung tritt er dadurch unweigerlich in dessen Fußstapfen ... Genau diese Ambivalenz steht "The Art of Self-Defense" gut zu Gesicht. Donald Trump wird diesen Film nicht mögen.

Markus Schu

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