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Miniserie "Prost Mortem - Die letzte Runde" bei 13th Street

Miss Marple in der Kneipe

Eine Witwe möchte wissen, wer ihren Mann getötet hat. Daraufhin bestellt sie die Tatverdächtigen auf eine letzte Runde in die Kneipe, die sie jahrelang mit ihrem Ehemann geführt hat. Die Tätersuche gestaltet sich allerdings chaotisch. Kann die Hobby-Miss-Marple das Mysterium trotzdem lösen?

  • Witwe Gitti (Doris Kunstmann, oben) will wissen, wer ihren Mann umgebracht hat. Daraufhin bestellt sie die Tatverdächtigen (Simon Schwarz, Janina Fautz, Elke Winkens und Timur Bartels, von links) auf eine letzte Runde in ihre Kneipe. Foto: Felix Vratny / 13th Street
  • Gitti (Doris Kunstmann) macht auf knallhart, kann aber keiner Fliege etwas zu leide tun. Foto: Felix Vratny / 13th Street
  • Simon Schwarz liefert als dödeliger Alkoholiker eine grandiose Schauspielleistung. Foto: Felix Vratny / 13th Street
  • Hat Eva (Elke Winkens) etwas mit dem Tod ihres Bruders zu tun? Foto: Felix Vratny / 13th Street
  • Dass Werner (Werner Prinz) sich selbst das Leben genommen hat, mah Gitti nicht glauben. Sie forscht nach - mit eher radikalen Methoden. Foto: Felix Vratny / 13th Street
  • Wahre Liebe: Gitti (Doris Kunstmann) und ihr Werner (Werner Prinz). Foto: Felix Vratny / 13th Street
  • Welches Geheimnis wollten Eva (Elke Winkens) und Werner (Werner Prinz, Mitte, neben Simon Schwarz) um jeden Preis bewahren? Foto: Felix Vratny / 13th Street
  • Könnte die kiffende Barkeeperin Zoe (Janina Fautz) etwas mit dem Mord an Werner zu tun haben? Foto: Felix Vratny / 13th Street
  • Janina Fautz überzeugt als misanthropisch veranlagte Zoe - und sorgt damit für etliche Gags. Foto: Felix Vratny / 13th Street
  • War Steven (Timur Bartels) nur zufällig in der Tatnacht zugegen? Oder verbirgt er etwas? Foto: Felix Vratny / 13th Street
  • Regisseur und Co-Autor Michael Podogil (zweiter von rechts) ist mit "Prost Mortem" ein großer Wurf gelungen. Das hat er auch seinen Darstellern zu verdanken: Simon Schwarz (links), Timur Bartels, Doris Kunstmann (Mitte) und Elke Winkens überzeugen in der Krimikomödie mit viel Spielfreude. Foto: Getty Images for 13th Street/NBCUniversal

Werner (Werner Prinz) ist tot. Stranguliert mit dem Kabel seines eigenen Beatmungsgeräts sitzt der Wirt des "Bierkavaliers" auf der Toilette seiner Kneipe. Offenbar hat er sich das Leben genommen, am Abend der großen Abschiedsfeier. Denn er und seine Gitti (Doris Kunstmann) wollten die urige Wirtschaft schließen - Werners Gesundheitsprobleme zwangen sie dazu. Alle Wegbegleiter der letzten Jahre hatten sich im "Bierkavalier" versammelt, um gemeinsam ein rauschendes Fest zu feiern. Gitti glaubt jedoch nicht an Suizid und will nun wissen, wer ihren Mann auf dem Gewissen hat. Sie arrangiert ein Treffen mit den potenziellen Tätern - unter dem Vorwand, vor der Beerdigung noch einmal auf Werner anstoßen zu wollen. Ganz im Stile von Miss Marple möchte die rüstige Seniorin dabei allerdings herausfinden, wer die Liebe ihres Lebens getötet hat ... Der Pay-TV-Sender 13th Street hat die großartige vierteilige Miniserie "Prost Mortem - Die letzte Runde" an zwei aufeinanderfolgenden Mittwochabenden (9. und 16. Oktober, jeweils um 21.00 Uhr) in Doppelfolgen im Programm.

Den polizeilichen Vermutungen schenkt Gitti keinen Glauben. Selbstmord? Ihr Werner? Blödsinn! Dafür hat er Gitti zu sehr geliebt. Es muss also einen Killer geben - und zwar unter den Gästen, die noch bis zum Ende da waren. Die Liste ist denkbar kurz. Gitti lädt Werners Schwester Eva (Elke Winkens), die Barkeeperin Zoe (Janina Fautz) und den Stammgast Bernie (Simon Schwarz) ein, um die Wahrheit aus ihnen herauszuquetschen. K.O.-Tropfen und Panzertape sollen dabei eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Zudem erscheint die ehrgeizige Politikerin Eva in Begleitung ihres wesentlich jüngeren Assistenten Steven (Timur Bartels). Kein Problem, denkt sich Gitti. Möglicherweise hat der Toyboy der Karrierefrau ja auch etwas mit dem Ableben ihres Gatten zu tun?

Auch wenn Gitti alle vier Tatverdächtigen betäubt und gegen ihren Willen im "Bierkavalier" festhält: Die alte Dame kann im Grunde keiner Fliege etwas zu leide tun. Trotzdem versucht sie, das Mysterium rund um Werners vorzeitiges Ableben mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu lösen. In jeder der vier Folgen steht einer der vier Verdächtigen im erzählerischen Fokus. Über Rückblenden erfährt der Zuschauer dann, was am Abend wirklich geschehen ist. "Wirklich"? Nicht ganz. Denn jeder und jede erzählt die Geschichte natürlich aus einer ganz persönlichen Perspektive.

Agatha Christie trifft Akira Kurosawa

Regisseur und Co-Autor Michael Podogil bedient sich hier (gemeinsam mit seinem Co-Schreiber Matthias Writze) eines gewieften dramaturgischen Verfahrens: das unzuverlässige Erzählen ist die Quintessenz der Miniserie. "Wir machen eine Mischung aus Agatha Christie und 'Rashômon' - für Arme", erklärte Podogil scherzhaft beim Set-Visit in Wien Anfang des Jahres. In "Rashômon", dem großen Klassiker von Japans Regie-Legende Akira Kurosawa, wurde das erwähnte narrative Verfahren ebenfalls von Anfang bis Ende durchexerziert. Auch dort ging es um einen Mord und auch dort verstrickten sich die Verdächtigen in Widersprüche. Nur: "Rashômon" war zu keiner Sekunde lustig. Ganz im Gegensatz zum Humorfeuerwerk, das in "Prost Mortem" abgebrannt wird. "Wir stecken die Charaktere in absurde Situationen, erzählen das Ganze aber todernst - genau das schafft Komik!", beschreibt Podogil die Grundausrichtung seiner schwarzhumorigen Serie.

Und das gelingt famos. Die Macher können sich bei den vier je 25-minütigen Folgen voll und ganz auf ihre starken Skripts und die kongenialen Darsteller verlassen. Mal mehr und mal weniger subtile Gags halten sich dabei die Waage und zaubern dem TV-Zuschauer ein permanentes Schmunzeln ins Gesicht. Doch auch die Krimihandlung überzeugt und ist voll von (kuriosen) Wendungen. Vor allem zwei Darsteller stechen bei "Prost Mortem" jedoch besonders positiv heraus: Simon Schwarz und Janina Fautz.

Schwarz könnte man stundenlang dabei zusehen, wie er einen dödeligen Alkoholiker mit Wiener Schmäh spielt. Und Janina Fautz gibt ihre misanthropisch veranlagte Kifferin Zoe mit großer Spielfreude. Alleine die Szenen, in denen sie sich mit Hilfe von Kopfhörern komplett von der Außenwelt abschottet, sind der Knaller: Während um sie herum zu Schlagermusik getanzt wird, gibt sie sich die volle Dröhnung Heavy Metal auf die Ohren! Dazu kommen Sprüche wie: "Werner war mir eigentlich immer egal. Aber jetzt, wo er weg ist, vermisse ich ihn schon ein bisschen." Großartig! Auch der Musikeinsatz ist exzellent: Ein Schlager von Nino de Angelo sowie die "Ode an die Freude" spielen im Handlungsverlauf eine wichtige Rolle.

Herzblut ist Trumpf

"Prost Mortem" ist von vorne bis hinten gelungen. Allein schon die Opening Credits sind mit unglaublich viel Liebe zum Detail kreiert worden. Man wünscht sich, jede Produktion würde mit derart viel Herzblut realisiert. Umso erstaunlicher ist es, dass die Miniserie die erste größere Arbeit von Michael Podogil darstellt. Weil er mit seinem Kurzfilm "Fucking Drama" im Jahr 2018 den "Shocking Shorts Award" von 13th Street gewann, ist man beim Sender auf ihn aufmerksam geworden. Danach stellte man ihm die erste grobe Idee zu "Prost Mortem" (durch NBC Universal) vor - so ist das Projekt überhaupt erst an ihn herangetragen worden.

Und bei der Low-Budget-Produktion galt es, so manche Hürde zu bewältigen: "Vom ersten Tag des Drehbuchschreibens bis zum Drehbeginn vergingen gerade mal zweieinhalb Monate. Ich hatte seit Weihnachten keinen freien Tag", erklärte Podogil während der rund zweiwöchigen Dreharbeiten von "Prost Mortem" im März. Dass beim finalen Produkt nichts mehr von diesem Stress zu spüren ist, liegt wahrscheinlich in der Herangehensweise des gebürtigen Wieners begründet: "Ich versuche mir meine Leichtigkeit bei der Arbeit zu bewahren. Ich gebe meine Uhr in der Früh ab - um die Zeit sollen sich andere Leute Sorgen machen!" Podogil erklärt, dass er "mit Spaß an die Arbeit gehen" wolle, "denn nur so kann man das Maximum herausholen." Bei "Prost Mortem" ist ihm das eindrucksvoll gelungen. Und das, obwohl die Vorzeichen nicht immer gut standen ...

Ein Musterbeispiel an Effizienz

Produzent Lukas Zweng erläutert die Schwierigkeiten: "Wir mussten in der Nacht drehen, weil tagsüber vor der Kneipe in einer Baustelle gearbeitet wurde. Weil unsere Geschichte tageslichtunabhängig ist, war das zumindest zeitlich kein Problem. Für die Darsteller bedeutete das aber eine zusätzliche Belastung." Zweng bezeichnet das Format als "intimes, kleines Projekt", das in Rekordzeit auf die Beine gestellt wurde: In gerade mal 15 Drehtagen musste alles über die Bühne gehen. "Unser Ziel war es, durch gute Vorbereitung ein Maximum an tatsächlicher Drehzeit herauszuholen. Mit einem durchdachten Drehplan, Vorbauten in der Lichttechnik und dank der studio-ähnlichen Bedingungen ohne Ortswechsel ist uns das auch gelungen", so der Produzent.

Alle wollten sich am Set beweisen und zeigen, dass auch eine kleine Produktion mit den ganz Großen mithalten kann - beim Drehbesuch war von Chaos und Problemen nichts zu spüren. Man merkte stattdessen, dass jeder mit voller Konzentration bei der Sache war. Aus all diesen Gründen ist "Prost Mortem - Die letzte Runde" letztendlich auch ein Paradebeispiel für kostengünstiges, effizientes und dennoch qualitativ hochwertiges Filmemachen.

Maßgeblich hat der humorvolle Krimi aber auch vom Drehort selbst profitiert: Die schäbige Location passt einfach wundervoll ins Gesamtkonzept des kleinen Kammerspiels. Auch Podogil wusste das sehr zu schätzen: "Eine Kneipe ist ein wunderschöner Ort. Je versiffter und je grausliger, desto besser", erläuterte er augenzwinkernd. Der "Bierkavalier" ist mittlerweile abgerissen worden. Doch die Karriere des 34-jährigen Nachwuchsregisseurs dürfte nun erst so richtig in Fahrt kommen - den Namen Michael Podogil sollte man zukünftig auf der Rechnung haben. Zumindest solange er Lust auf seinen Beruf hat: "Wenn mir das Filmemachen irgendwann keinen Spaß mehr macht, dann lass ich es sein." Bleibt zu hoffen, dass er sich seine Freude am Job noch lange bewahrt.

Markus Schu

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