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Überwachter WikiLeaks-Gründer

NDR stellt Strafanzeige: Wurden Journalisten bei Assange-Besuchen ausgespäht?

Von der mutmaßlichen jahrelangen Überwachung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange und seines Umfelds sollen auch drei deutsche NDR-Journalisten betroffen sein. Nun stellte der Sender eine Strafanzeige wegen Datenschutz-Verstoßes.

WikiLeaks-Gründer Julian Assange wurde jahrelang überwacht. Neben ihm sollen auch seine Gäste ausspioniert worden sein, darunter auch drei NDR-Journalisten. Foto: Jack Taylor / Getty Images
WikiLeaks-Gründer Julian Assange wurde jahrelang überwacht. Neben ihm sollen auch seine Gäste ausspioniert worden sein, darunter auch drei NDR-Journalisten. Foto: Jack Taylor / Getty Images

Der NDR hat eine Strafanzeige gestellt. Der Grund: WikiLeaks-Gründer Julian Assange soll mitsamt seinen Besuchern, unter anderem drei Journalisten des norddeutschen Senders, in der ecuadorianischen Botschaft in London überwacht worden sein. Wie der Sender mitteilte, lägen dem NDR und dem WDR Dokumente vor, die beweisen, dass das Gebäude umfassend ausgespäht wurde. Die Räume seien per Video überwacht, Telefongespräche mitgeschnitten, E-Mails gesammelt, Gäste dokumentiert und versteckte Mikrofone verteilt worden. Unter dem vorliegenden Material sollen sich auch kopierte Pässe und Besuchsvermerke der drei NDR-Journalisten befinden, die Assange besucht hatten.

Die Strafanzeige sei "wegen des Verstoßes gegen datenschutz- und persönlichkeitsrechtliche Bestimmungen" gestellt worden. Assange lebte zwischen 2012 und 2019 in dem Botschaftsgebäude, das durch das spanische Sicherheitsunternehmen Undercover Global geschützt werden sollte. Nun allerdings wurde der Vorwurf laut, dass UC Global die gesammelten Daten an "mutmaßlich nachrichtendienstliche Auftraggeber in den USA" weitergeleitet hätte. Laut früheren Mitarbeitern soll der Geschäftsführer von UC Global, David Morales, monatlich zweimal in die USA geflogen sein, um "Datenträger mit Material aus der ecuadorianischen Botschaft abzuliefern."

Ins Visier seien dabei die drei NDR-Mitarbeiter John Goetz, Antonius Kempmann und Reiko Pinkert geraten, die immer wieder über WikiLeaks berichteten und daher mit Assange in Kontakt standen. "Wir gehen davon aus, dass unsere Mitarbeiter ausgespäht wurden und so ihre Persönlichkeitsrechte und auch das Redaktionsgeheimnis verletzt wurden", erklärte NDR-Justiziar Klaus Siekmann. UC Global weist bisher alle Vorwürfe zurück. Auch der US-Nachrichtendienst CIA sowie das US-Justizministerium und das FBI haben sich noch nicht dazu geäußert, ebenso wie die ecuadorianische Regierung.

Aktuell ist Julian Assange angeklagt und sitzt im Londoner Gefängnis. Im Falle einer Verurteilung säße er möglicherweise lebenslang in Haft.

teleschau

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