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Verschollene Filmrollen aufgetaucht

Neue Manson-Doku: Erschütternde Einblicke in die kranke Welt eines Psychopathen

Auch 50 Jahre nach den schrecklichen Morden in Hollywood gehören Charles Manson und seine "Family" zu den berüchtigtsten Mörder der US-Kriminalgeschichte. Eine Doku gibt nun bisher ungekannte Einblicke in die Mechanismen der Sekte.

  • Charles Manson gilt als einer der berüchtigtsten Verbrecher der US-Kriminalgeschichte. Eine neue Doku gibt neue Einblicke in die Ideologie und die Praktiken seiner Sekte "The Family". Foto: TVNOW / Naked Television Ltd 2018.
  • Rosemary LaBianca (Bild) und ihr Ehemann Leno wurden am 10. August 1969 Opfer von Charles Mansons Sekte "The Family". Schon tags zuvor wurden die Schauspielerin Sharon Tate und vier weitere Menschen ermordet. Foto: TVNOW / © Naked Television Ltd 2018.
  • Am 29. März 1971 wurde Charles Manson zum Tode verurteilt. Weil wenig später die Todesstrafe in Kalifornien abgeschafft wurde, verbüßte Manson bis zu seinem Tod 2017 eine Haftstrafe. Foto: TVNOW / © Naked Television Ltd 2018.
  • Zahlreiche ehemalige Sektenmitglieder, Fallanalytiker des FBI und andere Experten zeichnen ein aufschlussreiches Bild über den Manipulator Charles Manson und dessen Ideologie. Foto: TVNOW / © Naked Television Ltd 2018.
  • Mansons Anhängerinnen Leslie Van Houten (links), Susie Atkins (Zweite von links), Patricia Krenwinkel (Mitte) wurden für die Morde im August 1969 belangt. Foto: TVNOW / © Naked Television Ltd 2018.
  • Wie die verstörenden Filmaufnahmen zeigen waren die Anhängerinnen von Charles Manson wie Nancy Pitman (links), Lynette Fromme (Mitte) und Sandra Good ihrem Anführer selbst nach dessen Verhaftung noch treu ergeben. Foto: TVNOW / © Naked Television Ltd 2018.

Ende der 1960er-Jahre ging im glamourösen Hollywood die Angst um. Schauspielstars holten sich Bodyguards an ihre Seite, die normale Bevölkerung von Los Angeles blieb in ihren Häusern. Grund für die Panik waren die blutigen Morde an dem aufstrebenden Schauspielstar Sharon Tate und einigen ihrer Freunde am 9. August 1969, sowie einen Tag später am Unternehmerehepaar Leno und Rosemary LaBianca. Waren zunächst Angehörige der Black Panther Bewegung als Täter vermutet worden, stellte sich wenig später heraus, dass hinter den Verbrechen Charles Manson und seine Sekte "The Family" steckten. Die Dokumentation "Charles Manson: Geheime Aufnahmen aus der Killer-Kommune" (Free-TV-Premiere bei Nitro, Samstag, 17. August, 22.05 Uhr) hat jahrzehntelang verschollenes Bild-, Video- und Tonmaterial ausgewertet und zeichnet zum 50. Jahrestag der Bluttaten ein erschütterndes Bild von Manipulation, Gehirnwäsche und Gewalt.

Das Material entstand kurz nach der Verhaftung Mansons, als der Guru einem jungen Kamerateam Zugang zur "Family" verschaffte. Die Befragten spiegeln ein Bild von Robotern wider, die durch die fortlaufende Indoktrination ihres Anführers völlig fremdgesteuert auftraten - selbst nach dessen Verhaftung. Seitens einer Verehrerin heißt es etwa: "Charlie hat Dinge getan, die keiner vor ihm vollbracht hat." Auch aus einer anderen Aussage wird die bedingungslose Auslieferung an Mason deutlich: "Wer gegen uns ist, stirbt. So sind wir." Durch diese Äußerungen, Tatortfotos und dem Original Footage aus der Sektengemeinschaft oder von der Verhaftung Mansons schafft die Dokumentation einen nie dagewesen Einblick in die Ideologie und die Mechanismen von "The Family".

Neben den historischen Aufnahmen lässt die Dokumentation auch zahlreiche ehemalige Mitglieder der Sekte, sowie Fallanalytiker des FBI, ehemalige Polizeibeamte und Kulturhistoriker zu Wort kommen. Die Kriminalpsychologin Bryanna Cox beschreibt die Mitglieder der Sekte wie folgt: "Sie gaben ihre Identität auf und lieferten sich dem aus, was Charles ihnen gab." Dem pflichten in Interviews auch die ehemaligen Mitglieder Catherine "Gypsy" Share und Dianne "Snake" Lake bei. Share meint in der Doku: "Charlie spiegelte die Sehnsucht von Menschen wider." Lake hingegen attestiert sich selbst Jahrzehnte später eine Sucht "nach dem Gefühl, geliebt zu werden".

Vertörendes Gesamtbild

Abgesehen von den vielen Interviewpartnern schlüsselt "Charles Manson: Geheime Aufnahmen aus der Killer-Kommune" zudem auf, wie sich die einst friedvolle Hippiegemeinschaft zu einer Gruppierung von mordlustigen Psychopathen entwickelte. Auch, dass das bisher weitgehend unbeleuchtete Kapitel von Mansons gescheiterter Karriere als Musiker ein Ursprung seiner Ideologie war, wird thematisiert. So zeichnet das sehenswerte Format ein ganzheitliches Bild von Charles Manson und seinen Gefolgsleuten, das gleichermaßen informativ wie verstörend ist.

Zum 50. Jahrestag thematisiert nicht nur Nitro die Manson-Morde und den Sektenführer. ARTE widmet sich in der Doku "Charles Manson: Der Dämon von Hollywood" (Freitag, 30. August, 22.10 Uhr) auch der gescheiterten Musikkarriere Mansons. "Charles Manson - Sektenführer und Massenmörder" (Samstag, 24. August, 18 Uhr, ZDFinfo) rekapituliert die Entwicklung Mansons vom Kleinkriminellen zum Sektenguru. Auch im Kino werden die Verbrechen im neuen Film von Quentin Tarantino, "Once Upon A Time In Hollywood", abgehandelt. Die Produktion mit Brad Pitt und Leonardo DiCaprio in den Hauptrollen startet am 15. August.

Julian Weinberger

Inside The Manson Cult: First Look | INSIDE THE MANSON CULT: THE LOST TAPES

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