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Die reichen Leichen. Ein Starnbergkrimi - Sa. 07.03. - BR: 20.15 Uhr

Noch ein Kini im See

Dominik Graf jongliert im "Starnbergkrimi" mit Bayern-Mythen und Reichen-Klischees. Trotz erhöhten Stil-Willens bleibt sein Heimatkrimi etwas brav.

  • Ungleiches Team: Ariane (Annina Hellenthal), die neue Kollegin von Polizeichef Lu (Andreas Giebel), kommt aus dem Ruhrgebiet. Foto: BR / Julia von Vietinghoff
  • Liefen so die letzten Lebensminuten des Märchenkönigs (Martin Feifel, links) ab? Foto: BR / Julia von Vietinghoff
  • Feine Familie: Millionärserbin Sisi (Alicia von Rittberg, Mitte) hadert mit ihren Eltern Gerd (Hannes Jaenicke) und Rita (Ulrike C. Tscharre). Foto: BR / Julia von Vietinghoff
  • Josef Haufferding (Eisi Gulp, mit Beatrice Richter) gilt als einer der führenden Experten für die Lebenstragik des Märchenkönigs Ludwig II. Foto: BR / Julia von Vietinghoff
  • Ariane (Annina Hellenthal) und Kollege Timo (Florian Stettner) legen sich auf die Lauer. Foto: BR/Julia von Vietinghoff

Kaum zu glauben, aber offenbar wahr: Es ist derselbe aufgedunsene Körper, ein mächtiger Wanst, ein eher bizarrer als aristokratischer Bart. Und natürlich dürfen die von zu vielem ungebremsten Naschen verfaulten Zähne nicht fehlen. Wen die verdutzten Polizisten am Ostufer des Starnberger Sees aus dem Wasser ziehen? Das ist doch tatsächlich "der Kini". So wird noch immer durchaus ehrfürchtig der legendäre bayerische Märchenkönig Ludwig II. genannt. Doch der Kini-Wiedergänger ist tot, gestorben auf dieselbe mysteriöse Weise wie einst der reale Monarch. Für den sehenswert bizarren, dabei aber etwas zu "brav" gebliebenen Dominik-Graf-Film "Die reichen Leichen. Ein Starnbergkrimi" (2014), den das BR-Fernsehen nun wiederholt, ist der abgesoffene Regent Ausgangspunkt für eine wild wuchernde Bayern-Mythen-Ermittlung im Postkartenidyll.

Der tote Ludwig-Doppelgänger (Martin Feifel) bleibt nicht das einzige Verbrechen, mit dem sich Lu Reinhold (Andreas Giebel), Revierleiter der Polizei Starnberg, herumschlagen muss. Schon bald ereilt ihn und seine neue Kollegin Ariane Fink (Annina Hellenthal) ein schicksalshafter Anruf: Ausgerechnet "die Sissi" wurde entführt. So nennen alle Reichen und Schicken am See das Millionärstöchterlein (Alicia von Rittberg), das ebenso unglücklich wirkt wie die einstige bayerische Fürstentochter und spätere österreichische Kaiserin, die man ebenfalls aus den Heimatfilmen kennt. Gibt es tiefere Verbindungslinien, die beide Fälle zusammenführen könnten?

Die Besetzung, unter anderem mit Hannes Jaenicke als Schnösel-Papa, Eisi Gulp als schrullig-fanatischem Kini-Experten sowie Saskia Vester als resolute Revierpolizistin, ist erstklassig. Dennoch bleibt das schale Gefühl, dass sich der mehrfache Grimme-Preisträger Dominik Graf diesmal selbst ein wenig an die Leine nahm. Was der Regisseur gemeinsam mit Drehbuchautor Sathyan Ramesh entwickelt hat, bleibt trotz der Stilisierung und der zu erwartenden Verzerr-Effekte unterm Strich ein eher biederer Krimi.

Rupert Sommer

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