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Helen Dorn - Atemlos - Sa. 25.01. - ZDF: 20.15 Uhr

Schuldverdächtig durch die Nacht

Für Helen Dorn erweist sich der Jahresauftakt wahrlich als "Atemlos": Im neuen Krimi der ZDF-Reihe gerät die Ermittlerin selbst unter Mordverdacht. Als Gejagte auf der Flucht, muss sie zugleich die wahren Täter finden und einen Anschlag verhindern.

  • Helen (Anna Loos, links) begibt sich gemeinsam mit Mo (Valerie Stoll) auf die Flucht. Foto: ZDF/Martin Valentin Menke
  • Dramatischer Krimi: Helen (Anna Loos) und Mattheisen (Daniel Friedrich) sitzen in der Falle. Foto: ZDF/Martin Valentin Menke
  • Helen muss auf Mo (Valerie Stoll) aufpassen. Die jedoch kann auch mit Waffen. Foto: ZDF/Martin Valentin Menke
  • Können Weyer (Tristan Seith) und Helen Dorn (Anna Loos) die Hintergründe des Polizistenmordes lösen? Foto: ZDF/Martin Valentin Menke
  • Versetzt: Weyer (Tristan Seith) muss zum LKA. Foto: ZDF/Martin Valentin Menke
  • Kroisens (Arved Birnbaum) Telefonat im Umkleideraum wird mitgehört. Foto: ZDF/Martin Valentin Menke

Dass Kommissare selbst ins Visier der Ermittlungen geraten, geschieht im deutschen Fernsehen in letzter Zeit des Öfteren. Nun also auch bei Helen Dorn, deren Jahresauftaktkrimi "Atemlos" hält, was der Titel verspricht. Unter Regie von "Tatort"-Experte Sebastian Ko zeigt der ereignisreiche Krimi eine verzweifelte Ermittlerin auf der Flucht, die keinem ihrer Kollegen mehr trauen kann. Der große Knall erfolgt jedoch erst nach einem an sich schon hochdramatischen Beginn: Eine Observation wegen illegalen Waffenhandels läuft schief, drei Polen sterben, davon zwei Polizisten. Während Dorn dabei ihren alten Bekannten Bosch (Johann von Bülow) wiedertrifft, glaubt ihr Chef Matheisen (Daniel Friedrich) an eine große Verschwörung: Ein LKA-Maulwurf soll den Waffendeal für eine Neonazi-Gruppierung im Untergrund gedeckt haben.

Was anschließend geschieht, wagt ein deutscher Krimi nur selten. Bevor Matheisen Dorn die Hintergrundmänner des vermuteten Verrats um die Gruppe "Odins Speer" nennen kann, die ihmzufolge Deutschland vom "Abschaum der Straße befreien" will, wird er erschossen. Nicht nur das: Getötet wurde der Chef mit der Dienstwaffe der Ermittlerin, die am Tatort mit der Pistole in der Hand und einem fetten Filmriss gefunden wird. Fortan ist Dorn die Hauptverdächtige, wird wegen Mordes gesucht - und zugleich von den wahren Tätern gejagt. Da die Kommissarin gleichzeitig fliehen, den Drahtziehern auf der Spur bleiben und am Ende gar einen Anschlag verhindern muss, gerät "Atemlos" mehr zum spannenden Thriller denn zum ermittlungsbasierten Krimi. Dahinter steht eine klassische Erzählfigur: Helen Dorn kann plötzlich niemandem mehr trauen.

Mutter-Tochter-Ersatz

Allein ist sie auf ihrer Jagd im Untergrund jedoch nicht: Eine junge Zeugin, die obdachlose Mona (Valerie Stoll), hat die fehlgeschlagene Observation beobachtet. Im LKA erkennt die 15-Jährige einen Kollegen der Polizei als Täter. Fortan ist auch sie im Visier der Verschwörer. Dorn nimmt die Pubertierende mit auf die Flucht vor Polizei und Kriminellen - was die nicht ganz ideale Gesamtsituation noch komplizierter macht. Schließlich erweist sich Mona als schwieriger Teenie mit diversen Komplexen. Und Schuldgefühlen: Sie glaubt, für den Tod ihrer Eltern verantwortlich zu sein.

So changiert "Atemlos" gekonnt zwischen Krimi, Thriller, Fluchtgeschichte - und persönlichem Drama einer jungen und einer erfahrenen Frau, die anfangs überaus unfreiwillig miteinander in einer misslichen Lage klarkommen müssen. Es entspinnt sich eine Art Ersatz-Mutter-Tochter-Beziehung ("Du nervst mich" - "Du nervst mich auch"), in der auch der Zuschauer neue Seiten der Ermittlerin zu Gesicht bekommt. Neben Sebastian Kos mitreißend-melancholischer Inszenierung trägt zum Gelingen des Mini-Experiments das herausragende Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen bei.

Maximilian Haase

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