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Hiobsbotschaft - Mo. 10.02. - ARD: 23.45 Uhr

Sterbenskrank und von Ärzten allein gelassen

Diese Aufgabe ist sicherlich nicht einfach: Ein Arzt muss einem Patienten die unheilvolle Nachricht einer schlechten Diagnose überbringen. Doch viele Kranke fühlen sich nach einer ihnen gestellten "Hiobsbotschaft" oftmals sehr alleine gelassen.

  • Die Krebspatientin Margit Schöppler hat eine Patientenbetreuerin. Sie ist bei allen Terminen, die Schöppler bei Ärzten hat, dabei. Foto: ARD / WDR
  • Die Ärztin und Kommunikations-Expertin Jana Jünger möchte Gesprächstraining für Ärzte flächendeckend einführen. Foto: ARD / WDR
  • An der Uniklinik Heidelberg lernen Medizinstudenten und Pflegeschüler gemeinsam, respektvoll und verständlich mit Patienten zu sprechen. Foto: ARD / WDR

Es ist die wohl wichtigste Begegnung zwischen Patient und Arzt. Der Mediziner informiert aufgrund seines fachlichen Wissens und einhergehender Untersuchungen darüber, wie er den Gesundheitszustand des Menschen ihm gegenüber einschätzt. Kleinere Zipperlein lassen sich schnell von einem Behandlungstisch wischen. Doch wie sieht es aus, wenn der Befund ein anderer ist: wenn ein Patient unter einer schweren Krankheit leidet, womöglich sogar einer tödlichen?

Die Filmautorin Ilka aus der Mark hat mehr als ein Jahr lang im deutschen Gesundheitssystem recherchiert. Sie wollte mehr über den Umgang mit Patienten herausfinden, die unmittelbar von einer bedrohlichen Situation für ihr Leben erfahren. Wie empathisch etwa agiert ein Arzt, wenn er eine dramatische "Hiobsbotschaft", so der Titel ihrer Dokumentation, zu überbringen hat? Die ersten Erkenntnisse sind ernüchternd: Beinahe 40 Prozent aller Patienten in Deutschland fühlen sich mit ihren Sorgen und Ängsten von Ärzten allein gelassen. Fehlendes Verständnis für die richtigen Worte kann sogar dazu führen, dass sich manche Patienten überhaupt nicht mehr behandeln lassen wollen. Sie geben auf - viel zu früh!

Die Autorin jedoch führt nicht im Sinne, womöglich abgehobene "Halbgötter in Weiß" bloßstellen zu wollen. Vielmehr deckt sie die Fehler im System auf. So bleibt beispielsweise im eng getakteten Krankenhausbetrieb mit Visiten und Therapien viel zu wenig Raum für gute Arzt-Patienten-Gespräche. Klinikärzte müssen zudem jeden Handgriff dokumentieren: Reine Verwaltungsarbeiten nehmen etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit ein. Hinzukommt ein Vergütungssystem, das Diagnosen und Therapien wesentlich besser honoriert als die sogenannte "sprechende Medizin".

Hoffnung macht, dass es auch Gegenbeispiele gibt. Zwei Kliniken etwa in Heidelberg und Düsseldorf trainieren ihre Studierenden und Ärzte darauf, wie sie mit einem positiven Gesprächsverlauf ihren Patienten trotz schlechter Nachricht Mut und Kraft schenken können. Dadurch steigen auch die Aussichten auf eine womöglich erfolgreiche Behandlung.

Andreas Schoettl

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