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Verliebt auf Island - Fr. 06.09. - ARD: 20.15 Uhr

Trauen oder Nichttrauen - das ist hier die Frage

Willkommen in Island: Der Hamburger Fahrradunternehmer Patrick (Ben Blaskovic) will heiraten. Doch die Braut sagt ab - sehr zur Enttäuschung von Patricks Mutter (Ann-Kathrin Kramer), die sich auf der Hochzeit endlich zur ihrem Verlobten, Patricks Jugendfreund, bekennen will. Eine Fremdenverkehrskomödie ...

  • Alex (Ferdinand Seebacher) macht seiner Verlobten Claudia (Ann-Kathrin Kramer) einen Heiratsantrag an der Küste. Foto: ARD Degeto / Arnaldur Halldórsson
  • Patrick (Ben Blaskovic, Mitte) weiß nicht, dass ihm sein bester Freund Alex (Ferdinand Seebacher) und seine Mutter Claudia (Ann-Kathrin Kramer) etwas sagen möchten. Foto: ARD Degeto / Arnaldur Halldórsson
  • Ausflügler auf der Vulkaninsel, von links: das alte Ehepaar Sieglinde (Ramona Kunze-Libnow) und Gerhardt (Hans-Joachim Heist), die heimlich Verlobten Claudia (Ann-Kathrin Kramer) und Alex (Ferdinand Seebacher) sowie die frisch Verliebten Nina (Julia Schäfle) und Patrick (Ben Blaskovic). Foto: ARD Degeto / Arnaldur Halldórsson
  • Claudia (Ann-Kathrin Kramer) wartet auf die rechte Gelegenheit, um ihrem Sohn Patrick (Ben Blaskovic) ein Geheimnis zu sagen. Foto: ARD Degeto / Arnaldur Halldórsson
  • Nina (Julia Schäfle, rechts) und die Touristin Sieglinde (Ramona Kunze-Libnow) lernen sich bei einem Tagesausflug kennen. Foto: ARD Degeto / Arnaldur Halldórsson
  • Steuerberater Gerhardt Kresters (Hans-Joachim Heist, Mitte) schwingt sich zum Reiseführer für Claudia (Ann-Kathrin Kramer, links), Alex (Ferdinand Seebacher, zweiter von links) und seine eigene Ehefrau Sieglinde (Ramona Kunze-Libnow) auf und belehrt selbst den einheimischen Tourguide Gunnar (Gunnar Hansson). Foto: ARD Degeto / Arnaldur Halldórsson

Das waren noch Zeiten, als man einfach mal so, ganz ohne Gedanken an die Klimakatastrophe, nach Island flog, um zu heiraten. Oder um, statt zu skypen, die neuesten Probleme eines noch jungen Fahrradhandels aus Hamburg zu besprechen. Damals brachen noch die Vulkane aus und sprühten wie schon zuvor der Eyjafjallajökull 2010 den Feinstaub in die Luft, dass es eine Wonne war und nur vorübergehend keine Flugzeuge mehr flogen. - Doch der Reihe nach: Patrick will auf Island heiraten, als Gast kommt selbstredend auch seine Mutter eingeflogen. Als Begleitung hat sie - ausgerechnet - Patricks besten Freund seit Kindertagen dabei. Inzwischen ist er ihr Lover. Sie will es endlich ihrem Sohn gestehen. Doch die Skrupel sind groß. Immer wieder hindert sich Mutter Claudia (Ann-Kathrin Kramer) selbst daran, kommt ihr irgendwie das Gewissen in die Quere. "Verliebt auf Island" ist dieser neue Freitagabendfilm im Ersten überschrieben.

Gefühlt an die Dutzend Mal setzt Claudia zu ihrem Geständnis an, bespricht es mit ihrem Verlobten. Geht nicht - oder geht doch? Gleich vorweg: Der Altersunterschied spielt kaum eine Rolle, das Macron- oder Heidi-Klum-Thema wird nicht verbalisiert, man ist schließlich auf der Höhe der Zeit. Erst spät darf Ann-Kathrin Kramer graue Schläfen zeigen, da ist aber die Sache bereits im Lot, wird der Einheimische zum finalen Sprung übers Feuer bitten. Der Liebste mit der Liebsten - ein offensichtlich paneuropäischer Brauch.

Aber bis dorthin muss sich die arme Claudia immer wieder kommentierend aus dem Off erklären. Und sie übertreibt dabei nicht schlecht. "Wenn ich geahnt hätte, was das Schicksal sich hier für mich ausgedacht hat, ich hätte das niemandem geglaubt." Dabei weiß der Zuschauer ja dank der treuherzigen Kommentare bereits alles, was er wissen muss: dass Patricks Jugendfreund Alex (Patrick Seebacher) und sie ein Paar sind, aber auch, dass Patricks Verlobte ihn per Handy im letzten Augenblick sitzen ließ. Man hat es also die ganze Zeit über mit zwei Bräuten, die sich nicht trauen (wollen) zu tun.

Im Film gibt's jede Menge Sightseeing mit "Troll Tours", mit Planschen in heißen Quellen und eruptierenden Geysiren, die auf Kommando eines selbst ernannten Reiseführers, eines griesgrämig besserwisserischen deutschen Steuerprüfers hören. Gerhardt (Hans-Joachim Heist) wirkt in seinem redseligen Überschwang als Running Gag zuweilen wohltuend in dieser Doppel-Liebesaffäre, die letztlich ohne Umschweife schnurgerade aufs Happy End zusteuern muss.

So wird aus dem Hochzeits-Reisejournal (Regie: Nico Sommer, Drehbuch: Matthias Dinter) eine Art Traumschiff-"Reise ins Glück". - Die boomende Reiseinsel Island bekommt Werbung, die sie eigentlich gar nicht mehr braucht. Dass die Hamburger Start-up-Fahrradlieferanten aber im Film wie sonst nur die Chinesen über die Insel kommen und hierzu schon den Segen des Bürgermeisters von Reykjavik ergattert haben, sollte tunlichst im Bereich der Sagen bleiben.

Hans Czerny

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