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Nach Netflix-Serie "When They See Us"

"Trump hat ein Kopfgeld auf uns ausgesetzt"

Der unglaubliche Fall der "Central Park 5" ist dank einer viel diskutierten Netflix-Serie wieder in aller Munde. Bei einer Rede machte nun eines der Justizopfer Donald Trump schwere Vorwürfe.

  • "Wir waren noch Babys. Das System hat uns überrannt": Das amerikanische Justizopfer Yusef Salaam hat in seiner Rede an seinen Fall erinnert, der dank der Netflix-Serie "When They See Us" wieder in aller Munde ist. Foto: Mario Tama/Getty Images
  • Yusef Salaam (Ethan Herisse) kann sich auf seine Mutter Sharone (Aunjanue Ellis) verlassen - doch auch sie wird ihrem Sohn nicht den Gefängnisaufenthalt ersparen können. Auch zahlreiche Demonstranten stellen sich auf die Seite der unschuldig angeklagten Jungs. Foto: Netflix
  • Korey Wise (Jharrel Jerome) traf es am Härtesten: Er wurde in ein Erwachsenengefängnis überstellt und verbüßte 13 Jahre Haft unter teils menschenverachtenden Umständen. Foto: Netflix
  • "Man kann nicht zum Mord an Kindern aufrufen und dafür jemals Vergebung erhalten", sagt Joshua Jackson (links), der in "When They See Us" den Verteidiger von Kevin Richardson (Asante Blackk) spielt. Foto: Netflix
  • Wenn der kleine Antron McCray (Caleel Harris) verhört wird, möchte man am liebsten gar nicht mehr hinsehen. Foto: Netflix
  • Raymond Santana (Marquis Rodriguez) kann es nicht fassen: Nur aufgrund eines erzwungenen Geständnisses wurde er schuldig gesprochen. Foto: Netflix
  • Kevin (Asante Blackk) ist noch ein Kind - seine Schwester Angie (Kylie Bunbury) weiß, dass er die Joggerin niemals angerührt haben kann. Foto: Netflix
  • Jharrel Jerome spielt Korey Wise - die Jungs der "Central Park Five" verbrachten allesamt zwischen sechs und 13 Jahren im Gefängnis. Foto: Netflix
  • Freddy Miyares (Mitte) spielt den erwachsenen Ray, während John Leguizamo (rechts) weiterhin seinen Vater verkörpert. Foto: Netflix
  • Der kleine Kevin Richardson (Asante Blackk) wurde im Polizeirevier derart heftig in die Magel genommen, dass er sich zum Lügen gezwungen sah Foto: Netflix
  • Bobby McCray (Michael Kenneth Williams, rechts) drängt seinen Sohn Antron (Caleel Harris), die Tat zu gestehen. Ein verhängnisvoller Fehler. Foto: Netflix

Es ist eine schwer zu fassende und noch schwerer zu verdauende Geschichte, die Netflix seit Kurzem in der vierteiligen Miniserie "When They See Us" erzählt. Doch der schier unglaubliche Fall fünf zu Unrecht verurteilter minderjähriger Bewohner New Yorks aus dem Jahr 1989 ist authentisch - und als "Central Park jogger case" in den Vereinigten Staaten seit jeher heiß diskutiert.

Bei einem Empfang der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) kamen die Opfer dieses Polizei- und Justizskandals nun zusammen und hatten eine deutliche Botschaft an den derzeitigen Präsidenten der Vereinigten Staaten: "Als Trump in ganzseitigen Anzeigen in New Yorker Zeitungen unsere Hinrichtung forderte, hat er ein Kopfgeld auf uns ausgesetzt", sagte Yusef Salaam, eines der Justizopfer, die als "Central Park 5" in die US-Geschichte eingingen.

Tatsächlich hatte Donald Trump im Zuge der Vorfälle des Jahres 1989 eine zweifelhafte Rolle gespielt. Nachdem eine 28-jährige weiße Frau im New Yorker Central Park brutal vergwaltigt worden war, investierte der damalige Immobilienmogul kolportierterweise rund 85.000 Dollar in eine Anzeigenkampagne. Trump forderte darin die Wiedereinführung der Todesstrafe gegen die fünf allesamt minderjährigen Tatverdächtigen, vier Afroamerikaner und einen hispanischstämmigen Jugendlichen. Auch Namen, Telefonnummern und Adressen seien damals veröffentlicht worden, erinnerte sich Yusef Salaam von Tränen übermannt in seiner Rede. "Wir waren noch Babys. Das System hat uns überrannt."

"Man kann nicht zum Mord an Kindern aufrufen und dafür jemals Vergebung erhalten"

Sehr drastisch schildert die Serie "When They See Us", die seit Kurzem bei Netflix zum Abruf bereitsteht, jene fatalen Entwicklungen des Jahres 1989 und den institutionellen Rassismus, der sie möglich machte. Obwohl keine Beweise gegen sie vorlagen und die Spurenlage nicht zu einer Täterschaft passte, wurden die damals 14- bis 16-jährigen Raymond Santana, Kevin Richardson, Antron McCray, Yusef Salaam und Korey Wise in stundenlangen Verhören zu später widerrufenen Geständnissen genötigt und auf deren Grundlage vor Gericht schuldig gesprochen. Sie verbüßten Haftstrafen bis zu 13 Jahren - ehe der wahre Täter die Vergewaltigung gestand und mittels eines DNA-Tests überführt werden konnte. Erst 2014 einigten sich die fünf Männer mit der Stadt New York auf eine Entschädigungssumme in Rekordhöhe von 41 Millionen US-Dollar.

Die damals federführende Staatsanwältin Linda A. Fairstein ist infolge der öffentlichen Debatte, welche die Netflix-Serie der preisgekürten Filmemacherin Ava DuVernay in den USA entfacht hat, inzwischen von öffentlichen Ämtern zurückgetreten. Auch ihr Buchverlag, bei dem ihre Kriminalromane erschienen, will nicht mehr mit Fairstein zusammenarbeiten. Einen Irrtum räumt die in der Serie von Felicity Huffman gespielte Ex-Strafverfolgerin aber bis heute nicht ein. Dasselbe gilt für Donald Trump, der 2016 sogar Wahlkampf machte, indem er gegen die Entschädigungszahlung polemisierte.

Beim ACLU-Emfang in Los Angeles urteilte der Schauspieler Joshua Jackson, der in der Serie einen der Verteidiger spielt, in Richtung des US-Präsdidenten: "Man kann nicht zum Mord an Kindern aufrufen und dafür jemals Vergebung erhalten."

teleschau

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