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Bingo im Kopf - Fr. 25.10. - ARD: 20.15 Uhr

Über die Kraft der Musik

Der verzweifelte One-Hit-Wonder-Schlagerstar Mirko Mortauk (Pasquale Aleardi) entflieht zu seiner Familie. Dort merkt er, auf was es im Leben wirklich ankommt.

  • Schlagerstar Mirko Mortauk (Pasquale Aleardi) landete mit "Bingo" in den 90er-Jahren einen Hit. Doch nun steckt er in der Komödie "Bingo im Kopf" in einer tiefen Lebenskrise. Foto: ARD Degeto / Thorsten Jander
  • So kennt ihn jeder: Schlagerstar Mirko Mortauk (Pasquale Aleardi) muss heute noch seinen Hit "Bingo" singen - nach 20 Jahren. Für ihn selbst fast unerträglich. Foto: ARD Degeto / Thorsten Jander
  • Manager Sigi (Henry Hübchen, links) will den Hit "Bingo" von Mirko (Pasquale Aleardi) erneut aufleben lassen - allerdings als Rap-Remix. Was Mirko dazu wohl sagen wird? Foto: ARD Degeto / Thorsten Jander
  • Mirko (Pasquale Aleardi) flieht zu seiner Familie nach Sankt Maiwald. Seine Mutter (Gundi Ellert) glaubt ihm nicht, dass es ihm gut geht. Foto: ARD Degeto / Thorsten Jander
  • Zum ersten Mal seit langer Zeit trifft Mirko (Pasquale Aleardi, links) wieder auf seine Familie. Allerdings hat er einiges verpasst und wird erst skeptisch begrüßt. Von links: Goran (René Geisler), Nele (Aleen Jana Kötter), Manu (Henrike Hahn), Mirkos Mutter (Gundi Ellert), Elena (Marie Leuenberger) und Borko (Peter Prager). Foto: ARD Degeto / Thorsten Jander
  • Mirko (Pasquale Aleardi, links) ist pleite. Kurzerhand wird er dazu verdonnert, den Chor zu leiten. Von links: Felix (Tom Gronau), Rainer (David Baalcke), Elena (Marie Leuenberger), Mirkos Mutter (Gundi Ellert), Elke (Barbara Bauer) und Rosa (Eva Herzig). Foto: ARD Degeto / Thorsten Jander
  • Von seinem Vater Borko (Peter Prager, rechts) bekommt Mirko (Pasquale Aleardi) einige Ratschläge - nicht nur, was das Boxen betrifft. Foto: ARD Degeto / Thorsten Jander
  • Zunächst ist Mirkos (Pasquale Aleardi) Jugendliebe Rosa (Eva Herzig) noch sauer auf ihn. Er hat sie vor Jahren für die Musik verlassen. Können sich die beiden wieder anfreunden? Foto: ARD Degeto / Thorsten Jander
  • Die Musik hilft den Chormitgliedern, aufzustehen. Von links: Rainer (David Baalcke), Nele (Aleen Jana Kötter), Georg (Matthias Lier), Elena (Marie Leuenberger), Goran (René Geisler), Elke (Barbara Bauer), Mirkos Mutter (Gundi Ellert), Rosa (Eva Herzig) und Felix (Tom Gronau). Foto: ARD Degeto / Thorsten Jander

"Mir geht's gut!" Immer und immer wieder muss der Schlagerstar Mirko Mortauk (Pasquale Aleardi) wiederholen, dass bei ihm alles in Ordnung ist - obwohl es das überhaupt nicht ist. Im Gegenteil: Seit seinem Riesenhit "Bingo" in den 90er-Jahren hat er nichts Neues mehr geliefert, und das Publikum will auch nichts anderes hören. Nicht einmal sein Manager Siggi (Henry Hübchen) interessieren seine neuen Ideen - er will nur den alten Song als Rap-Remix neu vertonen. Die Komödie "Bingo im Kopf", die nun im Ersten ausgestrahlt wird, nimmt sich der tiefen Karriere- und Lebenskrise eines ausgebrannten Sängers an - und kreiert daraus einen Berg voller Lebensweisheiten.

Um auf andere Gedanken zu kommen, trampt der dunkle Lockenkopf zu seiner Familie nach Sankt Maiwald im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Dort erwartet ihn ein absolutes Kontrastprogramm. Während seine Mutter (Gundi Ellert) und sein Vater (Peter Prager) sich freuen, ihn zu sehen, sind die anderen Familienmitglieder und auch seine Jugendliebe Rosa (Eva Herzig) erst mal distanziert. Mirko hat sich viele Jahre nicht gemeldet, die schlimmen Ereignisse in der Familie nicht mitgekriegt und tappt schon beim ersten Aufeinandertreffen in ein Fettnäpfchen nach dem anderen.

Da er Schulden und viel Zeit hat, verdonnert ihn seine Mutter dazu, die Leitung des örtlichen Chors zu übernehmen - ein Gesangswettbewerb steht an. Nur widerwillig nimmt Mirko die Aufgabe an, und zunächst sieht es auch nicht gut aus: Einer nach dem anderen verlässt die eh schon recht spärlich besetzte Gesangsgruppe. Eine Lösung muss her. Und die hat Mirko tatsächlich in petto. Nach und nach füllt er die leeren Stellen wieder auf, blickt dabei tief hinter die jeweiligen Schicksale der Sänger und Sängerinnen - und merkt immer mehr, was Musik wirklich für ihn bedeutet. Sein Credo, die belastenden Gefühle zu Musik zu machen und sie rauszusingen, zieht sich durch den ganzen Film.

Emotionale Höhen und Tiefen ohne Kitsch

Ein bisschen erinnert "Bingo im Kopf" an das sagenhaft schöne schwedische Musikfilm-Drama "Wie im Himmel" mit Mikael Nyqvist aus dem Jahr 2004. An die Tiefe kommt der ARD-Freitagsfilm zwar nicht ran, doch die Thematik ist ähnlich: Viele unterschiedliche Schicksale treffen in einem Chor zusammen und schaffen es in der Gemeinschaft und mit der Musik, ihre Probleme zu verarbeiten.

Die grobe Handlung ist zwar vorhersehbar, trotzdem kreierte Regisseur Christian Theede eine flotte Komödie, die sich viel Zeit für die kleinen und großen Krisen seiner Protagonisten nimmt. Obwohl die emotionsgeladene Achterbahnfahrt zwischen Freude und Trauer mithin sehr steil ist, wirken die doch recht philosophischen Gespräche und Wandlungen weder überzogen noch kitschig. Dafür triefen sie vor Lebensweisheiten, die Mirko nicht nur selbst weitergibt, sondern vor allem auch gesagt bekommt.

Untermalt wird die Geschichte, die vor der traumhaften Kulisse des oberbayerischen Staffelsees spielt, von harmonischen Songs, die von Dominik Giesriegl komponiert und von Aleardi selbst eingesungen wurden. "Die Songs wurden speziell für den Film komponiert. Vor dem Dreh und wann immer möglich während des Drehs, haben wir geübt und versucht, möglichst viele Farben rauszukitzeln", erklärte Aleardi, der sowohl als Schauspieler als auch als Frontmann des Trios "Pasquale Aleardi & Die Phonauten" tätig ist. "Musik ist essenziell für mich. Ich kann mir ein Leben ohne Musik schlichtweg nicht vorstellen. Musik war die erste große Liebe in meinem Leben", sagt der singende Schauspieler.

Durch die von Mirko komponierten Songs schöpfen die Familien- und Chormitglieder in "Bingo im Kopf" nach ihren Rückschlägen langsam wieder Mut. So wird nicht nur das Leben eines gefallenen Schlagerstars völlig umgekrempelt, sondern es fügen sich auch wieder viele andere berührende Schicksale. Ein Film, der davon erzählt, welche Kraft die Musik doch haben kann.

Sarah Kohlberger

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