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Der große Rausch - Di. 31.03. - ARTE: 20.15 Uhr

Verheerende Wirkung der Drogen

Heroin, Kokain und neuerdings synthetische Substanzen stürzen viele Menschen in einen "Großen Rausch". Eine dreiteilige ARTE-Dokumentation beleuchtet sehr ausführlich die Geschichte des Drogenhandels. In das Geschäft mit der Sucht ist sogar die Politik verwickelt.

  • Die Rauschgiftabhängigkeit entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert zum weltweiten Problem. Millionen Menschen fielen ihrer Sucht zum Opfer. Foto: ARTE / Yami 2
  • Im 19. Jahrhundert breitete sich Opium auf Betreiben der Kolonialmächte in ganz Asien aus. Foto: ARTE / Yami 2
  • Der Kolumbianer Pablo Escobar stieg in den 1980er-Jahren zum wohl mächtigsten Drogenbaron auf. Foto: ARTE / Yami 2
  • Gewaltige Drogenfunde sorgen immer wieder weltweit für Aufsehen. Foto: ARTE / Yami 2
  • In Mexiko haben Drogenkartelle das Land in eine Spirale der Gewalt gestürzt. Der Kampf der Sicherheitskräfte erscheint vielerorts aussichtslos. Foto: ARTE / Yami 2
  • Trotz massiven Polizeieinsatzes ist beispielsweise in Mexiko die Bilanz eines Krieges gegen die Drogen erschreckend ernüchternd. Foto: ARTE / Yami 2
  • Zum Fürchten: Bewaffnete Polizisten einer Spezialeinheit im philippinischen Caloocan greifen immer wieder mit äußerster Brutalität in einem wütenden Krieg gegen die Drogen ein. Foto: ARTE / Olivier Sabil
  • In einem Slum im philippinischen Caloocan sind die Bewohner wie Axel Martinez immer wieder brutalen Übergriffen der Polizei ausgesetzt. Foto: ARTE / Olivier Sarbil

Nach einem erst im Dezember vergangenen Jahres vorgestellten Marktbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) für 2017 machen Kriminelle mindestens 30 Milliarden Euro Umsatz nur mit illegalen Drogen. In der erschütternden Untersuchung hieß es unter anderem, mehr als ein Drittel der rund 5.000 bekannten Verbrecherbanden in Europa seien direkt im Rauschgifthandel aktiv. Bedrohlich sei, dass sie sich zunehmend harte Konkurrenz machten.

Doch ist es ein Irrtum, zu glauben, nur dunkle Gestalten würden sich mit dem Geschäft mit der Sucht eine goldene Nase verdienen. Ganz im Gegenteil! Wie die dreiteilige sehr ausführliche Dokumentation des französischen Regisseurs Christophe Bouquet über die Geschichte des globalen Drogenhandels nun zeigt, zieht "Der große Rausch" seine Spuren durch alle Umwälzungen der Neuzeit. Für die Entstehung der mächtigen Drogenkartelle sind die Kolonialmächte ebenso verantwortlich wie Pharmaunternehmen, Bankensysteme und Geheimdienste der ganzen Welt. Im Film heißt es sogar, ohne die Beteiligung staatlicher Apparate hätte es den Drogenhandel nie gegeben.

China im Opiumrausch

Bouquets Zeitreise auf den Spuren von Heroin, Kokain & Co. führt zunächst weit zurück zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Es war das britische Empire, das unter anderem im indischen Tal von Benares, wo der beste Mohn der Welt gewachsen sein soll, den Anbau und die Produktion von Opium massiv vorantrieb. Ziel der Engländer war, mithilfe der Droge den Zugang zum damals größten Markt der Welt zu erzwingen: China.

In diesem abgeschotteten Reich, das sich dem von den Briten angestrebten Freihandel verweigerte, suchten die Eliten lange Zeit Entspannung beim Rauchen ihrer Pfeifen. Zu eher harmlosen Substanzen wie Safran kam durch britischen Import urplötzlich Opium hinzu. In der Folge durchzogen die Schwaden der Droge alsbald die gesamte chinesische Oberschicht. Die Auswirkungen waren mithin verheerend. Bereits 1906 sollen 13 Millionen Chinesen Opium-abhängig gewesen sein. Andere Quellen berichten von 40 Millionen Süchtigen bis 1945.

"Krieg gegen die Drogen"

Dass durch den Einsatz von Drogen jedoch nicht nur fremde Länder erobert wurden, zeigt Bouquet am Beispiel des Vietnamkrieges. 1969 kämpften 500.000 amerikanische Soldaten in einem ihnen fremden Land. Ein Drittel der Rückkehrer wurde Heroin-abhängig. "Die Frage war, wer hat ihnen das Heroin verschafft? Und woher kam es?", berichtet Alfred McCoy. Der US-Professor für südostasiatische Geschichte und Experte über die Verwicklung US-amerikanischer Regierungsstellen in den internationalen Drogenhandel deckte bereits als junger Student auf, wie im berüchtigten Goldenen Dreieck zwischen Thailand, Birma und Laos der Opiumhandel florierte - unter Duldung der CIA.

Mit dem Drogengeld sollte in Laos eine irreguläre Armee aufgestellt werden. Der Nachteil allerdings: Die versteckt agierenden Händler unter Führung eines laotischen Generals belieferten mithilfe der chinesischen Mafia nicht nur ihren heimischen asiatischen Raum. Zu ihren Kunden wurden auch die amerikanischen GIs. Neben dem Feind in Vietnam wurde das Gift so zur zweiten Gefahr für die US-Armee. Im Juni 1971 zog US-Präsident Richard Nixon schließlich die Notbremse. Er rief in einer historischen Rede den "Krieg gegen die Drogen" aus.

Wie der Marktbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) belegt, konnte dieser allerdings bis heute nicht gewonnen werden. Das Zerschlagen von späteren Drogenkartellen beispielsweise des Kolumbianers Pablo Escobar oder des Guadalajara-Kartells Ende der 1980er-Jahren in Mexiko blieben allerhöchstens Teilerfolge.

Morden im Auftrag des Präsidenten

Ohnehin erscheint es aussichtslos, dass der "Kampf gegen die Drogen" überhaupt gewonnen werden kann. An diesem Vorhaben versuchte sich zuletzt auch Rodrigo Duterte. Der Präsident der Philippinen ging in seinem Heimatland mit äußerster Brutalität gegen die Drogenkriminalität vor. Die dramatischen Folgen sind ab 22.55 Uhr in der Dokumentation "Philippinen: Dutertes blutiger Drogenkrieg" zu sehen.

Dieser forderte laut Schätzungen allein 2017 mehr als 7.000 Opfer. Die Regisseure Olivier Sarbil und James Jones erhielten für ihren erschütternden Bericht mit Zügen eines Thrillers erstmals Zugang zu Polizeikreisen, recherchierten auf der Seite der Opfer und kamen sogar in Kontakt mit Tätern im Auftrag des Staates. Ihre Ermittlungen decken ein Staatsverbrechen auf. Blutige Beweise zeigen auf, dass die Polizei und sogenannte Todesschwadronen trotz des offiziellen Befehls Dutertes, das Morden an Drogenkriminellen und auch Süchtigen einzustellen, weiter ungestraft töten.

Andreas Schoettl

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