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Unser Universum - Sa. 28.03. - ARTE: 20.15 Uhr

Von Göttern, Scheiben und Teleskopen: Die Erde im Wandel der Jahrtausende

Seit Jahrtausenden blicken die Menschen auf der Erde auf den immer gleichen Himmel. Was sich jedoch mit der Zeit gewandelt hat, sind die zahlreichen, durchaus spannenden Theorien über unser Weltbild.

  • Lange Zeit herrschte die Auffassung, dass die Erde der Mittelpunkt des Weltalls ist und sich alles um sie dreht. Doch dann fand Kopernikus heraus, dass dem nicht so ist. Die dreiteilige Dokumentation "Unser Universum" auf ARTE zeigt, wie sich die Sichtweise auf die Erde und ihre Umgebung in den letzten Jahrzehnten veränderte. Foto: ARTE / Impossible Factual 2019 / Raid Production Ltd.
  • Seit Jahrtausenden schauen die Menschen in den Himmel und sehen immer das Gleiche. Doch es änderten sich die Theorien darüber, was die Bewegungen am Himmel bedeuteten. Foto: ARTE / Impossible Factual 2019 / Raid Production Ltd.
  • Mithilfe von Modellen wird dargestellt, wie die Menschen vor mehreren tausend Jahren auf die Erde und ihr Umfeld geblickt haben. Foto: ARTE / Impossible Factual 2019 / Raid Production Ltd.
  • Mithilfe einer Keilschrift hielten bereits die Menschen vor vielen tausend Jahren ihre Texte fest. Die Entschlüsselung dieser doch sehr aufschlussreichen Fundstücke fand erst sehr viel später statt. Foto: ARTE / Impossible Factual 2019 / Raid Production Ltd.
  • Es ist eine alte griechische Mythologie: Ikarus flog mit seinen Flügeln, die er mit Wachs an seinem Körper befestigt hatte, am Himmel. Als er sich allerdings zu nah an der Sonne aufhielt, schmolz das Wachs, er fiel in die Tiefe und starb. Foto: ARTE / Impossible Factual 2019 / Raid Production Ltd.
  • Früher wurden große Bauwerke, wie auch Tenochtitlans Tempel im heutigen Mexiko, von Osten nach Westen ausgerichtet. Foto: ARTE / Impossible Factual 2019 / Raid Production Ltd.
  • Die Himmelsscheibe von Nebra ist eine der ältesten Zeugnisse, die Aufschluss darüber gibt, wie die Menschen früher über das Universum dachten. Heute liegt sie im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Foto: ARTE / Impossible Factual 2019 / Raid Production Ltd.
  • Die Aposteluhr, die sich an der Südmauer des Altstädter Rathauses in Prag befindet, ist eine astronomische Uhr aus dem Jahr 1410. Darauf befinden sich nicht nur die Zeitanzeiger, sondern auch ein Sonnen- und ein Mondanzeiger. Außerdem können die Tierkreiszeichen darauf abgelesen werden. Foto: ARTE / Impossible Factual 2019 / Raid Production Ltd.
  • Der Wissenschaftler und Mathematiker Ptolemäus (geboren um 100 n. Chr., gestorben nach 160 n. Chr.) schrieb zahlreiche Bücher über Astrologie. Foto: ARTE / Impossible Factual 2019 / Raid Production Ltd.
  • In früheren Kulturen herrschte die Vorstellung, die Erde sei eine flache Scheibe. Seit der Antike allerdings wird die Welt als Kugel gesehen. Den ersten Umfang errechnete der Mathematiker Eratosthenes. Foto: ARTE / Impossible Factual 2019 / Raid Production Ltd.
  • Das ELT - Extremely Large Telescope - ist das weltweit größte optische Teleskop. Es steht in der Atacama-Wüste in Chile. Aktuell ist es noch nicht in Betrieb, allerdings soll es bis 2025 so weit sein. Foto: ARTE / Impossible Factual 2019 / Raid Production Ltd.
  • Das Hubbles-Weltraumteleskop, benannt nach dem Astronomen Edwin Hubble, zeigt Aufnahmen aus dem Weltall, die es zuvor nie gab. Foto: ARTE / Impossible Factual 2019 / Raid Production Ltd.
  • Mit der Mission "Apollo 11" unternahm die Raumfahrtbehörde NASA im Jahr 1961 die erste Mondlandung. Mit an Bord waren die Astronauten Neil Armstrong, Edwin "Buzz" Aldrin und Michael Collins. Foto: ARTE / Impossible Factual 2019 / Raid Production Ltd.

Zwei riesige Giganten erheben sich aus dem Meer. Eines der Wesen ähnelt einem düsteren Monster und schlängelt sich wie ein Aal durch die Wellen. Es ist Tiamat, die Urgöttin des Meeres, die im frühen Babylonien das Salzwasser verkörperte. Der andere Titan steigt als Krieger aus dem tosenden Wasser: Marduk, der Stadtgott der Babylonier, wirft sich in einen erbitterten Kampf mit dem Ungeheuer. Am Ende zertrümmert er mit seiner Keule den Schädel Tiamats und formt aus ihren zwei Körperhälften die Erde und den Himmel. - Lange Zeit glaubten die Menschen in Babylonien an diesen Schöpfungsmythos. Doch nicht nur die Babylonier hatten ihre eigene Sicht auf die Entstehung der Erde. Niemand auf der damaligen Welt konnte so recht begreifen, wie die Erde entstand und wie sie aufgebaut ist. Doch mit der Zeit sahen die Menschen immer klarer, entwickelten immer genauere Theorien - und landeten irgendwann bei dem Erkenntnisstand, den wir heute haben. Die dreiteilige Dokumentation "Unser Universum", die nun erstmals auf ARTE ausgestrahlt wird, nimmt sich dieser spannenden Entwicklung an.

Der erste Teil "Götter und Dämonen" konzentriert sich auf die verschiedenen Mythen, die früher geherrscht haben. Zwar erblickten die Menschen früher genau dasselbe, wenn sie in den Himmel schauten. Nur war die Sichtweise auf das Firmament vor vielen tausend Jahren eine ganz andere als heute. "Die Himmelskörper, ob Sterne oder Planeten, galten als die Schrift der Götter, und der Himmel wurde als eine Art Steintafel verstanden, auf die die Götter ihre Botschaften schrieben", so die Assyriologin Dr. Moudhy Al-Rashid. Noch mehr Aufschluss darüber geben uralte, aber noch erkennbare Zeugnisse, wie zum Beispiel die etwa 40.000 Jahre alten Malereien an den Wänden der El-Castillo-Höhle in Spanien, die Aztekentempel im heutigen Mexiko, Stonehenge in England - oder auch die berühmte Himmelsscheibe von Nebra, die bis heute älteste bekannte Himmelsdarstellung.

Von der Erde als Scheibe und als Mittelpunkt des Weltalls

Thales von Milet war der erste Mensch, der daran zweifelte, dass der Himmel durch die Machenschaften der Götter entstand. Daran schließt sich die zweite Folge "Das Zentrum" (21.10 Uhr) an. Wie hat sich das Weltbild im Laufe der Zeit verändert? Der Glaube daran, dass die Erde eine Scheibe ist, beherrschte viele Jahre lang das Weltbild der Menschen. Bis zur Antike ging man davon aus, dass man herunterfallen würde, wenn man am Rand der Scheibe angelangt wäre. Später, als sich die These festigte, die Erde sei eine Kugel, wurde sie lange Zeit als Mittelpunkt des Universums gesehen - bis die ersten Berechnungen ergaben, dass die Sonne im Mittelpunkt stehe. An diesen Entwicklungen waren weltberühmte historische Persönlichkeiten beteiligt: Eratosthenes, Claudius Ptolemäus, Nikolaus Kopernikus oder auch Galileo Galilei.

In den letzten Jahrzehnten ermöglichten technologische Errungenschaften wie Teleskope einen tieferen und präziseren Blick in die Materie der Astronomie. Die dritte Folge mit dem Titel "Unendliche Welten" zeigt, zu welchen Erkenntnissen die astronomische Forschung gekommen ist - vor allem durch Wissenschaftler wie Isaac Newton, Johannes Keppler oder Albert Einstein. Sie revolutionierten den Standpunkt der Erde: Weg von der Mitte des Universums hin zu einem Planeten unter vielen, auf elliptischen Bahnen und durch Gravitationskräfte geformt. Und zwar in einem riesigen Kosmos, den man als normaler Mensch überhaupt nicht fassen kann.

Regisseur Adam Luria komprimiert in seiner dreiteiligen Dokumentation alle Geschichten, Mythen und Weltbilder, die rund um das Universum herrschten. Expertenmeinungen von Astronomen und Wissenschaftlern belegen die spannenden Auffassungen darüber, wie die Welt früher gesehen wurde, während mithilfe von Modellen und Grafiken die unterschiedlichen, jahrelang kursierenden Weltanschauungen erklärt und teilweise mit Animationsszenen bildlich dargestellt werden. Luria schuf damit ein kompaktes und allübergreifendes Werk - und eine sehenswerte Reise durch eine wissenschaftlich interessante Vergangenheit. Spektakulärer kann Wissenschafts-TV kaum sein.

Sarah Kohlberger

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