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Bonusfamilie - Mi. 20.11. - ARD: 20.15 Uhr

Wenn es mal nicht so läuft im Leben ...

Die deutsche Adaption der schwedischen Erfolgsserie "Bonusfamiljen" beschreibt den alltäglichen Wahnsinn einer Patchworkfamilie. Die Miniserie (Fortsetzungen am Mittwoch, 27.11. und 4.12., 20.15 Uhr) mit Inez Bjørg David ist eine angenehm differenzierte Dramedy mit Tiefgang.

  • Die schwedische Erfolgserie "Bonusfamiljen" kommt als deutscher Dreiteiler ins ARD-Programm (von links): Das Liebespaar Lisa (Inez B. David) und Patrick (Lucas Prisor) muss sich mit seinen Ex-Partnern Martin (Steve Windolf) und Katja (Anna Schäfer) arrangieren. Man hat zusammen drei gemeinsame Kinder. Foto: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro
  • Lisa (Inez B. David)und Patrick (Lucas Prisor) bekommen ein Baby, viel früher als geplant. Gerade erst sind sie zusammengezogen. Die Arrangements mit Ex-Partnern und Erst-Kindern stehen noch auf wackligen Füßen. Foto: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro
  • Martin (Steve Windolf) war Lisas (Inez B. David) Jugendliebe, die beiden haben früh Kinder bekommen. Auch nach der Trennung sorgt sich die empathische Lisa noch um Martin, was ihrem neuen Partner nicht behagt. Foto: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro
  • Die 16-jährige Bianca (Louise Sophie Arnold) kommt noch mit am besten mit der Trennung der Eltern klar. Doch auch sie ist genervt von den vielen mehr oder weniger subtilen Spannungen in der "Bonusfamilie". Foto: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro
  • Die zehnjährigen Eddie (Fillin Mayer, rechts) und William (Levis Kachel)verstehen sich überhaupt nicht. Eine große Last für die Eltern der beiden Jungen, die nun als Stiefgeschwister zusammenleben müssen. Foto: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro
  • Eltern, "Bonuseltern" und zwei Zehnjährige (von links): Martin (Steve Windolf), Katja (Anna Schäfer), William (Levis Kachel), Lisa (Inez B. David), Eddie (Fillin Mayer) und Patrick (Lucas Prisor). Foto: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro
  • Der stillen William (Levis Kachel) würde am liebsten immer bei seiner Mutter Katja (Anna Schäfer) bleiben, doch die "muss" immer viel arbeiten. Foto: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro
  • Weil sich sein Vater Martin finanziell keine eigene Wohnung mehr leisten kann, wohnt der zehnjährige Eddie (Fillin Mayer) mit Vater und Schwester wieder bei seiner Oma Biggi (Swetlana Schönfeld) und deren Lebensgefährtin Püppchen (Irene Rindje). Foto: BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro

Die Mittdreißiger Lisa (Inez Bjørg David) und Patrick (Lucas Prisor) lieben sich, sind gerade zusammengezogen und wollen eine Familie gründen. Das Problem: Beide haben schon eine. Während die sanftmütige Dekorateurin Lisa (David) mit ihrer Jugendliebe, Möbelverkäufer Martin (Steve Windolf), früh die mittlerweile 16-jährige Tochter Bianca (Louise Sophie Arnold) und dann den zehnjährigen Eddie (Fillin Mayer) bekam, hat Deutschlehrer Patrick mit seiner taffen Architekten-Ex Katja (Anna Schäfer) den ebenfalls zehnjährigen William (Levis Kachel). Der zurückhaltende, leicht "nerdige" William und sein Stiefbruder, Draufgänger Eddie, hassen sich aus tiefstem Herzen. Jede Woche findet ein "Locationwechsel" statt. Sieben Tage verbringen die drei Kinder im neuen Heim von Lisa und Patrick, dann sind die beiden Liebenden wieder alleine. Die Patchwork-Kinder kehren zu den "verlassenen" Elternteilen zurück.

Dass Lisa kurz nach Etablierung des neuen Heims ungewollt schwanger ist, stürzt die "Bonusfamilie", wie derlei Patchworks in Schweden heißen, in eine noch tiefere Krise. "Bonusfamiljen" heißt auch das skandinavische Original, das dem deutschen Dreiteiler zugrunde liegt. Wer vergleichen möchte: Drei Staffeln des warmherzigen, klugen Schweden-Patchworks mit jeweils zehn Folgen kann man bei Netflix streamen. Die Fragen der Kinder, vor allem der jüngeren, sind indes länderübergreifend gleich: Lieben mich Mama und Papa noch, wenn sie bald ein neues Baby bekommen? Warum kann nicht alles wieder so sein wie früher? An drei aufeinanderfolgenden Mittwochabenden (Fortsetzungen am 27.11. und 4.12., 20.15 Uhr) zeigt das Erste seine neue Familienserie, die dem schwedischen Original schon ziemlich ähnelt. Sogar die Namen der Figuren wurden weitgehend übernommen.

Familienleben im Fegefeuer

Auch wenn das schwedische "Bonusfamiljen" aufgrund der Erzählspanne über mehrere "Seasons" einen weiteren Entwicklungsbogen der Figuren beschreibt, ist auch die deutsche Adaption (Buch: Antonia Rothe-Liermann) gelungen. Regie führte mit der erst 31-jährigen Isabel Braak ("Der Wedding kommt") eine hochgelobte Newcomerin, die mit ihren Arbeiten schon mehrere Preise abräumen konnte. Mit leichtem Ton, aber dennoch gutem Auge für die quälenden Details jener Dinge, die Familie zu einem Leben im Fegefeuer machen können, nimmt sich die ARD-Dramedy viel Zeit und Liebe für ihre Figuren.

Dass die deutsche Version den Ton des schwedischen Originals trifft und ab Film zwei sogar deutlich an Tiefgang zulegt, ist durchaus zu loben. Nun muss nur noch das Publikum mitspielen und akzeptieren, dass es ein neues Fernsehprogramm ohne Leichen oder schwerwiegende gesellschaftliche Trend-Probleme der Gegenwart gibt, das trotzdem sehenswert ist - und zwar gerade wegen der Normalität seines Themas. Ähnlich wie in der tollen VOX-Familieserie "Das Wichtigste im Leben" mit Jürgen Vogel und Bettina Lamprecht wird Familie hier endlich mal (wieder) so erzählt, wie sie tatsächlich stattfindet: wild, unberechenbar, tieftraurig und wunderschön.

Eric Leimann

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