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Was geschah am Montag? - Mo. 02.03. - ZDF: 22.15 Uhr

Wer bin ich und wenn ja wie viele?

Noomi Rapace, Star der "Millennium"-Trilogie von Stieg Larsson, liefert im Sci-Fi-Thriller von Tommy Wirkola in einer siebenfachen Hauptrolle eine meisterhafte Darbietung. Die dunkle Dystopie einer brutal umgesetzten Ein-Kind-Politik ist der Rahmen für ihre Ausnahmeleistung.

  • Wo ist Monday? - Noomi Rapace brilliert in "Was geschah am Montag?" in jeder Rolle. Foto: ZDF/COS AELENEI
  • Großvater Terrance (Willem Dafoe) zieht die Schwestern (hier: Clara Read) auf. Foto: ZDF/COS AELENEI
  • Dauer-Bösewicht Willem Dafoe spielt ausnahmsweise den liebevollen Opa. Foto: ZDF/COS AELENEI
  • Drei von insgesamt sieben Schwestern, die nicht sein dürfen - und alle spielt Noomi Rapace. Foto: ZDF/COS AELENEI
  • Nichts bleibt verborgen in "Was geschah am Montag?". Foto: ZDF/COS AELENEI
  • Die Schwestern begeben sich in große Gefahr. Foto: ZDF/COS AELENEI
  • Im Versteckspiel: Thursday (Clara Read) mit ihrem Großvater (Willem Dafoe). Foto: ZDF/COS AELENEI
  • Alle Schwestern geben sich als "Karen Settmann" (Noomi Rapace) aus. Foto: ZDF/COS AELENEI
  • Mal wieder manisch gnadenlos: Glenn Close als Behörden-Chefin Nicolette Caymen. Foto: ZDF/COS AELENEI
  • Thursday (Noomi Rapace) ist auf der Flucht. Foto: ZDF/COS AELENEI
  • Karen Settmann (Noomi Rapace, rechts) ist die Kunstfigur, die alle Schwestern vereint. Foto: ZDF/COS AELENEI
  • Ein-Kind-Politik ist bei Siebenlingen schwer umzusetzen. Foto: ZDF/COS AELENEI

Pro Jahr wächst die Weltbevölkerung um rund 82 Millionen Menschen - das entspricht in etwa der Einwohnerzahl Deutschlands. Mit diesem Wachstum werden 2100 rund 10,9 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Für Politik und Wirtschaft gilt es Lösungen zu finden, wie mit dieser Bevölkerungsexplosion umzugehen ist: Wie kann man diese große Anzahl an Menschen ernähren? Wie können sie ein gutes Leben führen? China betrieb bis Januar 2016 eine Ein-Kind-Politik, um den Bevölkerungswachstum zu bremsen. Ungeachtet eines dementsprechenden Geburtenrückgangs, der wiederum zu weiteren Problemen führen kann, stellten sich auch zahlreiche ethische Fragen. Staatliche Geburtenkontrolle? In dieser Hinsicht, ist "Was geschah am Montag?" also keine reine Zukunftsmusik, wenngleich es sich bei der Free-TV-Premiere im ZDF natürlich um eine düstere Dystopie handelt.

Die Frage nach der Zukunft ist ein spannendes und verstörendes Thema, das die Gewissheiten der Gegenwart erschüttert. Und so gibt es im Film viele Vorstellungen, darunter viele Horrorszenarien, wie die Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten aussehen könnte. Auch Regisseur Tommy Wirkola ("Hänsel und Gretel: Hexenjäger", 2013) skizziert in "Was geschah am Montag?" (im Original: "What Happened To Monday?") eine Welt, die Angst macht: Aufgrund der Überbevölkerung betreibt der Staat eine radikale Ein-Kind-Politik, der sich alle fügen müssen. In einem technisch aufwendig inszenierten Thriller schlüpft die schwedische Ausnahme-Schauspielerin Noomi Rapace in die Rolle von sieben Zwillingsschwestern.

Es ist eine trostlose Zeit. Zu viele Menschen leben auf der Erde, die Lebensmittel sind knapp. Darum wurde ein sogenanntes Kinderzuteilungsbüro gegründet, das die private Familienplanung zur Staatsangelegenheit macht und Geschwisterkinder unter der Führung von Nicolette Cayman (gnadenlos: Glenn Close) jagt und - einfriert. In dieser unmenschlichen Ära bringt eine Frau sieben Kinder zur Welt.

Noomi Rapace wächst über sich hinaus

Weil sie dabei stirbt, kümmert sich - wie der Betrachter in Rückblenden erfährt - der Großvater (Willem Dafoe) um die Babys, die er nach den Wochentagen benennt und heimlich in seiner Wohnung großzieht. Nur an den Tagen, die ihrem Namen entsprechen, dürfen die Frauen ihr geschütztes Zuhause verlassen. Das geht allerdings nur, wenn sie sich als dieselbe Person namens Karen Settmann ausgeben. Doch eines Tages kommt Monday nicht mehr von der Arbeit zurück, und ein Kampf ums Überleben beginnt...

Sehenswert ist die Performance von Hauptdarstellerin Noomi Rapace, die die sieben Frauenfiguren verkörpert, die sich nicht nur optisch, sondern auch charakterlich unterscheiden. Für die Schwedin war es die bis dato schwierigste Rolle ihrer Karriere, und sie meistert sie grandios, in einem nuancierten, oscarreifen Spiel, bei dem sie nie die Kontrolle verliert. Die Schwedin arbeitete aktiv bei der Gestaltung der diversen Schwester-Charaktere mit, ebenso bei der Auflösung der Szenen. Eine Glanzleistung liefert sie ab, wenn alle sieben Schwestern zusammensitzen, die ja durchaus Individuen sind mit eigenen Looks und Eigenschaften. Diese Individualität müssen sie vor der Außenwelt zwingend verbergen, und es erfordert ein großes Maß an Perfektion und Improvisation, um in der Welt da draußen zu wirken, ohne aufzufallen.

Verstörende wie faszinierende Zukunftsvision

Regisseur Tommy Wirkola und Kameramann José David Montero gelingt es, eine in monochrome Farben getauchte Zukunftsvision zu gestalten, die gleichermaßen verstört und fasziniert. Überzeugend ist gerade auch die technische Umsetzung, das raffinierte "Zusammenspiel" der sieben Schwestern, die am Set ja immer nur von einer gespielt werden, nämlich von Noomi Rapace, die hier über sich selbst hinauswächst. "Was geschah am Montag?" ist allerdings mehr als filmische Gesellschaftskritik zum Thema Geburtenkontrolle und Individualität - es ist am Ende des Tages vor allem ein atemloser Actionfilm, bei dem die wagemutige Hauptdarstellerin sogar verletzt im Krankenhaus landete.

Jasmin Herzog

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