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Stunden der Entscheidung - Angela Merkel und die Flüchtlinge - Mi. 04.09. - ZDF: 20.15 Uhr

Wie die Kanzlerin den Beginn der Flüchtlingskrise erlebte

Es waren historische Momente: Vor vier Jahren veränderte der Beginn der so genannten Flüchtlingskrise alles. Das Dokudrama "Stunden der Entscheidung - Merkel und die Flüchtlinge" zeichnet nach, wie die Kanzlerin jene Zeit im September 2015 erlebte.

  • Angela Merkel, gespielt von Heike Reichenwallner, steht im September 2015 vor ihrer wichtigsten Entscheidung. Foto: ZDF/Hans-Joachim Pfeiffer
  • Nach der Morgenlage macht sich Angela Merkel (Heike Reichenwallner) am 4. September 2015 auf den Weg zu vier Terminen in Bayern und NRW. Ihre Büroleiterin, Beate Baumann (Tilla Kratochwil) hält in Berlin die Stellung. Foto:
  • "Schaffen wir das?": Angela Merkel und die Regierung müssen die Flüchtlingsfrage lösen. Foto: ZDF/Hans-Joachim Pfeiffer
  • "March of Hope": Der syrische Flüchtling Mohammad Zatareih (Aram Arami) führt hunderte Menschen an, die auf eine bessere Zukunft in Deutschland hoffen. Ihr Weg Richtung Grenze führt entlang der Autobahn in Ungarn. Foto: ZDF/Hans-Joachim Pfeiffer
  • Der syrische Flüchtling Mohammad Zatareih (Aram Arami) hat nach einer mehrmonatigen Odyssee über Griechenland, Mazedonien und Serbien am 1. September 2015 die ungarische Hauptstadt erreicht. Foto: ZDF/Hans-Joachim Pfeiffer

Fast vier Jahre ist es her, dass in diesem Land gewaltige Veränderungen einsetzten, von denen Gesellschaft und Politik bis heute geprägt sind: Tausende Flüchtlinge brechen im September 2015 von Ungarn in Richtung Deutschland auf - in der Hoffnung, aufgenommen zu werden. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel geht es um eine Entscheidung, die ihre Kanzlerschaft und die Zeitgeschichte prägen soll. Diesen realen politischen Thriller zeigt das ZDF nun als Dokudrama: "Stunden der Entscheidung - Angela Merkel und die Flüchtlinge" widmet sich am vierten Jahrestag der Geschehnisse jenem Wendepunkt der Ära Merkel.

Wie gelangte die Bundeskanzlerin an jenem 4. September 2015 zu dem Schluss, die Grenzen für die Geflüchteten offen zu lassen? Wie reagierte sie auf die Bilder vom "Marsch der Hoffnung", den der Film anhand der Figur des Syrers Mohammad Zatareih thematisiert? In einer Mischung aus fiktionalen Drama-Elementen und realen Bildern verknüpft der Film von Regisseur Christian Twente unterschiedliche Perspektiven zu einem umfassenden Bild jener spannenden 24 Stunden. Im Zentrum steht dabei jedoch der Tagesablauf der Kanzlerin, der erstmals in Spielfilm-Manier nachgezeichnet wird.

Heike Reichenwallner brilliert in der Rolle der Angela Merkel. - Sie verleiht ihr jene sympathische Bodenständigkeit und pragmatische Verbindlichkeit, die sie so von anderen Politikern unterscheidet. Das in Gestik und Mimik grandios getroffene Bild der Kanzlerin zeigt eine Merkel, die sich der Sache mit Ernsthaftigkeit und Moral annimmt - aber auch mit viel Humor. Wenn Merkel ihre Vertrauten im Kanzleramt mit "Sie sehen genauso aus wie ich mich fühle" begrüßt, fühlt man sich jener süffisanten Frau nahe, als die sie viele aus ihrem Umfeld privat beschreiben. Auch erleben wir die Kanzlerin im recht unbekannten Umfeld ihrer engsten Beraterin Beate Baumann (Tilla Kratochwil) und in Interaktion mit einem herrlich getroffenen Peter Altmaier (Gerhard Meseke).

Vom "Marsch der Hoffnung"

Die andere Perspektive, den Blick jener Menschen, die aus Syrien fliehen mussten, erlebt der Zuschauer in Person von Mohammed Zatareih, der später in Zwickau landete und im Film von seinen Erlebnissen berichtet. Er war es, der den großen "Marsch der Hoffnung" von Budapest in Richtung österreichischer Grenze mitinitiierte. Auch hier wechseln sich die beeindruckenden historischen Bilder mit Spielfilmelementen ab, in denen Zatareih von Arami Aram verkörpert wird. Wir erleben ihn als denjenigen, der die unerträglichen Bedingungen am Bahnhof Keleti wahrnimmt - und die Geschehnisse in die Hand nimmt.

"Meine Kraft habe ich durch meine Verantwortung bekommen", sagt der junge Syrer. "Ich habe gedacht, wenn ich das nicht schaffe, dann ist das mein Fehler und auch ein großes Risiko für alle Menschen, die mit mir laufen. Und ich wusste, wenn jetzt etwas passiert, dann liegt alle Schuld auf mir." Das ZDF erzählt hier eine Heldengeschichte, die im Sinne der Dramaturgie nachvollziebar gestaltet ist. Ein wenig unglaubwürdig wird das Ganze jedoch dadurch, dass man sich entschieden hat, die syrischen Geflüchteten miteinander Deutsch reden zu lassen.

Begleitet wird das Dokudrama nach einem Drehbuch von Sandra Stöckmann und Marc Brost von Interviews mit den beteiligten Politikern - unter anderem mit dem damaligen Vizekanzler Sigmar Gabriel, dem damaligen Innenminister Thomas de Maizière und Peter Tauber, 2015 CDU-Generalsekretär. Allesamt schätzen sie die Ereignisse vom September 2015 als historische ein - und die Entscheidung Merkels als letzlich richtige. Es wäre "ganz gegen die Stimmung" in jenen Tagen gewesen, die Grenzen zu schließen, analysiert etwa de Maizière. Kritische Stimmen lässt der Film allerdings auch zu Wort kommen, beispielsweise den damaligen BND-Präsidenten Gerhard Schindler.

Nicht nur das ZDF widmet sich dem Beginn der so genannten Flüchtlingskrise: Basierend auf dem Sachbuchbestseller "Die Getriebenen" verfilmten auch die ARD-Sender NDR und RBB den historischen Moment und dessen Entstehung. Ein Ausstrahlungstermin steht noch nicht fest.

Maximilian Haase

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