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Das neue "Westworld" ist ein "Wasteland"

Alles zur Staffel zwei der HBO-Hochglanz-Serie - sie läuft ab Montag, 23. April, 20.15 Uhr Uhr, auf Sky Atlantic HD
von Eric Leimann

  • Das Bild täuscht: Dolores (Evan Rachel Wood) ist in "Westworld"-Staffel zwei nicht mehr die liebe Farmerstochter von nebenan. Cowboy Teddy (James Marsden) mag sie jedoch nach wie vor. Foto: © [2018] Home Box Office, Inc. All rights reserved. / Sky
  • Chefprogrammierer Bernard (Jeffrey Wright) kennt sich im wahrsten Sinne des Wortes mit der Mensch-Maschine-Schnittstelle aus. Foto: © [2018] Home Box Office, Inc. All rights reserved. / Sky
  • Der "Man in Black" (Ed Harris) darf nun echte Gefahren im Park erleben. Foto: © [2018] Home Box Office, Inc. All rights reserved. / Sky
  • Power-Roboter Maeve (Thandie Newton) und der schmierige Drehbuchautor des Parks, Lee (Simon Quarterman), werden zu Beginn von "Westworld"-Staffel zwei zum unfreiwilligen Gespann. Foto: © [2018] Home Box Office, Inc. All rights reserved. / Sky
  • Bin in in einem Traum? Dolores (Evan Rachel Wood) besucht eine anderen Welt ... Foto: © [2018] Home Box Office, Inc. All rights reserved. / Sky
  • Ashley (Chris Hemsworth), Sicherheits-Offizier von Westworld, bekommt in der zweiten Staffel viel zu tun. Immerhin darf er mit schicken Fahrzeugen durch den - mittlerweile dystopischen - Vergnügungspark fahren. Foto: © [2018] Home Box Office, Inc. All rights reserved. / Sky
  • Der nachdenkliche Technik-Guru Bernard (Jeffrey Wright) und Charlotte Hale vom Konzern, der den Park besitzt, müssen sich auf die neuen Gegebenheiten in "Westworld" einstellen. Foto: © [2018] Home Box Office, Inc. All rights reserved. / Sky
  • Grübler Bernard (Jeffrey Wright) darf sich in "Westworld"-Staffel zwei wieder seine Gedanken machen. Das Verhältnis zwischen Menschen und Robotern ist nicht einfacher geworden ... Foto: © [2018] Home Box Office, Inc. All rights reserved. / Sky
  • Der mittlerweile 80-jährige Anthony Hopkins spielte in der ersten Staffel von "Westworld" den Parkerfinder Dr. Robert Ford. Für die zweite Staffel unterschrieb der britische Ausnahmeschauspieler nicht. Trotzdem gibt es Stimmen, die behaupten, dass er in Staffel zwei noch mal auftauchen wird ... Foto: 2016 Home Box Office, Inc. All rights reserved. HBO
  • Paraderolle für Yul Brynner im Film "Westworld" von 1973: Der russischstämmige US-Schauspieler, 1985 verstarb er im Alter von 65 Jahren, verkörperte einen Roboter. Der mutiert von einer Unterhaltungsmaschine zum gnadenlosen Mörder. In der neue Serie ist die von Ed Harris gespielte Figur eine Hommage an ihn. Foto: ARTE / ARD / Degeto

In der ziemlich unübersichtlich gewordenen Serienlandschaft kündigt sich mal wieder ein Highlight an: Staffel zwei des HBO-Renommierproduktes "Westworld", das beim amerikanischen Abo-Sender auch einige Zuschauerrekorde brach. Die 100 Millionen Dollar teure erste Staffel erhielt bei den Emmys 2017 rekordverdächtige 22 Nominierungen - konnte abseits minder wichtiger Kategorien wie "Sound", "Special Effects" und "Hairstyling" allerdings nichts gewinnen. Dabei bietet "Westworld" auch in Staffel zwei Tiefgang, Philosophie und Schauspiel vom feinsten - neben viel Blut, nackter Haut und tollen Bildern. Der grundlegende Plot, ein Vergnügungspark mit menschenähnlichen Robotern, die sich seltsam verhalten, ist indes überholt. Das neue "Westworld" ist ein "Wasteland", welches eher an "The Walking Dead" und "Mad Max" erinnert.

Das Autoren-Ehepaar Jonathan Nolan ("The Dark Knight", "Interstellar") und Lisa Joy ("Pushing Daisies") griff für die im Herbst 2016 bei HBO gestartete Serie "Westworld" Michael Crichtons gleichnamigen Filmklassiker von 1973 auf. Der dystopische Science Fiction-Streifen mit dem eindrücklichen Yul Brynner als rebellierendem Roboter in schwarzer Cowboykluft erzählte von einem Freizeitpark, in dem menschengleiche Maschinen finanziell gut gepolsterten Touristen als Duellpartner oder Saloon-Huren dienen.

An diesem verheißungsvollen Plot-Vorbild orientierten sich auch Nolan und Joy in Serienstaffel eins. Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Roboter wie Farmerstochter Dolores (Evan Rachel Wood) oder Bordellbetreiberin Maeve (Thandie Newton) waren jene Charaktere, mit denen sich der Zuschauer identifizierte. Gequälte künstliche Intelligenzen, die viel mehr Haltung und Schönheit in ihrem Geist aufblitzen lassen als ihre menschlichen Schöpfer.

Am Ende der ersten Staffel präsentierten die Macher nach viel philosophischem Gedankengut zur Frage, was eigentlich Leben ist, ein apokalyptisches Gemetzel. Mit dessen Ergebnis arbeitet die Serie nun in zehn neuen Folgen weiter (immer montags, um 20.15 Uhr, bei Sky Atlanic HD oder jederzeit bei Sky Ticket, Sky Go und Sky On Demand). Im Vergnügungspark "Westworld" sind die verbliebenen Menschen zum Freiwild der entfesselten künstlichen Intelligenz geworden. Der Kontrollraum, von dem früher Updates eingespielt, Handlungen gestoppt oder Einsatzteams in weißen Schutzanzügen in den Park geschickt wurden - er ist leer.

Dabei ist das Personal der Serie gegenüber Staffel eins bis auf (voraussichtlich) Anthony Hopkins ("Das Schweigen der Lämmer") und Sidse Babett Knudsen ("Borgen") dem Mensch-Maschinen-Disput treu geblieben. Dem "Mann in Schwarz" (Ed Harris) gefällt es, dass alle Taten im neuen Park nun auch echte Konsequenzen haben. Dolores und Maeve sind als Racheengel zu neuen Zielen ihrer künstlichen Existenz aufgebrochen, und Chefprogrammierer Bernard (Jeffrey Wright) kämpft weiterhin mit seiner Zwitterrolle zwischen Maschine und menschlicher Schöpferkaste.

"In der ersten Staffel war noch alles ruhig", sagte Autorin Lisa Joy bei den Emmys 2017 auf die Frage, was sich in der zweiten Staffel verändern würde. "Dass jene Phänomene, die sich in den Robotern abspielten, zu einer Art Ausbruch führen könnten, ahnte man da bereits. In Staffel zwei ist dieser Ausbruch geschehen, wir finden den Park in einem ganz anderen Zustand vor. Staffel zwei hat ein komplett anderes Set-up."

Nach Ansicht der ersten, 70 Minuten langen Folge, muss man konstatieren, dass die Macher zumindest zu Beginn der zweiten Staffel auf spektakuläre Action setzen: Futuristische Fahrzeuge mit Schutztruppen und Roboteranalysten sind nach "Westworld" eingedrungen und versuchen, die Kontrolle wiederzuerlangen. Das Ganze erinnert ein bisschen an "Terminator", die zahlreichen, blutigen Gemetzel an "The Walking Dead" und das Ganze vor der Wüsten-Optik auch ein wenig an "Mad Max". Die Philosophie kommt indes nicht zu kurz. Für ein Vieraugengespräch zwischen Mensch und Maschine, an deren immer schwieriger werdenden Unterscheidung die Serie weiter arbeitet, nimmt man sich immer noch genug Zeit.

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