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Doku-Soap mit Todesfall

Wie das ZDF mit Steven Gätjens heikler Reisedoku "Mit 80 Jahren um die Welt" umgeht (ab Dienstag, 24. Juli, 22.45 Uhr)
von Eric Leimann

  • Steven Gätjen erlebte auf seiner sechsteiligen Dokutainment-Show "Mit 80 Jahren um die Welt" den Tod eines Teilnehmers. Lothar (links) aus der Nähe von Hamburg verstarb auf der vorletzten Station des Reise-Sechsteilers. Das Format wird - in Absprache mit den Angehörigen des Toten und den fünf übrig gebliebenen Teilnehmern - trotzdem gesendet. Foto: ZDF / Tom Strohmetz
  • Reiseleiter Steven Gätjen erlebte beim Docutainment-Format "Mit 80 Jahren um die Welt" den Tod eines Teilnehmers. Foto: ZDF / [M] Marcus Höhn, Alpenblick GmbH, KNSK
  • Begaben sich mit um die 80 auf Weltreise (von links): die ZDF-Protagonisten Bernd, Christina, Lothar, Marianne, Erika und Norbert. Foto: ZDF / [M] Svea Pietschmann, Alpenblick GmbH, KNSK
  • Steven Gätjen und Protagonistin Christina bei der Weinlese in Südafrika. Foto: ZDF / Tom Strohmetz
  • Christina und Steven Gätjen genießen eine Weinverkostung in Südafrika. Foto: ZDF / Tom Strohmetz
  • Der 80-jährige Protagonist Lothar verstarb auf der vorletzten Station der sechsteiligen ZDF-Weltreise, auf einem Krankentransport von Vietnam nach Bangkok. Wie geht man innerhalb des leicht gedachten Formats mit seinem Tod um? Foto: ZDF / [M] Svea Pietschmann, Alpenblick GmbH, KNSK
  • Sechs Traumreiseziele in vier Wochen: (von links) Erika, Christina, Lothar, Marianne, Steven Gätjen, Bernd und Norbert sehen einiges von der Welt. Dieses Bild wurde in Mumbai, Indien, geschossen. Foto: ZDF / Tom Strohmetz
  • Bernd und Christina versuchen sich in der Wüste nahe Dubai beim Kamelreiten. Foto: ZDF / Tom Strohmetz
  • Auf dem Sukhbaatar-Platz in Ulan Bator in der Mongolei (von links): Lothar, Norbert, Marianne, Bernd, Erika, Steven Gätjen und Christina. Foto: ZDF / Daniel Nemetschek
  • Der kurze Zeit später verstorbene Lothar (Mitte) erfüllt sich in der Mongolei noch einen Lebenstraum: Einmal in der Luft schweben - mithilfe eines Tragschrauber-Flugs, den Piloten des Nisleg-Centers organisieren. Foto: ZDF / Tom Strohmetz
  • Protagonist Lothar (rechts) sitzt im Tragschrauber auf einem Flugfeld des Nisleg-Centes in der Mongolei. Gleich wird er abheben. Foto: ZDF / Tom Strohmetz
  • Mit 80 Jahren in die Mongolei (von links): Christina, Amélie Schenk (Übersetzerin), Marianne, ein Schamane und sein Gehilfe, Steven Gätjen, Erika und Bernd bei einer Schamanenzeremonie im Gorkhi Terelj-Nationalpark. Foto: ZDF / Tom Strohmetz
  • Le Tien (obere Reihe, dritter von links), der vietnamesische Ziehsohn von Marianne Le Tien, die Protagonistin Marianne (obere Reihe, dritte von rechts) und Steven Gätjen (obere Reihe, zweiter von rechts) lachen mit einer Hotelbelegschaft in die Kamera. Foto: ZDF / Tom Strohmetz

Sechs ältere Menschen, drei Frauen und drei Männer, schickt "Mit 80 Jahren um die Welt" auf Weltreise. Die Teilnehmer lernen sich erst am Frankfurter Flughafen kennen. Alle haben gemein, dass sie in ihrem Leben nicht viel von der Welt gesehen haben. Kein Geld, immer zu viel Arbeit, vielleicht fehlte auch ein wenig der Mut. Das in Holland erfundene Format holte dort gute Quoten, auch bei jüngeren Zuschauern. Die deutsche Variante unter der Reiseleitung Steven Gätjens begleitet den Rentner-Sechser auf einen Trip von Südafrika über Dubai, Indien, die Mongolei, Vietnam bis nach Schweden. In jedem Land bekommt einer der Teilnehmer einen Lebenstraum erfüllt. Der 80-jährige Lothar aus Schleswig-Holstein schwebt in der Mongolei wie ein Vogel in der Luft - mithilfe eines Leichtfluggeräts. Doch in Vietnam, der nächsten Station, verstirbt Lothar unerwartet. Die Ausstrahlung von "Mit 80 Jahren um die Welt" stand deshalb auf der Kippe. Jetzt wird die Reihe doch ausgestrahlt. Los geht's am Dienstag, 27. Juli, 22.45 Uhr, im ZDF.

Gerade bei Formaten, bei denen das Öffentlich-Rechtliche der Ästhetik des Privatfernsehens recht nahekommt, muss das Gebührenfernsehen aufpassen, sich nicht angreifbar zu machen. Dies gilt nicht nur im Sinne der viel beschworenen "Verschwendung von Gebührengeldern", sondern auch bei ethischen Fragen. Wie also umgehen mit der Tatsache, dass beim federleicht gedachten Dokutainment mit Rentnern, die noch mal zu einem - vielleicht letzten - Abenteuer aufbrechen, just einer dieser Abenteurer stirbt?

Lothar, ein nordisch trocken gerührtes "Landei", klagte auf der vorletzten Station in Vietnam plötzlich über Unwohlsein. Von der die Reise begleitenden Ärztin wurde er in ein Krankenhaus gebracht, wo man eine Lungenentzündung diagnostizierte. Während einer geplanten Verlegung nach Bangkok verstarb der ehemalige Fliesenleger und vielfach in seiner Gemeinde engagierte 80-Jährige überraschend. Der Dreh wurde umgehend abgebrochen, Gätjen und seine Protagonisten kehrten nach Deutschland zurück.

Eine Weile blieb offen, ob "Mit 80 Jahren um die Welt" gesendet werden soll. In Absprache mit den Hinterbliebenen des Verstorbenen und den übrigen Protagonisten entschied man, die sechs Folgen à 45 Minuten doch zu Ende zu produzieren. Die ausgefallene letzte Station Australien wird durch einen abschließenden Trip nach Schweden ersetzt, der die verbliebenen fünf Reisenden noch einmal zusammenbringt. So wird ein ZDF-Unterhaltungsformat, das Protokoll einer letzten Reise, auch zu einer Art Vermächtnis für Lothar - und ein ethisch durchaus anspruchsvoller Job für die Macher. Einerseits darf der Tod des "Kandidaten" nicht emotional ausgeschlachtet werden, dessen emotionale Wucht für die Reisegruppe aber auch nicht verschwiegen werden. Auch die leichte Dramaturgie des Formats mit exotischen Reisebildern, lachenden bis gerührten Senioren und unterlegter Popmusik sollte erhalten bleiben. Schließlich gehört das aus unverständlichen Gründen am späten Abend gesendete Format der Kategorie "Mutmacher" an. Nach dem Motto: "Guck mal Kurt, was die anderen Alten sich noch trauen."

Im Schnitt der ersten beiden von sechs Folgen entschied man sich, den Tod Lothars zu Beginn zu thematisieren - und ihn danach bis zur Zuspitzung in Folge fünf ruhen zu lassen. Eine gute Entscheidung, schließlich lief auf der Traumreise bis dahin alles nach Plan. Und wer weiß, was andere Sender an dräuendem Unheil und überemotionalsiertem Soundtrack aus den letzten Erlebnissen Lothars gemacht hätten.

"Mit 80 Jahren um die Welt" schürft nicht wirklich tief in den Biografien und der Psyche der Teilnehmer. Das Unterhaltende steht im Vordergrund, hier und da wurde vielleicht eine Chance zu mehr Substanz verschenkt. Relevanz wurde dem Sechsteiler ungewollt durch ein tragisches Ereignis zuteil. Der Umgang damit gelang dem Mainzer Sender seriös, verantwortungsvoll. Dass der Tod - gerade für eine Klientel um die 80 - zum Leben dazu gehört, ist eigentlich selbstverständlich. Dass man gerade in einem Unterhaltungsformat daran erinnert wird, war trotzdem nicht eingeplant.

"Mit 80 Jahren um die Welt" läuft innerhalb von zehn Tagen am späten Abend im ZDF-Programm. Nach dem Auftakt am Dienstag, 24.7., 22.45 Uhr, geht es am Mittwoch, 25.7., 23.15 Uhr, Donnerstag, 26.07., 23 Uhr, Dienstag, 31.07., 22.45 Uhr, Mittwoch, 1.8., 23.15 Uhr, und Donnerstag, 2.8., 23 Uhr, weiter. In Holland holte die Vorlage "De wereld rond met 80-jarigen" interessanterweise auch gute Quoten bei jüngeren Zuschauern. Dass Senioren auch im hiesigen Unterhaltungsfernsehen neuen Formaten zugeführt werden, dürfte aufgrund einer alternden Gesellschaft zum Trend werden. Ein anderer Versuch im Frühjahr 2018, die SAT.1-Kuppel-Show "Hotel Herzklopfen", scheiterte an schwachen Quoten. Offenbar fremdelt der deutsche Zuschauer noch etwas mit Alten, die es - auf leichte Art - noch mal wissen wollen.

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