mz_logo

TV-News
Freitag, 27. April 2018 21° 2

Neues Licht auf einen der berühmtesten Mordfälle der USA

Eine Fernsehserie beschäftigt sich mit den "mörderischen Menendez-Brüdern"
von Andreas Schöttl

  • Anwältin Leslie Abramson (Edie Falco) kämpft vor Gericht verzweifelt um die Menendez-Brüder. Foto: 13th Street
  • Anwältin Leslie Abramson (Edie Falco) stellt vor Gericht die Behauptung auf, dass die Mörder-Brüder durch lebenslangen Missbrauch zum Mord an den Eltern getrieben wurden. Foto: 13th Street
  • Nach dem Mord an ihren Eltern waren die Brüder Lyle (Miles Gaston Villanueva, links) und Erik Menendez (Gus Halper) schnell als verwöhnte Rich Kids verschrien. Foto: 13th Street
  • Sehen so trauernde Waisen aus? Die Brüder Lyle (Miles Gaston Villanueva, links) und Erik Menendez (Gus Halper) verprassten Monate nach ihrem Elternmord deren Kohle, wo sie nur konnten. Foto: 13th Street
  • Nach dem Doppelmord an ihren Eltern spielten die Brüder Lyle (Miles Gaston Villanueva, links) und Erik Menendez (Gus Halper) zunächst die unschuldigen Engel. Foto: 13th Street

In den 1990er-Jahren haben vor allem zwei Gerichtsprozesse die USA in Atem gehalten: O.J. Simpson und der Fall Menendez. Die achtteilige Miniserie "Law & Order: True Crime" greift in der ersten Staffel die verstörenden Schicksale von Lyle und Erik Menendez auf. Am 20. August 1989 erschießen die damals 18 und 21 Jahre alten Brüder ihre Eltern Jose und Kitty auf brutale Weise in deren Villa in Beverly Hills. Dass sie die Täter waren, daran herrschte schnell kein Zweifel mehr. Zu auffällig verprassten sie als Rich Kids in den Monaten nach dem Doppelmord ihren neuen Reichtum. Rund eine Million Dollar sollen sie in den ersten sechs Monaten als vermeintlich unschuldige Waisen ausgegeben haben. Die Miniserie aus dem "Law & Order"-Franchise von Dick Wolf rüttelt nun an der allgemeinen Meinung, verwöhnte undankbare Kinder erschießen liebevolle Eltern, nur um an deren Kohle zu kommen. Ab Donnerstag, 19. April, 21.50 Uhr, ist sie bei 13th Street zu sehen.

Problematisch bei Verfilmungen nach wahrer Begebenheit sollte eigentlich sein, dass der Zuschauer Ausgang, zumindest den groben Verlauf und bei einem echten Kriminalfall auch den Täter kennt. Dennoch erfreuen sie sich reger Beliebtheit. Gerade in Serienlänge bieten sie neue Perspektiven, geben die Möglichkeit über den Tellerrand, also die reinen bekannten Fakten hinauszublicken.

"Law & Order True Crime: Die mörderischen Menendez-Brüder" beginnt mit der Nachstellung der scheußlichen Tat. Mit Lyles berühmten Anruf in der Notrufzentrale: "Jemand hat meine Eltern getötet!", nehmen die ersten Ermittlungen an Fahrt auf. Am Tatort sind die Leichen der beiden Toten auf weißen Sofas zu sehen.

Der Clou jedoch ist, dass sich der Fokus von den Brüdern Lyle (Miles Gaston Villanueva) und Erik (Gus Halper) als vermeintliche Bestien abwendet. In den Mittelpunkt rückt Anwältin Leslie Abramson (Edie Falco, "Die Sopranos", "Nurse Jackie"). In den späteren im US-Fernsehen übertragenen Prozessen 1993 und 1996, erlangte sie Bekanntheit mit ihrer Verteidigung. Sie behauptete, dass die Brüder durch lebenslangen Missbrauch zum Mord an den Eltern getrieben wurden.

In Rückblenden wird deutlich, dass die Brüder es trotz wunderbarem Reichtum um sie herum tatsächlich nicht einfach hatten. Der im Filmbusiness erfolgreiche Vater Jose (Carlos Gomez) gängelte seine Kinder, wo er nur konnte. Das belegt vor allem eine Szene. Das Familienoberhaupt hatte versucht, seinem Sohn Lyle die Verlobte auszureden. Seine hinterhältige Masche: Er stellte sich mit Geldentzug sehr deutlich gegen die Beziehung. Derweil versank die Mutter Kitty Menendez (Lolita Davidovich) in einer nächsten Depression.

Dass die letztendlich zu lebenslangen Haftstrafen verurteilten Brüder-Mörder Unschuldslämmer waren, behauptet die Miniserie keinesfalls. Nach dem Urteil von Richter Stanley M. Weisberg vom 2. Juli 1996 sitzen sie ein - ohne Aussicht auf Bewährung. Doch hat auch eine abscheulichste Tat immer auch eine Vorgeschichte und einen Hintergrund, der aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden kann. "Law & Order: True Crime" fragt deshalb nachvollziehbar und berechtigt nicht nach einem "Wer hat es getan?", sondern stellt ein viel interessanteres "Warum?" in den Mittelpunkt.

teleschau - der mediendienst

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht