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Donnerstag, 24. Mai 2018 23° 4

Wenn der Vater gar nicht der Vater ist ...

Der Kölner "Tatort: Familien" war eher Familiendrama denn spannender Krimi
von Kai-Oliver Derks

  • Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) standen unter Zeitdruck. Eine junge Frau ist entführt worden. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Origineller Neuzugang: Beim letzten Stück Sahnetorte informiert Norbert Jütte (Roland Riebeling, links) die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, Mitte) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) über den Stand der Ermittlungen. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Auf der Suche nach einem entführten Mädchen: die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Foto: WDR / Thomas Kost
  • Die Ruhe selbst: Norbert Jütte (Roland Riebeling) erledigt die Hintergrundarbeit im Präsidium. Und dabei isst er eine ganze Menge. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Ivo Klein (Christoph Bertram, dritter von rechts) hat mit seinen Kumpels die Nacht durchgefeiert. Nach dem Junggesellen-Abschied macht er sich am frühen Morgen auf den tödlichen Heimweg. Foto: WDR / Thomas Kost
  • 30 Jahre Ehe. Und nun hat Freddy (Dietmar Bär, links) den Hochzeitstag vergessen. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) weiß Rat. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Ein Toter und eine Tasche voller Geld: Die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, dritter von links) untersuchen mit dem Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch, Mitte) den Tatort. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Sie lebt nicht mehr: Charlotte Ritter (Anke Sabrina Beermann) ist zunächst unauffindbar. Ihre Eltern sollen ein hohes Lösegeld zahlen. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Paul Ritter (Johannes Franke, Mitte) war mit seiner Schwester unterwegs in der Nacht, in der sie verschwand. Vater Ludwig (Harald Schrott) beobachtet, wie Mutter Ines (Nicole Marischka) versucht, mit Paul zu sprechen. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Jessica Dahlmann (Marie Meinzenbach) hat ihren Verlobten verloren. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) müssen einen Arzt holen. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Kasper Fröhlich (Anton von Lucke) lebt mit seiner Mutter Sandra Fröhlich (Claudia Geisler-Bading) zusammen. Die beiden eint eine tragische Vergangenheit. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig, hinten) ist vermögend und hilft seiner Tochter Ines Ritter (Nicole Marischka). Sie braucht Geld für die Lösegeldforderung. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Kasper Fröhlich (Anton von Lucke, vorne) und seine Mutter Sandra (Claudia Geisler-Bading) werden von den Kommissaren Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, rechts) befragt. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) muss Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig, zweiter von rechts) zurückhalten. Der Großvater der entführten Charlotte und Vater von Ines Ritter (Nicole Marischka) verliert die Kontrolle. Zu Recht, wie sich zeigt. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Der Entführer von Charlotte Ritter meldet sich: Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, zweiter von rechts) hören aufmerksam zu. Die Eltern der Entführten (Harald Schrott und Nicole Marischka) haben die Hoffnung nicht aufgegeben. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Die Barkeeperin (Jaëla Carlina Probst) bestätigt den Kommissaren Freddy Schenk (Dietmar Bär, rechts) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), dass Charlotte Ritter in der Nacht ihres Verschwindens zu Gast war. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Rückblende: Charlotte Ritter (Anke Sabrina Beermann) feierte in einer Bar ihre Zulassung an einer US-Elite-Uni. Mit dabei: ihr Freund Kasper (Anton von Lucke, links) und Paul Ritter (Johannes Franke). Dann kamen sie auf eine gefährliche Idee. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Charlotte Ritter (Anke Sabrina Beermann, links) lernt Philipp Weigel (Simon Böer) in der Bar kennen. Sie ahnt nicht, dass es sich um ihren leiblichen Vater handelt. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Philipp Weigel (Simon Böer, Mitte) bestätigt den Kommissaren Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, rechts) und Freddy Schenk (Dietmar Bär), dass er Charlotte Ritter kennt. Mit der Entführung will er aber nichts zu tun haben. Foto: WDR / Thomas Kost
  • Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig, links) und seine Tochter Ines Ritter (Nicole Marischka) geben die Hoffnung nicht auf. Mitte: Charlottes Vater Ludwig (Harald Schrott). Foto: Bildvermerk: WDR / Thomas Kost Beschreibung: Rainer Bertram (Ha

Die Mutter und der Großvater - das waren am Ende so ziemlich die einzigen Unschuldigen. Der Kölner "Tatort" mutete seinen Zuschauer in Sachen Auflösung dann doch einiges zu. Eine Art Verschwörung mit gleich drei Beteiligten lag dem 73. Fall der Kölner Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) zugrunde. Eine etwas gewagte Drehbuchkonstruktion war das sicher. So richtig mitfühlen konnte man nicht mit den Hauptfiguren im "Tatort: Familien", die mehrheitlich etwas kühl und fremd wirkten. Ausnahme: Wie Jessica Dahlmann (Marie Meinzenbach) leise und laut in ihren wenigen Szenen um ihren überfahrenen Verlobten trauerte, war großes Kino.

Worum ging es?

Die junge Charlotte Ritter kam bei einem Unfall auf einem Spielplatz ums Leben. Doch der Mann ihrer Mutter, ihr Freund und ihr Bruder inszenierten daraus einen Entführungsfall aus unterschiedlichen Motiven heraus, bei dem Charlottes vermögender Großvater um eine halbe Million Euro erleichtert werden sollte. Der Plan enthüllt sich jedoch erst ganz am Ende des Krimis. Bis dahin taucht die Polizei, die eher zufällig von der Entführung erfährt, tief ein in die Geheimnisse von zwei Familien, mit denen es das Schicksal in der Vergangenheit nicht gut meinte.

Wurden die Familie glaubhaft dargestellt?

Es sind, und das spürt man auch, ziemlich normale Leute, die in diesem "Tatort" in den Mittelpunkt rücken. Keine Exzentriker, keine Lebenskünstler. Tatsächlich rutschen sie dann alle mehr oder minder zufällig hinein in ihre Straftaten. Oder, wie es Regisseurin Christine Hartmann ausdrückt: "Es handelt sich nicht um einen professionellen Mörder, sondern um rechtschaffene Menschen, die sich nie und nimmer vorgestellt hätten, in eine solche Situation zu geraten." Alle Darsteller spielen das durchaus überzeugend, auch wenn einige Dialoge und Monologe eher referierenden Charakter hatten.

Kuckuckskinder - gibt es sie wirklich?

Dass das Familiendrama seinen Lauf nimmt, liegt im WDR-"Tatort" auch an einem lange gehegten Geheimnis. Ines (Nicole Marischka) hat ihrem Mann Ludwig (Harald Schrott) fast zwei Jahrzehnte lang nicht verraten, dass er nicht der leibliche Vater von Charlotte ist. Offizielle Erhebungen fallen verständlicherweise schwer, aber lange Zeit ging die Wissenschaft davon aus, dass die Zahl der "Kuckuckskinder" in Deutschland bei zehn Prozent liegen könnte. Längst jedoch ist diese Berechnung als Mär bei den Akten. Ein, höchstens zwei Prozent sollen es aktuellen Untersuchungen zufolge trotzdem sein. Im Netz gibt es Adressen von Beratungsstellen für Betroffene.

Wie spannend war der "Tatort"?

Das Problem mit dem Titel ist offensichtlich. Nachdem der Film schlicht mit "Familien" überschrieben wurde, war selbst unerfahrenen Krimizuschauern sofort klar, dass hier kein Außenstehender der Täter sein würde. Blieb nur die Frage, was an diesem Abend wirklich geschah und das Bangen um das Leben der Entführten, was sich nach zwei Drittel des Films dann erledigt hatte. Nein, sonderlich spannend war die Story sicher nicht, zumal auch der Showdown vergleichsweise unspektakulär ausfiel.

Karussell-Tod - Gab es einen solchen Vorfall wirklich?

Wahre Geschichte: Im Jahr 2012 kam ein damals 20-Jähriger in Bayern genau so ums Leben. Freunde von ihm halten den Reifen eines laufenden Motorrads an ein Drehkarussell. Der darin Sitzende wird herausgeschleudert und stirbt. Bei Youtube wimmelt es darüber hinaus von genau solchen Videos, die nicht selten mit einem schweren Sturz enden. Gut, dass mal ein populärer "Tatort" diesen Unsinn, wenngleich nur kurz, zum Thema macht. Schade nur, dass die Schnittmenge jener, die solcherlei Mutproben geil finden, und jenen, die "Tatort" schauen, vermutlich eher gering ist.

Liebt Freddy seine Frau noch? Und wer ist sie eigentlich?

Den 30. Hochzeitstag hat er so eben mal vergessen. Versuche, mit Ring oder Blumen das Versäumte wiedergutzumachen, scheitern. Um die Ehe des Kriminalers Alfred Schenk scheint es nicht zum Besten zu stehen. Und das ja nun seit Jahren. Zumal der Vater zweier Tochter immer seltener freundliche Worte über seine ihm Angetraute findet. Fest steht - und so ist es auch diesmal: Freddy arbeitet lieber, als zu Hause bei seiner Frau auf dem Sofa zu sitzen. Und die am Ende zum Wogenglätten notwendige Ayurveda-Woche sieht er auch eher wie einen Gefängnis-Aufenthalt. Übrigens: Tatsächlich tauchte diese ominöse Gemahlin in 21 Jahren Köln-"Tatort" nicht ein einziges Mal auf. Ein beliebtes Rätsel-Element, das man aus einigen Serien kennt. Vorbild war wohl Mrs. Columbo, die einst auch häufig erwähnt, aber nie gezeigt wurde. Andere Beispiele: Robin Masters aus "Magnum", Charlie aus "Drei Engel für Charlie" oder zuletzt Melvina Wolowitz aus "Big Bang Theory".

Wie gut war der "Tatort"?

Über weite Strecken war dieser WDR-Krimi ein ziemlich konservativ erzählter Entführungsfall, wie es schon so einige im TV zu sehen gab. Zwischen dem interessanten Anfang und der mutigen Auflösung kam er leider nicht ohne inhaltliche Längen aus. Jedoch: Es war mal wieder ein Sonntagabend-Krimi für all jene, die sich beim "Tatort" nach der eher klassischen Krimi-Unterhaltung sehnen und mit den künstlerischen und erzählerischen Experimenten im Rahmen der populären Reihe nur wenig anzufangen wissen.

Wir vergeben demnach eine glatte 3.

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