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Vortrag

Fukushima und die Folgen

Fast drei Jahre nach der Atomkatastrophe spricht Dr. Helmut Durchschlag an der Universität Regensburg über Strahlenproblematik und Strahlenschutz.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Das havarierte Atomkraftwerk Fukushima im August 2013: In den Tanks auf dem Gelände lagert radioaktiv verseuchtes Wasser. Foto: AP Photo/Kyodo News
  • Dr. Helmut Durchschlag sprach zum Thema Strahlenproblematik und Strahlenschutz. Foto: Knobloch
  • In solchen Tanks wird auf dem Gelände des havarierten Atomkraftwerks Fukushima radioaktiv verseuchtes Wasser gelagert. Foto: AP Photo/Kyodo News

Regensburg.Eine Rückkehr in die Heimat wird es für die rund 150 000 Menschen, die nach der Atomkatastrophe von Fukushima geflohen waren, wohl nicht geben. Nach einem Erdbeben und einem darauffolgenden Tsunami am 11. März 2011 war in dem Kernkraftwerk an der japanischen Küste das Kühlsystem ausgefallen. In drei Reaktorblöcken kam es daraufhin zu einer Kernschmelze, große Mengen radioaktiver Substanzen wie Cäsium (C-137), Jod (I-131) oder Strontium (Sr-90) wurden dabei freigesetzt. „Je nach Isotop kann es 100 Jahre oder auch länger dauern, bis die Stoffe zerfallen sind“, sagt Dr. Helmut Durchschlag vom Institut für Biophysik und Physikalische Biochemie der Universität Regensburg. Auf Einladung der Japan-Gesellschaft für Kultur, Wissenschaft und Technik sprach der Experte rund drei Jahre nach der Reaktorkatastrophe an der Universität über Strahlenproblematik und Strahlenschutz.

Zunächst gab Durchschlag den etwa 80 Zuhörern einen Überblick über die Ereignisse und die Folgen der Katastrophe. Ein großes Problem sei das radioaktiv verseuchte Abwasser, das zur Kühlung der Anlage verwendet wird. Mehr als 338 000 Tonnen verstrahltes Wasser lagerten bereits in Tanks auf dem Gelände. Ein Notfallplan sehe vor, den Boden um die Reaktoren mit einer unterirdischen gefrorenen Wand abzudichten, um den Eintritt von kontaminiertem Wasser in das Grundwasser zu stoppen.

Mitte November 2013 hatte die Betreiberfirma Tepco mit der Bergung von über 1500 Brennstäben aus einem Abklingbecken im Reaktorgebäude 4 begonnen. Durchschlag zufolge werden die Entsorgungsarbeiten in Fukushima aber noch mindestens 30 bis 40 Jahre dauern und bis zu 300 Milliarden Euro kosten. Ob Japan, wie zunächst angekündigt, bis 2040 schrittweise aus der Kernenergie aussteigen wird, ist aktuell wieder fraglich.

Die Einstellung der japanischen Bevölkerung zur Atomenergie habe sich grundlegend gewandelt. Bürger gingen auf die Straße und protestierten gegen Kernkraft. Andererseits hätten viele Angst vor Menschen, die kontaminiert worden waren. Ein ähnliches Verhalten habe es bereits nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki gegeben. „Die Betroffenen trauen sich nicht, sich in der Öffentlichkeit zu bekennen.“

Untersuchungen an Kindern und Jugendlichen ein Jahr nach dem Unglück hätten eine „erschreckend große Zahl von Schilddrüsenerkrankungen“ ergeben. Durchschlag empfahl den Zuhörern, sich für einen Katastrophenfall Jodtabletten zu besorgen. Rechtzeitig eingenommen verhindern diese, dass radioaktives Iod in die Schilddrüse aufgenommen werden kann.

Durch Strahlung entstehen im Körper sogenannte freie Radikale, die Zellen schädigen und so Krankheiten wie Krebs mitauslösen können. Sogenannte Antioxidantien – etwa Ascorbinsäure (Vitamin C) – schützen den Körper, indem sie die freien Radikale abfangen. Unterstützt von Durchschlag hat eine japanische Firma vor zwei Jahren dort ein Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt gebracht, das mehrere Antioxidantien enthält und den natürlichen Schutz des Körpers gegen solche Zellschäden vergrößern soll.

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