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Krankheit

Die EHEC-Epidemie und ihre tödlichen Folgen

53 Tote. Das war im Sommer die traurige Bilanz des bisher größten bekannten Ausbruchs einer EHEC-Epidemie in Deutschland. Perfekgibt'sten Schutz gibt es auch weiterhin nicht.

Gurken wurden längere Zeit für den Auslöser der EHEC-Epidemie gehalten.

Berlin. Das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) grenzt den Ausbruchszeitraum der größten bekannten EHEC-Epidemie in Deutschland vom 1. Mai bis zum 4. Juli 2011 ein. Der Gipfel der Erkrankungswelle lag am 22. Mai. Insgesamt infizierten sich im Ausbruchszeitraum 2987 Patienten nachweislich mit dem Lebensmittelkeim EHEC, 855 weitere erkrankten an der schweren Komplikation hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS). 35 HUS-Patienten starben, auch 18 EHEC-Patienten kostete die Infektion das Leben. Weltweit sind mit großem Abstand noch nie so viele HUS-Fälle auf einmal registriert worden.

Dass der identifizierte Keim (O104:H4) vor allem Erwachsene traf, könnte nach RKI-Einschätzung an einer seiner mikrobiologischen Eigenschaften liegen. EHEC-Keime haben verschiedene krankmachende Faktoren. Bei dem identifizierten Erreger fehlte ein Faktor, der sonst vor allem Kindern Probleme macht. Wenn eine Lebensmittel-Infektion Frauen häufiger trifft als Männer, spielen oft Ernährungsgewohnheiten ein Rolle. Nach RKI-Einschätzung wurden die EHEC-Überträger - in diesem Fall rohe Sprossen - vermutlich eher von gesundheitsbewussten Frauen gegessen als von Männern. 68 Prozent der registrierten HUS-Patienten waren Frauen, bei EHEC waren es 58 Prozent.

Hersteller können vorbeugen

Bis heute gibt es keinen definitiven Beweis dafür, dass Bockshornkleesamen aus Ägypten der Auslöser für die Epidemie waren. Es ist nicht gelungen, den Erreger in Samen oder in daraus hergestellten Sprossen nachzuweisen. Durch die Rückverfolgung der Lieferchargen hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aber wenig Zweifel, dass die Verunreinigung in Ägypten geschah. Die Behörde spricht von einer „hohen Wahrscheinlichkeit“. Bei Besuchen in ägyptischen Produktionsbetrieben fanden Kontrolleure auch nach der Epidemie keine optimalen Bedingungen vor. Das Importverbot für Bockshornkleesamen aus Ägypten wurde deshalb bis zum 31. März 2012 verlängert. Ursprünglich sollte der Import Ende November wieder erlaubt sein.

Einen perfekten Schutz vor EHEC gibt es nicht. Hersteller können Infektionen aber durch vorbeugende Maßnahmen entgegenwirken – insbesondere bei der Erzeugung von Sprossen für den Rohverzehr. Denn kaum ein anderes Gemüse ist durch die Zucht in einem warmen und feuchten Milieu so anfällig für Keime. Das BfR rät Menschen mit einem schwachen Immunsystem, Senioren und Kindern deshalb vom Verzehr roher Sprossen ab. Wer nicht darauf verzichten möchte, sollte sie vor dem Essen zumindest erhitzen.

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