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Wintersport

Schallende Olympia-Watschn

Beschämende IOC-Absage: 63 Stimmen für Sieger Pyeongchang, nur 25 für München 2018. Olympia macht um Deutschland seit den Sommerspielen 1972 einen großen Bogen. Ein zweiter Anlauf mit München für 2022 ist erst einmal abgesagt.

Katarina Witt, die Vorsitzende von „München 2018“, weint nach der Verkündung des Austragungsortes.

München. Ein Bild sagte am frühen Abend des 6. Juli mehr als viele Worte. Münchens beherzte Vorkämpferin Katarina Witt flüchtete nach der krachenden Olympia-Pleite mit Tränen vor den um sie herum ausgelassen jubelnden Südkoreanern. Der schöne Traum von einem bayerischen Wintermärchen war im südafrikanischen Durban geplatzt - die Wettkämpfe auf Schnee und Eis um Gold, Silber und Bronze finden vom 9. bis 25. Februar 2018 in Pyeongchang und damit zum dritten Mal in Asien und erstmals überhaupt in Südkorea statt.

Die zweimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin, die der Bewerbung von München, Garmisch-Partenkirchen und der Kunsteisbahn am Königssee auf der Zielgeraden noch zu etwas mehr internationalem Glanz verholfen hatte, litt in der deutschen Delegation am sichtbarsten unter der Niederlage. Kati Witt war untröstlich, selbst abends noch, als ihr die mitgereisten deutschen Olympia-Fans im Restaurant „Moyo“ am Strand von Durban beinahe frenetisch zujubelten. „Wir hätten gerne die Goldmedaille mit nach Deutschland gebracht“, sagte sie traurig.

2/3 stimmten für Pyeongchang

63 der 95 abstimmenden Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hatten an jenem Mittwoch für den Favoriten Pyeongchang gestimmt, der zum dritten Mal angetreten war. Nur 25 votierten für den Debütanten München, ganze sieben für das chancenlose Annecy in Frankreich. Während Witt davonrannte, gratulierte Bundespräsident Christian Wulff fair dem südkoreanischen Staatspräsidenten Lee Myung-Bak. „München und Deutschland haben sich im Wettbewerb als sympathisch, offen und sportbegeistert dargestellt“, erklärte Wulff staatsmännisch gefasst.

Auch eine kräftige Münchner Schlussoffensive bei der letzten Präsentation mit Wulff und dem als Überraschungsgast in den Süden Afrikas angereisten Fußball-“Kaiser“ Franz Beckenbauer konnte das Ruder nicht mehr herumreißen. Bayerns Landesvater Horst Seehofer (CSU) fühlte sich „wie vom Hammer geschlagen“, als IOC-Präsident Jacques Rogge um 17.18 Uhr das Resultat verkündet hatte. Die Fan-Partys in der bayerischen Heimat stoppten jäh.

Teurer Kampf ohne Happy-End

Der 44 Monate währende Kampf der Olympia-Befürworter war ohne Happy-End geblieben. 33 Millionen Euro kostete die Bewerbung, mehrere Geschäftsführer mussten gewechselt werden, ein Grundstücksstreit und ein Bürgerbegehren spalteten Garmisch-Partenkirchen. Als deutsche Sieger konnten sich am Ende allein die Olympia-Gegner in Münchens Partnerstadt fühlen. „Der Kelch ist an uns vorübergegangen“, frohlockte Axel Doering, der Mitinitiator von „NOlympia“.

Auf ein Neues 2022? „Für die Katz‘ haben wir nicht gearbeitet, konzipiert und nachgedacht, sondern für die Zukunft“, verkündete Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) trotzig in der Zeit der Aufarbeitung der vierten gescheiterten deutschen Bewerbung in Serie nach Berchtesgaden (1992/Winter), Berlin (Sommer/2000) und Leipzig (Sommer/2012). Die Hoffnung der bayerischen Olympia-Macher zerschlug sich jedoch zum Jahresende. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) beschloss auf seiner Mitgliederversammlung, „zum jetzigen Zeitpunkt“ von einem weiteren Anlauf für 2022 abzusehen.

Wintermärchen ja – aber wann?

Das erprobte bayerische Konzept bleibe jedoch der deutsche Olympia-Favorit. DOSB-Präsident Thomas Bach sprach von einem „Schatz, den wir nicht vergraben dürfen“. Der IOC-Vize betonte: „Wir können Olympia in München und Garmisch-Partenkirchen.“

Ein zweiter Versuch könnte für 2026 unternommen werden. „Die Olympiabewerbung ist um Gottes Willen nicht vom Tisch“, beharrt auch Ude, der einen zweiten Versuch als bayerischer Ministerpräsident unterstützen möchte. Für den Münchner OB stellt sich nicht die Frage, ob es ein olympisches Wintermärchen in Bayern geben wird, sondern nur wann: „Es kann sein, dass es 2026 oder 2030, bairisch gesagt, a gmahde Wiesn ist“, lautete Udes olympisches Schlusswort 2011.

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