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Gericht

Spektakuläre Mordprozesse 2011

Schwangere erstochen, Leiche weg – bei vielen Verhandlungen in diesem Jahr durften Bayerns Richter nicht zartbesaitet sein.

Im Jahr 2011 verhandelten Bayerns Gerichte eine ganze Reihe spektakulärer Mordprozesse.

Regensburg. Ein Mord ohne Leiche, ein angeblich verfütterter Bauer, eine mit 165 Messerstichen getötete Schwangere - vor den bayerischen Gerichten sind im Jahr 2011 eine Reihe spektakulärer Mordprozesse verhandelt worden. Ein Fall vor dem Landshuter Landgericht schrieb ein Stück Rechtsgeschichte. Er beschäftigte vier Gerichte - bis hinauf zum Bundesgerichtshof. Fast ein Jahrzehnt lang suchte die Kripo nach der Wahrheit. Doch was mit einem im Jahr 2001 verschwundenen Bauern wirklich geschah, blieb auch nach dem Urteil im Februar im Dunkeln. Seine wegen Mordes angeklagten Angehörigen sprach das Gericht frei – aus Mangel an Beweisen.

Zweifel an der Unschuld der Witwe, der 24 und 26 Jahre alten Töchter und des 27 Jahre alten Freundes blieben allerdings. Schließlich hatten sie einst zugegeben, den Familienvater (52) zerstückelt und den sieben Hofhunden zum Fraß vorgeworfen zu haben. Die Geständnisse erwiesen sich aber als grober Unfug: Das Skelett des Landwirts wurde rund acht Jahre nach seinem Verschwinden unversehrt aus der Donau gezogen.

Ein weiterer rätselhafter Fall war der Regensburger Mordprozess ohne Leiche. Im Juni sprach das Landgericht der Domstadt einen 59 Jahre alten Angeklagten vom Mordvorwurf frei. Er war ein Bekannter eines verschwundenen Rentners aus Straubing. Die Anklage ging davon aus, dass der Mann im Mai 2009 den 78-Jährigen ausgeraubt und umgebracht hatte. Nach einem Streit habe er ihn erwürgt oder erdrosselt, dann Bargeld, Gold und Wertgegenstände gestohlen und den Toten beseitigt. Nachgewiesen werden konnte ihm die Tat - zumal ohne Leiche - nicht.

Gleich zwei grausame Morde an schwangeren Frauen wurden vor dem Landshuter Landgericht verhandelt. In einem Fall erstach ein 18-Jähriger eine junge Frau, die ein Kind von ihm erwartete, mit 165 Messerstichen – das Baby passte nicht in sein Lebenskonzept. „Er wollte nur dieses Problem, wie er es gesehen hat, auslöschen“, sagte der Vorsitzende Richter - und sprach von einem „unfassbaren Missverhältnis“ zwischen Anlass und Tat. Der beste Freund des Mörders hielt die junge Frau während der Messerattacke fest und hinderte sie am Schreien. Die bei der Tat 18 und 20 Jahre alten Männer wurden im Oktober zur Jugendhöchststrafe von je zehn Jahren Haft verurteilt.

In einem zweiten Fall schickte das Gericht einen 27 Jahre alten Koch im August lebenslang ins Gefängnis. Für die Richter stand fest: Der Mann ermordete und verbrannte seine schwangere Geliebte. Nach Überzeugung des Gerichts tötete er die Frau, weil sie ihm und seiner festen – ebenfalls schwangeren – Freundin im Weg war. „Der Angeklagte erkannte, dass er dieses einfache Mädchen, das ihm hörig war, nicht mehr im Griff hatte“, sagte die Vorsitzende Richterin. Es war ein reiner Indizienprozess mit rund 70 Verhandlungstagen. Der 27-Jährige bestritt bis zuletzt, etwas mit dem Mord zu tun zu haben.

Doch nicht immer waren es Männer, die wegen Mordes an ihrer Partnerin vor Gericht standen. Das Landgericht Nürnberg-Fürth etwa verurteilte im November eine 56-Jährige zu einer lebenslangen Haftstrafe - sie hatte ihren 23 Jahre jüngeren Ehemann mit einem Beil erschlagen. Nach 20 Hieben lag ihr Mann tot am Boden. „Was musste passiert sein, dass jemand eine so schrecklich Tat begeht?“, fragte der Vorsitzende Richter. Die Verletzungen deuteten darauf hin, dass die Frau von hinten auf ihren Mann eingeschlagen hatte. Möglicherweise schlief der 33-Jährige sogar zur Tatzeit. Die Frau erzählte, ihr Mann habe sich von ihr scheiden lassen wollen.

Aufsehen erregte auch der Fall der verhungerten kleinen Sarah. Im August stellte das Landgericht Nürnberg-Fürth das Verfahren gegen die angeklagte 27-jährige Mutter endgültig ein – sie war an Krebs gestorben. Die Frau stand im April wegen gemeinschaftlichen Mordes und Misshandlung ihrer dreijährigen Tochter vor Gericht. Der Prozess wurde schon damals wegen ihrer schweren Krankheit vorläufig eingestellt. Die Staatsanwaltschaft hatte der Mutter vorgeworfen, ihre Tochter so sehr vernachlässigt zu haben, dass das Mädchen 2009 im Alter von drei Jahren an Unterernährung.

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