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Motorsport

Weltmeisterlich: Sebastian Vettel

Der Formel 1-Weltmeister sieht aus wie ein netter Schwiegersohn, sagt aber von sich selbst, er sei ab und an ein „richtiger Drecksack“.

Jüngster Doppelweltmeister: Sebastian Vettel nach einem Rekordjahr.

Berlin. Der junge Mann ist schnell unterwegs. Sehr, sehr schnell. Sebastian Vettel heißt er, sieht aus wie ein netter Schwiegersohn und ist selten in „angefressenem“ Zustand anzutreffen. Der kann die Zähne blecken, dass man meint, er sei harmlos.

Ist er aber nicht. Er kann angeblich in zehn Sprachen fluchen. Er kann richtig unangenehm werden. Er selbst sagt von sich, er sei ab und an ein „richtiger Drecksack“. Dazu später.

Erstmal, an dieser Stelle: Schon im Oktober, sehr frühzeitig also, ist Fakt: Sebastian Vettel ist fürs Team Red Bull in der Formel 1 zum zweiten Mal in Folge Weltmeister geworden. In der laufenden Saison hat er die Konkurrenz scheinbar nach Belieben dominiert. Wenn er nach einem Rennen mal nicht in der Mitte des Siegerpodests stand und Schampus auf die jubelnden Fans und unterlegenen Zweiten und Dritten spritzte, war das schon eine Ausnahme.

Wer ist dieser Erfolgsmensch?

Sebastian Vettel, am 3. Juli 1987 in Heppenheim geboren, hat schon als Dreieinhalbjähriger geschnallt, wie man sich durchsetzt: Seine zwei älteren Schwestern bekamen zu Weihnachten ein Bambini-Kart geschenkt. Das gefiel ihm über die Maßen - und kurzerhand betrieb er eine freundliche Übernahme. Er krallte sich das Teil und gab es nicht mehr her.

Von da an wurde Gas gegeben.

18 Jahre drauf saß er in keinem Cart mehr, sondern in einem Boliden und wartete in Monza auf die Startflagge. Hätte er sich nicht träumen lassen.

Diese Formel-1-Geschosse flößten ihm anfangs etwas Angst ein. So hatte er sich Rennfahren nicht vorgestellt. „Diese Geschwindigkeit und damit verbunden die Kräfte, die auf einen wirken. Auf einigen Strecken gibt es Kurven, da fällt man fast vom Glauben ab, wenn man danebensteht und sieht, wie wir da reinfahren. Manchmal ist es selbst für uns Fahrer schwer zu verstehen, wie das eigentlich möglich ist. Man denkt: Die müssen ja bekloppt sein, das geht doch gar nicht! Aber man selbst macht es dann. Bei den enormen Kräften, die auf einen wirken, wenn man auf die Bremse tritt und einlenkt, schreit das Hirn: ’Stopp, das geht nicht!‘ Aber das Auto zeigt einem dann, dass es doch geht. An dieses Limit zu gehen, das ist etwas ganz Besonderes.“

Ein Jahr später holte er sich den Titel

Er war also in diesem Renner in Monza - und zum ersten Mal gewann er einen Grand Prix. Da war er, der 21-Jährige, der jüngste Grand-Prix-Sieger aller Zeiten. 2009 wechselte er zu Red Bull Racing, wurde Vizeweltmeister. Ein Jahr später holte er sich den Titel.

Privates? Dürre Auskünfte. Vettel lebt auf einem Bauernhof im Schweizer Kemmental in der Nähe des Bodensees. Seine Beziehung zu Freundin Hanna, die er noch aus der Schulzeit am Heppenheimer Starkenburg-Gymnasium (Vettels Abi-Note: 2,8) kennt, hat er zur Tabuzone für die Öffentlichkeit erklärt.

Ein netter Weltmeister, oder?

Menschen, die ihn kennen, wiegen da den Kopf. Er ist schon ein kluger charmanter Zeitgenosse. Aber wenn er sich ans Volant setzt, sieht es anders aus. Das erklärt der neue Weltmeister Sebastian Vettel am besten selbst:

„Sobald ich den Helm aufhabe, muss ich zu einem gewissen Grad sehr egoistisch sein - und vielleicht auch ein bisschen ein Drecksack. Aber es gibt keinen Grund, warum ich, wenn ich den Helm wieder abziehe, ein egoistischer Arsch sein sollte. Und in anderen Sportarten ist es genauso. Auf dem Feld wird Philipp Lahm – das ist auch so ein scheinbar Netter wie ich – schauen, dass er die Mannschaft vorantreibt. Und dass der Gegner, dem er gerade den Ball abnimmt, umfällt, ist ihm erst mal egal. Muss es ihm auch sein.“ So geht das eben, das Gewinnen.

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