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Gefahr

Verdächtiger Rauch überm Kelheimer Forst

Drei Mal rückten Feuerwehren im Kreis bereits wegen Rauchs im Wald aus. Zwei Mal war die „Ursache“ zum Glück nur kurios.
Von Beate Weigert

Diese „Rauchwolken“ lösten in der vergangenen Woche Einsätze für die Feuerwehren Kelheim, Weltenburg und Staubing sowie für die Luftbeobachter aus Landshut aus. Es waren Wasserdampfschleier nach kleinen Gewittergüssen. Vom Boden aus sahen sie Rauch zum Verwechseln ähnlich. Foto: Köhler
Diese „Rauchwolken“ lösten in der vergangenen Woche Einsätze für die Feuerwehren Kelheim, Weltenburg und Staubing sowie für die Luftbeobachter aus Landshut aus. Es waren Wasserdampfschleier nach kleinen Gewittergüssen. Vom Boden aus sahen sie Rauch zum Verwechseln ähnlich. Foto: Köhler

Kelheim.Über so viel Unvernunft kann Kelheims Kreisbrandrat Nikolaus Höfler nur den Kopf schütteln. Seit Wochen hat es kaum geregnet. Die Wald- und Grasbrandgefahr im Kreis Kelheim ist immens. Doch es gibt immer noch Zeitgenossen, die glühende Zigarettenstummel aus fahrenden Autos schnippen. Aber auch auf anderes Zündeln oder gar Feuermachen sollte man derzeit unbedingt lassen, so Höflers Appell an die Bevölkerung. Denn nicht nur in den Wäldern ist es knochentrocken, auch Grasflächen, Wegraine und abgeerntete Felder sind es. Ein Blick auf den Online-Wald- und Grasbrandindex genügt. Der ganze Landkreis Kelheim ist auf den Karten der Wetterdienste Rot. Will heißen – Gefahrstufe vier von fünf.

Erst in der vergangenen Woche gingen zwei Alarme „unklare Rauchentwicklung“ in Waldgebieten bei den Feuerwehren Kelheim und Weltenburg bzw. Staubing ein. Zum Glück gab’s beide Male eine simple Erklärung. Kurzgewitter ließen wabernde Wasserdampf-Wolken aufsteigen. Von der Straße sah’s wie Rauch aus.

Kanufahrer entdeckte Feuer

Lieber einmal zu oft, als einmal zu wenig alarmiert – so die Reaktion von Kelheims Feuerwehrkommandant Georg Sinzenhauser. Genauso sieht es Kreisbrandrat Höfler. Die Feuerwehren nehmen derlei Hinweise sehr ernst, sagen sie. Denn erst vor zwei Wochen hatte ein Kanufahrer ein Feuer im Forst nahe dem Klösterl entdeckt. Dank seiner Meldung konnte das Lagerfeuer rechtzeitig gefunden und gelöscht werden (wir berichteten). Bislang ging’s also glimpflich aus.

Mehr Bilder zur Luftbeobachtung im Kreis Kelheim und zu den Neustädter Experten sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Waldbrandgefahr im Kreis Kelheim

Doch was wäre, wenn es ähnlich käme, wie jüngst im Brandenburg? Schließlich ist ein großer Teil des Landkreises mit Wald bedeckt. Frauenholz, Hienheimer und Dürnbucher Forst – alles große zusammenhängende Waldflächen. In zahlreichen Orten, wie St. Johann reicht der Wald bis direkt an die Häuser heran. Grundsätzlich wären die Feuerwehren gut gerüstet, sagen Höfler und Sinzenhauser. Jedoch steckte der Teufel im Detail.

Experten vor Ort

  • Luftbeobachter:

    Durch den Landkreis verläuft die sog. Westroute der Luftbeobachter. Ist die Waldbrandgefahr hoch starten sie von Landshut aus Kontrollflüge über Abensberg in Richtung Straubing. Der Landkreis-Norden wird auf der Route „Oberpfalz West“ vom Nachbarbezirk aus überflogen.

  • Flughelfer:

    Seit 2015 gibt es angedockt bei der Feuerwehr Neustadt die 21-köpfige Truppe „Flughelfer Feuerwehr“ sowie sechs sog. Fachberater Flughelfer zur Unterstützung der Einsatzleitung bei einem Waldbrand. Die nächsten Flughelfer-Standorte sind Straubing, Amberg, Schwabach oder München.

  • Außenlastbehälter:

    Zudem zählt die Neustädter Feuerwehr zwei Außenlastbehälter, die je mit 900 Litern Wasser befüllt werden können, zur Ausrüstung. Hubschrauber von Polizei oder Bundeswehr transportierten diese im Ernstfall zu einem Brandherd im Wald. Experten wie Behälter sind bei der Integrierten Leitstelle hinterlegt. (re)

Denn reiner Nadelwald stünde schneller in Flammen als Misch- oder Laubwald. Vorhandene breite Forststraßen könnten als Schneisen fungieren, während sehr kleine Wege ein Durchkommen großer Löschfahrzeuge erschwerten bzw. vielleicht sogar unmöglich machten. Auch die Entfernung des Brandherds zur Löschwasser-Quelle wäre eine zentrale Frage.

Erst vor kurzem mussten die Kelheimer Feuerwehrleute in den Forst beim Klösterl ausrücken. Foto: Braun/FF Kelheim
Erst vor kurzem mussten die Kelheimer Feuerwehrleute in den Forst beim Klösterl ausrücken. Foto: Braun/FF Kelheim

Seit vergangener Woche sind die Landwirte in der Region aufgerufen, zur Unterstützung vorsorglich mit Wasser gefüllte Güllefässer bereitzustellen. Nach 2015 und 2017 greift der Landkreis zum dritten Mal zu dieser Maßnahme, so Höfler.

Nach einem Brand vor drei Jahren im Donaudurchbruch in schwer zugänglichem Gebiet rüstete sich die Feuerwehr für ähnliche Ernstfälle. Mit punktuellen Anschaffungen und strukturellen Neuerungen. Die Kelheimer Feuerwehr verfügt etwa über ein kleines geländegängiges Fahrzeug. Mit dem ATV könne man auch in unwegsamem Gelände einen Brandherd suchen, so Kommandant Sinzenhauser. Auch Rückenspritzen zählen in Kelheim und andernorts zur Ausrüstung. Die helfen jedoch nur, wenn es noch nicht großflächig brennt.

Unser Foto zeigt eine Übung der Neustädter Flughelfer am Hienheimer Fluggelände in 2017. Hubschrauber („Edelweiß“) kommt zur Schlauchbetankung des Außenlastbehälters „Bambi-Bucket“ angeflogen. Foto: Marcel Bucher
Unser Foto zeigt eine Übung der Neustädter Flughelfer am Hienheimer Fluggelände in 2017. Hubschrauber („Edelweiß“) kommt zur Schlauchbetankung des Außenlastbehälters „Bambi-Bucket“ angeflogen. Foto: Marcel Bucher

Die wenigsten wüssten, dass es bei der Feuerwehr in Neustadt (s. Infostück) mittlerweile sowohl Experten wie auch spezielle Ausrüstung für Waldbrände gibt, sagt Höfler. Die Truppe der „Flughelfer Feuerwehr“ war 2018 bereits einmal gefordert. Im Nachbarlandkreis Landshut.

Alarm aus Nachbarlandkreis

Einer, der am 20. April, hautnah dabei war, ist Kreisbrandmeister Michael Leitner aus Mauern, den viele als Digitalfunk-Experten kennen. Nachmittags wurden er und die Kollegen von der Integrierten Leitstelle alarmiert.

Das Gelände war schwer zugänglich, also mussten Polizeihubschrauber große Mengen Löschwasser transportieren. Die Experten von der Neustädter Feuerwehr standen dem Einsatzleiter mit ihrem Fachwissen zur Seite. Halfen – von der Einweisung der Truppe am Boden bis hin zum Befüllen der Außenlastbehälter mit Löschwasser, die ein Polizeihubschrauber transportierte. Ein zweiter Polizeihubschrauber war mit einer Wärmebildkamera im Einsatz, um Glutnester zu erkennen, so Leitner. Der Einsatz dauerte Stunden. Denn die Wurzelstöcke glühten lange nach.

Die Neustädter Feuerwehr verfügt seit drei Jahren über zwei ähnliche Außenlastbehälter, die Hubschrauber transportieren können. Foto: Sgt. Jonathan C. Thibault /U.S. Army/dpa
Die Neustädter Feuerwehr verfügt seit drei Jahren über zwei ähnliche Außenlastbehälter, die Hubschrauber transportieren können. Foto: Sgt. Jonathan C. Thibault /U.S. Army/dpa

Letztendlich bestanden die „Flughelfer Feuerwehr“ wie auch die Fachberater Flughelfer ihre „Feuertaufe“. „Denn echte Einsätze sind noch einmal etwas anderes, als eine Übung.“

Kreisbrandmeister Leitner ist zudem auch privat mit dem Thema verbandelt. Er ist einer der Flieger, die vom Hienheimer Flugplatz aus starten. Vor kurzem hat er die Ausbildung zum Luftbeobachter gemacht. Er ist damit bislang der einzige im Kreis Kelheim, der von der Bezirksregierung für „Aufklärungsflüge“ bei Waldbrandgefahr bestellt ist. Zusammen mit einem Piloten der Luftrettungsstaffel Bayern könnte er Beobachtungsflüge antreten. Angefragt wurde er bislang noch nicht, da die Flüge von Landshut aus starten und andere Kollegen eine kürzere Anreise haben.

Wenn es brennt, helfen die Mitglieder des FSV Kelheim den Feuerwehren regelmäßig beim genauen Lokalisieren des Brandherds. So wie hier im Mai in Riedenburg. Foto: Michael Leitner
Wenn es brennt, helfen die Mitglieder des FSV Kelheim den Feuerwehren regelmäßig beim genauen Lokalisieren des Brandherds. So wie hier im Mai in Riedenburg. Foto: Michael Leitner

Jedoch wenn es darum geht, konkrete Brandherde zu lokalisieren, wie am 6. Mai als hinter dem Riedenburger Schullandheim eine Freifläche im Wald brannte, springen die Hienheimer Flieger regelmäßig der Feuerwehr zur Seite. Leitner ging mit einem Fliegerkollegen sofort in die Luft und lieferte sechs Minuten nach dem Alarm erste Bilder, berichtet er. Die Feuerwehrtruppe am Boden konnte so schnell am richtigen Ort löschen.

Sehen Sie hier ein Video von einem Beobachtungsflug aus der Oberpfalz:

Video: Jan-Lennart Loeffler

Und noch eines käme den Feuerwehren im Landkreis zugute, so Kreisbrandrat Höfler. Im Ernstfall könnten die Werkfeuerwehren von Bayernoil und vom Industriepark Münchsmünster zu Hilfe geholt werden. Beide verfügen über sog. Hightrans Fire Systeme, das sind spezielle Wasserfördersysteme. „Diese würden auf einen Schlag richtig viel Wasser bringen.“ Weiteres Plus: Die vielen kleinen lokalen Feuerwehren. Die wären schnell vor Ort.

Lesen Sie auch: Kelheim: Gefährliches Zündeln im Wald

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