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Netzwelt

Webvideohelden regieren die Klötzchenwelt

Sie spielen Minecraft vor laufender Kamera – und Tausende schauen zu: Sogenannte „Let‘s Player“ werden im Internet zu Stars.
von Kristina Hartung, MZ

  • Der „Lets Player“ Felix von der Laden fühlt, leidet und jubelt mit seiner Minecraft-Spielfigur. Foto: privat
  • Gestochen scharfer Ausschnitt in der kantigen Klötzchenwelt: Dner filmt sich beim Spielen selbst. Screenshot: YouTube

Regensburg.Das pixelige Diamantschwert zuckt von unten über den Bildschirm. „Waaaah“ schreit Dner und saugt lautstark Luft ein. „Lass mich bloß in Ruhe, Freundchen!“ ruft er seinem Rechner zu. Sein hochkonzentriertes Gesicht ist in der rechten oberen Ecke des Bildschirmes zu sehen – ein gestochen scharfer Ausschnitt im Vordergrund der kantigen Klötzchenwelt ringsherum. Wildes Brüllen grollt durch die dunkle Öde, die seine Spielfigur mit dem Würfelkopf umgibt. Während diese sich durch die düstere Landschaft schlägt, plappert Dner am laufenden Band. Heute will er den mächtigsten Gegner der Minecraft-Welt schlagen: Den Enderdrachen.

Dner (sprich: „Dehner“) heißt eigentlich Felix von der Laden. Der 19-Jährige zockt und nimmt Videos davon auf. „Let‘s Plays“ nennt man diese in der Webvideo-Szene. Auf seinem eigenen Kanal auf der Internet-Plattform YouTube hat sich von der Laden eine rasant wachsende Fangemeinde aufgebaut. Fast 400 000 Menschen schauen ihm regelmäßig beim Zocken zu. Von der Laden ist Teil einer eigenen Welt, die unzählige Spielefans vor ihren Bildschirmen fesselt. Tausende verfolgen die Aktivitäten der sogenannten „Let‘s Player“, die Aufnahmen von ihren Zock-Aktionen ins Netz stellen. Verschiedene Videospiele – darunter auch die unendliche Klötzchenwelt von Minecraft – werden dabei vorgeführt und kommentiert. Einige „Let‘s Player“ haben im Web bereits Kultstatus erreicht – und können von ihrem Online-Ruhm gut leben.

Zu den Stars der Szene zählen Erik Range und Valentin Rahmel. Den Fans sind sie besser bekannt unter den Namen Gronkh und Sarazar. Die Werbeeinnahmen zu ihren Clips reichen locker für ihren Lebensunterhalt. In der Klötzchenwelt von Minecraft erspielte sich Range, der bekanntere von beiden, seit 2010 eine riesige Fangemeinde. Mehr als zwei Millionen Menschen haben seinen YouTube-Kanal abonniert. Und auf seiner Internetseite finden sich mehr als 1000 Videos von Minecraft-Spielsequenzen. Darin gibt der 36-Jährige anderen Spielern Tipps oder plaudert einfach vor sich hin.

Neue Ideen für Klötzchen-Bauten

Range machte die Spielevideos zum Beruf: Anfang 2009 gründete der gelernte Software-Entwickler die Firma PlayMassive GmbH, die er gemeinsam mit Rahmel leitet. Das Duo hat zudem eine eigene Web-TV-Show namens „Let‘s Play Together“. Im Oktober 2013 waren sie bei der ProSieben-Show „TV total“ Stefan Raabs Gäste.

Soweit ist Marten Poferl noch nicht. Der 17-Jährige aus Brake in Niedersachsen produziert „Let‘s Play“-Clips am Feierabend. Knapp 8000 YouTube-Nutzer haben seine Videos abonniert. „Für die Zuschauer ist das Unterhaltung – genau wie Fernsehen“, meint Muhtorial. Unter diesem Synonym ist Poferl im Netz unterwegs.

Was fasziniert Internet-User an den Vorspielvideos? Vielen macht das Zuschauen mehr Spaß, als selber zu zocken. Besonders bei einem Spiel wie Minecraft, das unbegrenzten Schaffensraum bietet. Die „Let‘s Player“ geben Tipps und liefern neue Ideen, was man aus den Klötzchen alles erschaffen könnte. „Jedes „Let‘s Play“ ist anders“, sagt Poferl. „Es gibt Videos mit einem oder mit mehreren Spielern – dazu vielfältige Modifikationen, also Abwandlungen von Minecraft, die das Spielerlebnis verändert.“ Das Publikum fühlt sich unterhalten, lauscht dem pfiffigen Kommentar und lacht über die Reaktion des Vorspielers. Zudem zeigen die „Let‘s Play“-Clips den Zuschauern, wie ein Game wirklich aussieht – jenseits des Werbetrailers. Grafik und Handhabung werden im Echtbetrieb vorgeführt – das kann auch mal die Schwachstelle eines Videospiels offenbaren.

Als einer der ersten deutschen „Let‘s Player“ zeichnete der 19-jährige von der Laden nicht nur die Spielsequenz auf. Er filmt auch sein eigenes Gesicht. Er runzelt die Stirn. Er brüllt, winselt, schimpft und lacht ins Mikrofon. Er erschrickt, wenn ein unerwarteter Gegner auftaucht oder seine Spielfigur in ein tiefes Loch fällt. „So extrem reagiere ich natürlich nur, wenn ich aufnehme – aber genau das mögen meine Zuschauer“, sagt der Student. Und genau das macht auch ihm selbst Spaß.

Vor Kurzem ist er von Lübeck nach Köln gezogen – im Gepäck sein Mini-Studio. Rund um den Computer hat er ein professionelles Mikrofon, eine Kamera und Licht installiert. Bis zu sechs Stunden am Tag produziert er „Let‘s Play“-Videos. Die restliche Zeit, die neben dem Medienwirtschaftsstudium bleibt, kümmert er sich um die sogenannte Community, also seine Fans und Zuschauer. Rund 1000 Kommentare hinterlassen diese zu jedem Video, das von der Laden ins Internet stellt. Seine Netz-Aktivitäten brachten von der Laden eine Nominierung für den deutschen Webvideopreis 2013 ein.

Klicks spülen Geld aufs Konto

Die Faszination für Minecraft ist bei dem Studenten auch nach Jahren noch spürbar. „Das liegt an den unendlichen Möglichkeiten, die das Spiel bietet“, meint er – eine Erklärung, die man von den meisten Minecraftern erhält. Von der Laden vergleicht die Klötzchenwelt mit Lego: „Ein Bauklötzchen ist etwas einfaches, Beschränktes – ob bei Minecraft oder Lego. Aber man kann daraus etwas Unglaubliches erschaffen.“

Auf einen Studentenjob kann der 19-Jährige getrost verzichten. Die Werbeeinnahmen zu seinen Videos reichen ihm zum Leben. „Grob überschlagen kommt auf 1000 Klicks ein Euro brutto rein“, erklärt von der Laden. Er kommt im Monat auf mehrere Millionen Klicks.

Von der Ladens Kampf gegen den Drachen dauert knapp eine Stunde – für ein „Let‘s Play“-Video ist das verhältnismäßig lang. Trotzdem haben sich schon 97 000 Menschen die Sequenz angesehen. Von der Laden ist in der Webvideo-Szene um zahlreiche Klicks aufgestiegen. Mit brennenden Pfeilen aus dem Klötzchen-Bogen bekämpft Dner den großen, schwarzen Drachen mit den lilaglühenden Augen. „Mann, Mann, Mann, woooooh!“, ruft von der Laden. Seine Figur kassiert einen Schlag. Wieder und wieder attackiert sie das fliegende Monstrum – bis es schließlich in tausende Pixel zerspringt.

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