MyMz

Jessica Stockmann im Interview

"Arm und Reich sind zwei Seiten der selben Medaille"

Das TV-Experiment ist plakativ, aber nicht frei von einem tieferen Sinn: In "Plötzlich arm, plötzlich reich" tauscht Jessica Stockmann ihr vermeintliches Luxusleben an der Côte d'Azur vorübergehend gegen ein Dasein im Berliner Wohnblock ein. Warum, das erklärt die erfolgreiche Glamourlady im Interview.

  • Sympathisches Trio auf "Abenteuerreise": Jessica Stockmann und ihre Töchter Nisha (links) und Nicita wagten das Tauschexperiment: Sie zogen für eine Woche von der Villa in Monaco in ein Berliner Mietshaus. Am Mittwoch, 11. September, ist bei SAT.1 zu sehen, wie sie sich in Marzahn schlugen. Foto: SAT.1 / Sven Klöpper
  • Jessica Stockmann glaubt an einen tieferen Sinn einer Sendung wie "Plötzlich arm, plötzlich reich" (Mittwoch, 11. und 18. September, 20.15 Uhr, SAT.1): "Mein Wunsch wäre, dass wir den Leuten deutlich machen, dass Arm und Reich zwei Seiten der selben Medaille sind und dass es nur geht, wenn wir alle in einer Gesellschaft miteinander klarkommen." Foto: 2012 Getty Images / Andreas Rentz/Getty Images
  • Die Immobilienunternehmerin, Schauspielerin und Moderatorin Jessica Stockmann (52) tauscht gemeinsam mit ihren Töchtern ihre 350 Quadratmeter große Luxus-Villa in Monaco mit einer Plattenbauwohnung in Berlin-Marzahn. Warum? Foto: 2012 Getty Images / Andreas Rentz/Getty Images
  • "Ich hatte definitiv einen erzieherischen Ansatz bei dem Projekt, und der ging voll auf. Ich hoffe, dass das im TV auch rüberkommt", betont Jessica Stockmann im Interview. Foto: 2011 Getty Images / Christian Augustin/Getty Images
  • "Wir haben funktionierende Infrastrukturen und Sozialsysteme, man muss sie nur annehmen": Jessica Stockmann, die sich erfolgreich als Immobilienexpertin verdingt und teilweise in Hamburg und in Monaco lebt, ist von den Vorzügen der deutschen Gesellschaft überzeugt. Foto: 2012 Getty Images / Andreas Rentz
  • Jessica Stockmann war bereits zweimal im "Playboy", ein drittes Mal wird es wohl nicht geben. "Dass sie auf dem Schulhof auf ihre nackte Mutter angesprochen wird, will ich meiner pubertierenden Tochter dann doch nicht zumuten", lacht sie im Interview. Foto: 2012 Getty Images / Andreas Rentz
  • Für manche sind Fernreisen und ein teures Auto selbstverständlich. Andere sparen Monate auf die Klassenfahrt des Nachwuchses. Was passiert, wenn zwei Familien mit gegensätzlichem Einkommensniveau für eine Woche ihr Leben tauschen, inklusive Wohnung, Lebensgewohnheiten und Wochenbudget? Foto: SAT.1
  • "Ich hatte definitiv einen erzieherischen Ansatz bei dem Projekt, und der ging voll auf. Ich hoffe, dass das im TV auch rüberkommt", betont Jessica Stockmann im Interview. Foto: 2011 Getty Images / Christian Augustin/Getty Images
  • "Wir haben funktionierende Infrastrukturen und Sozialsysteme, man muss sie nur annehmen": Jessica Stockmann, die sich erfolgreich als Immobilienexpertin verdingt und teilweise in Hamburg und in Monaco lebt, ist von den Vorzügen der deutschen Gesellschaft überzeugt. Foto: 2012 Getty Images / Andreas Rentz
  • Jessica Stockmann war bereits zweimal im "Playboy", ein drittes Mal wird es wohl nicht geben. "Dass sie auf dem Schulhof auf ihre nackte Mutter angesprochen wird, will ich meiner pubertierenden Tochter dann doch nicht zumuten", lacht sie im Interview. Foto: 2012 Getty Images / Andreas Rentz
  • Tauschfamilie aus Berlin-Marzahn: Yvonne Künzel zieht mit ihren vorübergehend nach Monaco. Foto: SAT.1
  • Für manche sind Fernreisen und ein teures Auto selbstverständlich. Andere sparen Monate auf die Klassenfahrt des Nachwuchses. Was passiert, wenn zwei Familien mit gegensätzlichem Einkommensniveau für eine Woche ihr Leben tauschen, inklusive Wohnung, Lebensgewohnheiten und Wochenbudget? Foto: SAT.1

"Wir wollen gucken, wie es sich anfühlt, reich zu sein", sagt Yvonne Künzel (33), bevor sie sich mit ihren beiden Kindern in das Abenteuer eines kuriosen, von SAT.1 initiierten Familienaustauschprogramms ("Plötzlich arm, plötzlich reich", Mittwoch, 11. September, 20.15 Uhr) stürzt. Für eine Woche verlassen die Künzels ihre Mietswohnung in Berlin, um eine Villa an der 1.400 Kilometer entfernten Côte d'Azur zu beziehen. Dort warten auf die Frau, die sonst mit 1.200 Euro netto zuzüglich Kindergeld auskommen muss, Gärtner, Haushälterin, Personal Trainer sowie 350 Quadratmeter Wohnfläche, 4.000 Quadratmeter Garten nebst Pool. In dem Anwesen residiert normalerweise die ebenfalls alleinerziehende Immobilienunternehmerin, Schauspielerin und Moderatorin Jessica Stockmann (52) , die nun ihrerseits mit ihren beiden Töchtern das vermeintliche Luxusleben im feinsten Monaco gegen ein Dasein im Marzahner Mietskasernenambiente eintauscht. Sie ließen sich, wie Jessica Stockmann in die SAT.1-Kamera erklärt, auch deshalb auf "die Challenge" ein, um sich und anderen zu zeigen, dass sie "klarkommen können ohne Luxus". Was das Ganze soll? - Im Interview macht sich Jessica Stockmann, die früher mit dem Tennis-Star Michael Stich verheiratet war, durchaus tiefschürfende Gedanken über die soziale Komponente eines solchen TV-Formats und über das Leben in zwei verschiedenen Welten in ein- und derselben Gesellschaft.

teleschau: Frau Stockmann, für das TV-Experiment "Plötzlich arm, plötzlich reich" tauschten Sie "Monaco gegen Marzahn", wie es im Untertitel der Sendung heißt: Sie zogen mit ihren Töchtern von Ihrer Villa an der Côte d'Azur in eine 70-Quadratmeter-Bleibe um. Wie war's im Wohnblock?

Jessica Stockmann: Ich fand's toll, und die Kinder hatten Spaß. Am Ende der Woche war es leichter, als gedacht. Weil sich die Lebensumstände meiner Tauschpartnerin und ihrer beiden Kinder zum Glück bei Weitem nicht so darstellten, wie ich befürchtet hatte. Wir kamen gut zurecht in Marzahn, und es tat irgendwie ganz gut, die Perspektive mal zu wechseln.

teleschau: Sie sind seit Jahren erfolgreich in der Immobilienbranche tätig, was brachte Sie dazu, bei so einer Sendung mitzumachen?

Stockmann: Ich wollte meinen Töchtern eine pädagogische Abenteuerreise ermöglichen, das war meine Motivation. Ich versuche sie zwar seit jeher so zu erziehen, dass sie Respekt vor ihren Mitmenschen und vor Werten haben, dass sie auf Qualität achten und dass sie das Geld nicht zum Fenster hinauswerfen. Aber in einen echten Alltag einzutauchen, in dem das Budget so wahnsinnig limitiert ist, ist wohl nachdrücklicher als alle mahnenden Worte der Mutter. Ich hatte definitiv einen erzieherischen Ansatz bei dem Projekt, und der ging voll auf. Ich hoffe, dass das im TV auch rüberkommt.

teleschau: Sie haben zwei mündige Töchter - waren sie von Anfang an von der Idee angetan?

Stockmann: Nisha, die Große (20, d.Red), und Nicita (15, d. Red).) waren Feuer und Flamme, sie hatten sich mehr auf den Dreh gefreut als ich. Die beiden haben bei Reisen nach Asien, Südamerika und immer wieder Indien durchaus schon viel Armut gesehen. Sie sind grundsätzlich sehr aufgeschlossen, und ich denke, sie wissen sehr wohl, dass es wichtig ist, im Leben immer wieder über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Wahrscheinlich hatten sie jetzt jedoch erwartet, auf eine krasse Armut im Sinne von Obdachlosigkeit und anderen furchtbaren Umständen zu treffen. Stattdessen gerieten wir in ein normales Alltagsleben, nur eben am anderen Ende der Gesellschaft - was für so eine TV-Idee genau das Richtige ist, wenn ich es mir recht überlege. Ich glaube, meine Kinder haben einiges über den deutschen Sozialstaat lernen können. Und auch ich habe in Marzahn Erkenntnisse gewonnen.

teleschau: Die da wären?

Stockmann: Dass es grundsätzlich um Deutschland nicht so schlimm steht, wie einem das viele Gejammer suggerieren könnte. Niemand muss unter der Brücke schlafen. Wir haben funktionierende Infrastrukturen und Sozialsysteme, man muss sie nur annehmen. Wie uns unsere ebenfalls alleinerziehende Tauschpartnerin eindrucksvoll vor Augen führt, kann man seinen Kindern auch mit sehr bescheidenen Mitteln ein vernünftiges Leben und eine gute Erziehung ermöglichen. Ja, man kann durch eine Gegend wie Marzahn gehen und alles ganz furchtbar finden. Man kann sich aber auch mit einer positiven Einstellung dort bewegen und erkennen, dass es absolut nicht menschenunwürdig ist, so zu leben. Ich war überrascht, was vor Ort alles für die Anwohner getan wird.

teleschau: Eine ehrliche Antwort, die viele jedoch als ziemlich blauäugig empfinden dürften ...

Stockmann: Ja, sie haben Recht. Ehrlich gesagt habe ich nur einen kleinen Eindruck gewonnen. Wie es wirklich ist, dort zu leben, auch mit dem Druck der permanenten Existenzangst, das kann ich natürlich nach einer Woche TV-Experiment nicht so einfach nachempfinden. Was ich aber ganz sicher sagen kann, ist, dass uns dabei die Vorzüge des eigenen guten Lebens wieder sehr viel bewusster wurden. Und das ist nichts Verkehrtes, vor allem mit Blick auf meine Kinder, die, wenn es nach mir geht, dankbar und bescheiden bleiben sollen.

"Der Staat bietet beste Rahmenbedingungen"

teleschau: Am Ende geht es bei so einer Sendung jedoch darum, was der Zuschauer damit anfangen kann. Was denken Sie?

Stockmann: Mein Wunsch wäre, dass wir den Leuten deutlich machen, dass Arm und Reich zwei Seiten der selben Medaille sind und dass es nur geht, wenn wir alle in einer Gesellschaft miteinander klarkommen. Besonders wichtig ist mir, dass der Zuschauer erkennt, was hinter vermeintlichem Luxus und Wohlstand mit Haus, Garten und Pool steckt: jede Menge Arbeit, viel Verantwortung, knallhartes Kalkulieren und sicherlich nicht weniger Stress und Alltagsärger als bei Menschen, die nicht so viel haben. Ich kenne die fertige Sendung noch nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Tauschmutter am Ende feststellt, dass sie mit so einem Leben, wie ich es führe, eigentlich lieber nichts zu tun hätte. 16 Stunden am Tag arbeiten, das muss man mögen.

teleschau: Macht Geld etwa nicht glücklich?

Stockmann: (lacht) Nee. Glücklich machen uns ganz andere Dinge, allen voran die Gesundheit, die uns von Gott geschenkt wird - oder eben nicht. Für mich besteht Glück außerdem darin, dass ich mir meinen Beruf selber aussuchen durfte und selbstbestimmt bin, dass ich eine tolle Familie und einen riesigen Freundeskreis habe - und dass ich bei aller Arbeit auch jede Menge Quality Time habe. Und für unser aller Glück, würde ich sagen, ist entscheidend, dass wir in der richtigen Gesellschaft und auf der richtigen Seite des Globus auf die Welt gekommen sind: Wir können uns in Freiheit und Demokratie entfalten, die Weichen zum großen Teil selber stellen. Das ist schon viel im weltweiten Vergleich.

teleschau: Glauben Sie daran, dass es in unserer Gesellschaft grundsätzlich jeder zu Wohlstand bringen kann?

Stockmann: Ja. Wir können unser Glück in die Hand nehmen. Weil wir hier alle die Chance auf Bildung haben - und der Weg zu Wohlstand, im Sinne eines glücklichen Lebens, führt für mich ausschließlich über die Bildung sowie natürlich über tolerante Eltern, die einen fördern. Ich rede jetzt nicht von einem Luxusleben mit Privatjet und solchen Dingen, die eigentlich auch kein Mensch braucht, sondern von einem guten Auskommen. Der Staat bietet beste Rahmenbedingungen - manchmal denke ich: noch. Denn wenn ich das ständige Gejammer höre und sehe, wie sich im Aus- und Inland diese Tendenzen entwickeln, die Demokratie vielleicht doch wieder abzuschaffen, wird mir angst und bange. Die Demokratie ist die Grundlage für alles, was unsere Gesellschaft ausmacht.

teleschau: Wie genau verdienen Sie eigentlich Ihr Geld?

Stockmann: Mit Immobilienentwicklung - mal alleine, mal mit potenten Kooperationspartnern. Vereinfacht: Ich kaufe Objekte, saniere und verkaufe sie. Ich habe gemerkt, dass ich wohl ein gutes Gespür für Lagen und Märkte, ein Händchen für besondere Wohnansprüche habe. So habe ich meinen beruflichen Weg gefunden - meinen zweiten nach der Arbeit als Schauspielerin und Moderatorin. Der Garten und unser Haus, die ja in dem Beitrag ausgiebig zu sehen sind, waren, als ich das Grundstück gekauft hatte, total heruntergekommen. Das habe ich alles Stein auf Stein, Baum für Baum, so aufgebaut. Ich konnte mir damals keinen Architekten leisten - es gab nur einen Statiker und mich.

teleschau: Wie erfolgreich Sie sind, hat sich vor einigen Tagen gezeigt. Sie traten als Expertin bei einer Immobilientagung auf - standen als einzige Frau auf einer mit Persönlichkeiten wie Sigmar Gabriel oder Friedrich Merz äußerst hochkarätigen Agenda.

Stockmann: Ja, man nimmt mich in dem Metier inzwischen ernst und bittet mich sogar auf höchster Ebene um Rat. Und da ich nicht ganz frei von Ehrgeiz bin, ich auch wahnsinnig stolz darauf, es bis hierhin geschafft zu haben. Wenn meine Mutter, die leider vor drei Jahren verstarb, das noch mitbekommen hätte ...

Noch ein drittes Mal im "Playboy"?

teleschau: Werden wir Sie künftig wieder häufiger im TV sehen? Sie waren zu Jahresbeginn in "6 Mütter" bei VOX dabei, nun mischen Sie in "Plötzlich arm, plötzlich reich bei SAT.1 mit ...

Stockmann: Nein, ich denke nicht - erst mal (lacht). Das waren jetzt zwei reine Spaßprojekte. Mit den Immobilien verdiene ich zum Glück so gut, dass ich da keine Veränderung vornehmen möchte - es hat sich ja auch der Alltag mit meiner kleinen Familie so gut eingerichtet, dass alles passt. Wochenlang irgendwo beim Dreh zu sein - das möchte ich meinen Kindern gerade nicht zumuten. Aber wer weiß, was kommt, wenn sie ihr eigenes Leben leben. Bis dahin stehen sie bei mir an erster Stelle.

teleschau: Sie waren bereits zweimal im "Playboy", 1999 und 2006 ...

Stockmann: Und ich hatte kürzlich auch schon die Anfrage für ein drittes Mal. Aber, dass sie auf dem Schulhof auf ihre nackte Mutter angesprochen wird, will ich meiner pubertierenden Tochter dann doch nicht zumuten. Lust hätte ich zugegeben schon, ich fühle mich auch noch attraktiv genug, aber ich akzeptiere natürlich gerne den Wunsch meiner Tochter (lacht).

Frank Rauscher

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht