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Tom Wlaschiha im Interview

Der deutsche Bösewicht im "interessanteren Bond"

"Game of Thrones"-Star Tom Wlaschiha zitiert Billy Wilder, wenn er über seine neue Rolle in der packenden Agentenserie "Tom Clancy's Jack Ryan" spricht. Es komme bei einem Film auf drei Dinge an: "ein gutes Drehbuch, ein gutes Drehbuch, ein gutes Drehbuch."

  • Ein Mann für harte Action: Bei den Dreharbeiten zur zweiten Staffel von "Tom Clancy's Jack Ryan" kam aber auch der deutsche Schauspieler Tom Wlaschiha heftig ins Schnaufen. Gedreht wurde unter anderem auf 3.000 Metern Höhe. Foto: 2019 Getty Images/Vittorio Zunino Celotto
  • Tom Wlaschiha schlüpft in der zweiten Staffel von "Tom Clancy's Jack Ryan" in die Rolle eines ausgemachten Bösewichtes. Foto: 2019 Getty Images/Theo Wargo
  • Der deutsche Schauspieler Tom Wlaschiha spielt in der zweiten Staffel von "Tom Clancy's Jack Ryan" einen geheimnisvollen deutschen Gegenspieler des US-Agenten Jack Ryan. Foto: Agency People Image / Michael Tinnefeld
  • Sein internationaler Durchbruch: In "Game of Thrones" übernahm Tom Wlaschiha die Rolle des Jaqen H'ghar. Foto: 2019 Getty Images/Vittorio Zunino Celotto
  • In der zweiten Staffel von "Tom Clancy's Jack Ryan" erkennt der CIA-Analytiker Jack Ryan (John Krasinski) neue Gefahr für die USA. Sie stammt diesmal aus Venezuela. Foto: Amazon Prime Video
  • Die Dreharbeiten zu "Jack Clancy's Jack Ryan" fanden mitunter auf einer Höhe von 3.000 Metern statt. Auch für Schauspieler Tom Wlaschiha wurde die Luft dort oben recht dünn. Foto: 2019 Getty Images/Tristan Fewings
  • Ihn jagt der deutsche Schauspieler Tom Wlaschiha ausgerechnet als deutscher Bösewicht: Jack Ryan (John Krasinski) hat es auch in der zweiten Staffel nicht gerade leicht, die Welt zu retten. Foto: Kurt Iswarienko/Amazon Studios
  • Nachdem er eine potenziell verdächtige Lieferung mit illegalen Waffen in den Dschungel von Venezuela verfolgt hat, reist der CIA-Agent Jack Ryan (John Krasinski) nach Südamerika, um weiter zu ermitteln. Foto: Amazon Prime Video
  • Zwielichte Agenten wie Harriet "Harry" Baumann (Noomi Rapace) kreuzen den Weg Jack Ryans (John Krasinski). Foto: Amazon Prime Video

Auch wenn er im klassischen TV nach wie vor eher selten zu ist, auf internationalem Parkett ist der deutsche Schauspieler Tom Wlaschiha (46) bestens im Geschäft. "Ich bin in der glücklichen Lage, zu einem Rollenangebot auch mal nein sagen zu können", sagt er im Interview in München. Jetzt hat sich der nahe Dresden geborene Star, bekannt aus "Game of Thrones" oder der ersten Staffel von "Das Boot", mal wieder eine echte Edelrolle geschnappt. Er spielt den Bösewicht Max Schenkel in der neuen, zweiten Staffel der Agentenserie "Tom Clancy's Jack Ryan". Bei Amazon Prime Video ist die hochkarätige Produktion in acht neuen Folgen ab Freitag, 1. November, zu sehen.

teleschau: Herr Wlaschiha, in der zweiten Staffel der US-Serie "Tom Clancy's Jack Ryan" spielen Sie einen ehemaligen mysteriösen BND-Geheimagenten. Sie sind als deutscher Schauspieler ein deutscher Unhold. Eine Paraderolle?

Tom Wlaschiha: Generell habe ich nichts dagegen, den Bad Guy zu spielen. Wichtiger ist, dass er interessant ist. Es wird jeder Schauspieler bestätigen, dass die Antagonisten wegen ihrer Vielschichtigkeit oftmals die interessanteren Rollen sind. Dass ich als deutscher Schauspieler nun den deutschen Bösewicht spiele, war keine zwingende Notwendigkeit. Ich habe diese spannende Rolle bekommen. Das zählt.

teleschau: Wie kam es zu diesem Serien-Engagement?

Wlaschiha: Wie und welche Wege über meine amerikanische Agentur gelaufen sind, kann ich so direkt nicht beantworten. Jedenfalls habe ich die Drehbücher erhalten. Nachdem ich dann auch die erste Staffel gesehen hatte, empfand ich "Jack Ryan" als den interessanteren "Bond".

teleschau: Warum?

Wlaschiha: Es gibt den Helden, natürlich. Und es gibt die Bösen. Diese allerdings sind doch differenzierter gezeichnet, als man das gewohnt ist. Das hat mir gerade bei der ersten Staffel, die im Nahen Osten spielt, sehr gut gefallen. Da waren meine Sympathien beim Zuschauen nicht immer nur auf der einen Seite. Man konnte ehrlich mitfühlen, auch mit den Motiven der Gegenspieler.

teleschau: Nun in der zweiten Staffel scheint eine nukleare Gefahr urplötzlich aus Südamerika, genauer: Venezuela, zu kommen. Wirkt das nicht arg konstruiert?

Wlaschiha: Die Geschichte der zweiten Staffel wird natürlich auch aus einer westlichen Sicht erzählt. Also, politische Ausgewogenheit ist bestimmt etwas anderes. Aber es ist natürlich eine fiktionale Geschichte, trotz etwaiger aktueller Parallelen.

"Game of Thrones' war ein absolutes Geschenk"

teleschau: Sie sagen, Sie mussten für Ihre neue Rolle in einer aufwendig produzierten US-Serie kein Casting machen. Inwieweit ist das auf "Game of Thrones" zurückzuführen?

Wlaschiha: Sicher sehr weit! Auch wenn ich die genauen Entscheidungsgründe jetzt nicht kenne. Es ist kein Geheimnis, dass man als Schauspieler auch vom Bekanntheitsgrad lebt. Da war "Game of Thrones" für mich absolut ein Geschenk.

teleschau: Sie werden wohl in jedem Gespräch auf "Game of Thrones" angesprochen. Nervt das?

Wlaschiha: Nein, und es hält sich auch alles in Grenzen, und täglich drei Selfies zu machen, das sehe ich mehr als Kompliment. Aber "Game of Thrones" ist nunmehr Geschichte. Ich finde übrigens, dass die Produzenten das sehr clever gemacht haben. Sie haben die Serie genau an dem Punkt beendet, an dem der Hype groß war.

teleschau: "Game of Thrones" war großes Fantasy-Theater. "Tom Clancy's Jack Ryan" ist mehr Action. Wollten Sie ganz bewusst etwas ganz anderes machen?

Wlaschiha: Ja. Das ist das, worauf ich bei der Rollenauswahl achte. Ich will nicht immer dasselbe machen. Das Genre sollte wechseln. Wenn ich als Schauspieler unterschiedliche Sachen ausprobiere, wird man auch nicht so schnell in eine Schublade gesteckt. Entscheidend aber bleibt immer das Skript. Oder wie hatte einst Billy Wilder schon gesagt, welche drei Dinge einen guten Film ausmachen: "ein gutes Drehbuch, ein gutes Drehbuch, ein gutes Drehbuch." Und das ist tatsächlich so. Ich jedenfalls spiele lieber in einem kleinen Film eine gute als in einem Großen eine langweilige Rolle.

teleschau: Was hat Sie an dem Charakter Max Schenkel, dem Bösewicht, besonders gereizt?

Wlaschiha: Auf seiner Jagd nach Jack Ryan ändert dieser Max Schenkel immer wieder sein Aussehen. Und das ist ein Geschenk für einen Schauspieler, wenn man in einer Rolle gleich vier Typen spielen kann. Zudem ist die Serie sehr actionlastig. Vergleichbares hatte ich zuvor so noch nicht gemacht.

teleschau: Nun hat Action doch eine ganz andere körperliche Herausforderung, oder?

Wlaschiha: Ich laufe John Krasinski, der den Jack Ryan spielt, schon sehr oft hinterher. Oder er mir. Und jetzt kommt das Beste: Wir haben unter anderem in Bogota in Kolumbien gedreht - auf 3.000 Metern Höhe. Das hatte ich zuvor nicht bedacht. Aber nach dem ersten Drehtag, bei dem wir ständig Altstadt-Gassen bergauf rennen mussten, wusste ich, das wird anstrengend. Da bin ich schon etwas außer Atem gekommen. Zumal ich zuvor nicht viel Zeit zum Akklimatisieren hatte.

teleschau: Sie liefern sich mit Krasinski mitunter spektakuläre Zweikämpfe. Geht man danach ein Bier trinken, wenn einem von beiden beim Dreh ein Auge ausgestochen wurde?

Wlaschiha: Das ist natürlich alles choreografiert. Zudem übernehmen zahlreiche Stuntleute die gefährlichsten Szenen. Aber mit John Krasinski hatte ich doch einige Drehtage gemeinsam. Wir haben uns beispielsweise tagelang in London über Dächer gejagt. Und dann geht man natürlich hinterher auch mal was essen, um wieder zu Kräften zu kommen.

Andreas Schoettl

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