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Vor 120 Jahren wurde Alfred Hitchcock geboren

Der Meister des Unbehagens

Am 13. August 1899 kam Alfred Hitchock zur Welt. Der britische Regisseur lehrte Generationen von Kinogängern ein ganz neues Gefühl des Unbehagens: Suspense.

  • Keiner verstand es so, mit den Ängsten der Menschen zu spielen wie Alfred Hitchcock. Foto: Peter Dunne/Express/Getty Images
  • Mehr als 50 Spielfilme hat Alfred Hitchcock in seiner langen Karriere gedreht. Foto: Baron/Getty Images
  • Auch wer es bisher geschafft haben sollte, den Hitchcock-Klassiker "Psycho" noch nicht gesehen zu haben: An diesem Szenenbild mit der um ihr Leben fürchtenden Janet Leigh kommt zeit seines Lebens keiner vorbei. Foto: ARD / Degeto
  • Im Dezember 1926 heiratete Alfred Hitchock seine Frau Alma. Die Ehe hielt ein Leben lang. Foto: Evening Standard/Getty Images
  • Alfred Hitchcock war nicht nur ein Meister der Inszenierung, sondern wusste auch, sich selbst in Szene zu setzen. Foto: Baron/Hulton Archive/Getty Images
  • Alfred Hitchcock vor einer blutrünstigen Zeitungsschlagzeile: Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1971. Foto: Evening Standard/Getty Images
  • Alfred Hitchcock (rechts) arbeitete immer wieder mit Schauspieler James Stewart zusammen. Foto: Baron/Getty Images
  • Tippi Hedren schrieb als Melanie Daniels in Alfred Hitchcocks "Die Vögel" Filmgeschichte. Foto: teleschau / Archiv
  • Im Jahr 1964 drehte Alfred Hitchock "Marnie" mit Tippi Hedren, die er im Jahr zuvor mit "Die Vögel" berühmt gemacht hatte. Foto: Keystone/Getty Images
  • Am Set von "Cocktail für eine Leiche": Alfred Hitchcock (rechts) erklärt Farley Granger, Edith Evanson, Douglas Dick, John Dall, Constance Collier, Sir Cedric Hardwicke, Joan Chandler und James Stewart (von links) die nächste Szene. Foto: ARD / 1983 Universal City Studios
  • Alfred Hitchcock verstand sich nicht nur auf Hochspannungsszenen, sondern auch auf die perfekte Inszenierung romantischer Zweisamkeit. In "Berüchtigt" (1946) fiel ihm das besonders leicht: Mit Cary Grant und Ingrid Bergman standen zwei der schönsten Leinwandstars ihrer Zeit vor seiner Kamera. Foto: Hulton Archive/Getty Images
  • Grace Kelly war Alfred Hitchcocks erklärte Lieblingsdarstellerin. "Das Fenster zum Hof" (1954) mit James Stewart war ihre zweite Zusammenarbeit. Foto: teleschau / Archiv
  • Nach "Über den Dächern von Nizza" (1955) wollte Alfred Hitchcock mit Grace Kelly noch "Marnie" (1964) drehen. Als Fürstin von Monaco musste Gracia Patricia, wie die Amerikanerin fortan hieß, das Angebot jedoch ablehnen. Foto: teleschau / Archiv
  • "Die 39 Stufen" von 1935 war einer der letzten Filme, die Alfred Hitchcock (zweiter von rechts) in England drehte, bevor er nach Hollywood ging. Robert Donat (Mitte) und Madeleine Carroll (zweite von links) spielten die Hauptrollen. Foto: Hulton Archive/Getty Images
  • Mit Charles Laughton und Maureen O'Hara drehte Alfred Hitchcock 1939 den Abenteuerfilm "Jamaica Inn". Ab 1940 arbeitete er dann in den USA. Foto: Keystone/Hulton Archive/Getty Images
  • "Nummer siebzehn" (1931; mit John Stuart, Ann Casson und Anne Grey, von links) erzählt von einer Bande Juwelendiebe. Foto: Hulton Archive/Getty Images

Es war spät in der Karriere des Alfred Hitchcock, da bedauerte er, "dass die Personen in meinen Filmen unter dem Gewicht des Suspense zu dünn ausgefallen sind". Er soll das sogar ernst gemeint haben. Selten sprach er über seine Arbeit. Wenn doch, fasste er zusammen: "Ich will sicher sein, dass es den Leuten Spaß macht, wenn ich ihnen Furcht bereite." Ein Spieler war er, ein Manipulant der Ängste und Gefühle der Zuschauer. Wie kein anderer vor und nach ihm band er sie in das Geschehen ein, zog einfache und klare Darstellungen immer dem Komplexen vor. Es mordeten und starben die bürgerlichen Menschen - Typen, wie die im Kinosessel eben.

Am 13. August vor 120 Jahren wurde Hitchcock im Londoner West End geboren. Seine Eltern waren Gemüsehändler, doch schon früh entdeckte das jüngste von drei Geschwistern die Leidenschaft für Technik und Mathematik, die ihm später so oft helfen sollte. Er mochte das Theater und entschloss sich mit 20 Jahren, bei der britischen Filmindustrie zu arbeiten. Hitch, wie er sich selbst schon früh nannte, war Mädchen für alles, lernte Kino und Film von innen kennen. Es war eine Art Gründerzeit, die Mitte der 20er-Jahre folgte. Kino war kein Rummelplatz mehr, es war auf dem Weg zur Kunst. Hitchcock war einer jener Menschen, die das Potenzial des Films erkannten, und er nutzte die Chance, ihn auf die ureigensten Aufgaben zu reduzieren.

Dialoge waren in seinen Filmen eher die Nebensache. Auch weil er glaubte, dass die Synchronisation oder Untertitelung die Qualität immer leiden lassen. Hitchcock war ein Verfechter des Bildes und seiner Wirkung auf den Zuschauer. Im Laufe seiner Karriere rief das die Kritiker auf den Plan. Keinen einzigen Oscar hat er gewonnen, fünfmal war er nominiert. Erst spät, 1968, wurde ihm ein Ehren-Award verliehen. Der damals 76-Jährige sagte "Danke" und ging von der Bühne.

Mehr als 50 Spielfilme hat Hitchcock in seiner Karriere gedreht. Er begann mit schicksalhaften Melodramen. Romantischen Thrillern folgten später die Schocker, die ihn berühmt machten: "Vertigo" (1958), "Psycho" (1960), "Die Vögel" (1963), "Marnie" (1964). Nur zu Beginn seiner Arbeit verfasste er Drehbücher. Bald ließ er es: "Ich war zu faul, und meine Gedanken gingen immer in die verschiedensten Richtungen." Es kam ihm ohnehin vor allem darauf an, das Geschriebene visuell fesselnd umzusetzen. Ein Mord unter der Dusche kann eben so oder so aussehen. "Suspense" wurde das genannt.

Ein schwieriger Mensch

François Truffaut, der das grandiose Filmbuch "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?" verfasste (ein einziges riesiges Interview), versuchte sich einmal an der Deutung des Begriffes. "Suspense" sei die Dramatisierung des Erzählmaterials, "die intensivste Darstellung von Spannung". Ein Mann fährt zum Bahnhof? Nein. Er glaubt, dass er den Zug verpassen wird, treibt den Fahrer des Taxis an und blickt immer wieder hektisch auf die Uhr. Es ist eigentlich so einfach. Dass Alfred Hitchcock die Fähigkeit hatte, Menschen zu ängstigen, führte Truffaut auf den Charakter zurück. Er habe hinter dem Filmemacher einen Mann gesehen, der selbst furchtsam war, verwundbar und sensibel.

Hitchcock galt als schwierig. Jeder, der mit ihm arbeitete, respektierte ihn, aber nicht jeder kam mit ihm aus. Nachdem er 1940 nach Amerika ging - 1955 nahm er die US-Staatsbürgerschaft an - avancierte er zu einem der mächtigsten Männer der Filmbranche. Dabei liebte er privat die Zurückhaltung. Hitchcock mochte keine Partys, aß lieber daheim und arbeitete. Sein Haus war bescheiden eingerichtet. Nur die Küche und der Weinkeller zeugten vom Genussmenschen, der er zweifellos war. Er lebte zusammen mit seiner Frau Alma Lucy Reville, die er im Dezember 1926 heiratete und die bis zu seinem Tod am 29. April 1980 an seiner Seite blieb. Die einzige Tochter Patricia wurde Schauspielerin und hatte unter anderem einen Auftritt in "Psycho".

Auch der Regisseur selbst übernahm in dem Klassiker eine kleine Rolle. Die Cameos wurden schließlich eines seiner Markenzeichen. Weil das Publikum darauf wartete, positionierte er seine Gastauftritte recht früh im Film, um den Betrachter sich danach auf das Wesentliche konzentrieren zu lassen. Nicht unbedingt den auffälligsten, wohl aber den schönsten Cameo hatte er in "Frenzy", seiner vorletzten Regiearbeit aus dem Jahr 1972. Nach vier Minuten ist da ein Redner und vor ihm eine Menschenmenge. Mittendrin: Alfred Hitchcock. Er ist leicht zu erkennen. Er ist der Einzige, der nicht applaudiert.

Kai-Oliver Derks

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