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Interview mit Lara Mandoki

"Es ist ein unglaubliches Geschenk, Europäerin zu sein"

"Ich habe das Gefühl, dass ich doppelt so stark kämpfen muss, um ernst genommen zu werden, wie andere Schauspielerinnen": Schauspielerin Lara Mandoki hat es mit ihrem berühmten Nachnamen nicht immer leicht.

  • "Ich habe meinen Beruf immer schon so verstanden, dass er auch dazu da ist, Brücken zu bauen": Schauspielerin Lara Mandoki (30) hat eine äußerst sympathische Berufsauffassung. Foto: 2017 Getty Images/Sebastian Widmann
  • Lara Mandoki war vom Dreh im Erzgebirge angetan. Allerdings: "Zugegebenermaßen musste ich erst einmal googeln, wo das genau liegt", gesteht die Schauspielerin. Foto: ZDF / Uwe Frauendorf.
  • "Ich habe sogar schon im Kindergarten und in der Grundschule Detektiv gespielt": Lara Mandoki fühlt sich in der Rolle als Ermittlerin im neuen "Erzgebirgskrimi" wohl. Foto: 2017 Getty Images/Sebastian Widmann
  • "Ich habe das Gefühl, dass ich doppelt so stark kämpfen muss, um ernst genommen zu werden, wie andere Schauspielerinnen": Schauspielerin Lara Mandoki hat es mit ihrem berühmten Nachnamen nicht immer leicht. Foto: 2019 Getty Images/Hannes Magerstaedt
  • Zum Jahrestag des Mauerfalls richtet das ZDF den Blick auch ins Erzgebirge: Der Film "Erzgebirgskrimi - Der Tote im Stollen" (Szene mit Lara Mandoki und Stephan Luca) läuft am Samstag, 9. November, 20.15 Uhr. Foto: ZDF / Uwe Frauendorf
  • Im "Erzgebirgskrimi" ist Lara Mandoki unter anderem neben Stephan Luca zu sehen. Foto: ZDF / Uwe Frauendorf
  • "Ich habe die Leute als sehr herzlich empfunden, sehr gastfreundlich, sie haben selbst auch den Dialog gesucht": Lara Mandoki schwärmt vom Erzgebirge. Foto: 2018 Getty Images/Hannes Magerstaedt
  • Man bleibt zu Gast im Land der Bergleute: Teresa Weißbach, Kai Scheve und Lara Mandoki spielen im nächsten "Erzgebirgskrimi" im ZDF. Foto: ZDF / Uwe Frauendorf
  • In der Kinoproduktion "Leberkäsjunkie" hatte Lara Mandoki einen Auftritt als Kellnerin im sexy Dirndl (Szene mit Simon Schwarz). Foto: 2019 Constantin Film Verleih GmbH / Bernd Schuller
  • Illustre Runde aus dem jüngsten Eberhofer-Krimi "Leberkäsjunkie": Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel, zweiter vion rechts) ermittelte im Mordfall in einer Selbsthilfegruppe. Mit dabei sind: Wombat (Harry G., links), Mandy (Lara Mandoki, rechts) und der Therapieleiter (Hardy Schwetter alias Christian Steiffen). Foto: 2019 Constantin Film Verleih GmbH / Bernd Schuller
  • Stolzer Papa: Leslie Mandoki und seine Töchter Lara (links) und Julia beim Oktoberfest 2015. Foto: Hannes Magerstaedt/Getty Images
  • Musiker und Musikproduzent Leslie Mandoki mit zweien seiner drei Töchter: Lara (links) ist Schauspielerin, Julia hat Religionswissenschaften studiert und tritt auch als Sängerin auf. Foto: Hannes Magerstaedt/Getty Images

Lara Mandoki hatte als Schauspielerin bereits einige spannende Engagements. "Sturm der Liebe", "Die Holzbaronin", "Die Bergretter", "Soko München", "Leberkäsjunkie", auch in "Leberkäsjunkie", einem der beliebten bayerischen Eberhofer-Krimis, war sie schon mit von der Partie: Die 30-Jährige war in zahlreichen, ganz unterschiedlichen Produktionen zusehen, und nun folgt, wie sie halb scherzhaft, halb mit Stolz sagt, "der Gipfel des deutschen Fernsehens": eine Hauptrolle im Krimi. Als Kommissarin Karina Szabo ermittelt die in München und Berlin lebenden Mandoki nun im neuen Erzgebirgskrimi "Der Tote im Stollen" (Samstag, 9. November, 20.15 Uhr, ZDF). Ein Gespräch über den Drehort, den Reiz des deutschen TV-Krimis - und Mandokis berühmten Vater Leslie, der immer erwähnt wird, wenn von ihr die Rede ist.

teleschau: Frau Mandoki, Ihr Engagement im neuen "Erzgebirgskrimi" kommt Ihnen sicher sehr entgegen - schließlich sagen Sie, der Krimi sei Ihr Lieblingsgenre.

Lara Mandoki: Am allerliebsten mag ich historische Stoffe - aber Thriller und Krimis reizen mich sehr. Wenn ich nicht Schauspielerin geworden wäre, wäre ich entweder Journalistin, Anwältin oder Kommissarin geworden (lacht). Als Schauspielerin darf ich alle drei Jobs verkörpern, und das innerhalb kurzer Zeit.

teleschau: War der Krimi schon zu Ihren Schauspielschulzeiten in München und Los Angeles etwas, das sie anvisiert haben?

Mandoki: Ich habe sogar schon im Kindergarten und in der Grundschule Detektiv gespielt. Damals kam gerade so ein Detektivkasten auf den Markt - der war mein absolutes Highlight als Kind! Während des Studiums war ich dann allerdings in einer Art Elfenbeinturm. Als Studentin spielt man ja meist so Sachen wie die von Heinrich von Kleist, alles ist sehr fokussiert aufs Theater. In der Zeit habe ich überhaupt nicht über Krimi-Rollen nachgedacht. Danach natürlich schon, und ich freue mich jetzt sehr darüber. "Der Tote im Stollen" kam mir aus zwei Gründen sehr entgegen. Zum einen, weil ich eine Kommissarin spielen durfte, was ja so etwas wie der Gipfel des deutschen Fernsehens ist (lacht). Und dann fand ich toll, dass ich für den Dreh in den Osten gehen durfte.

teleschau: Was mochten Sie an dieser Tatsache besonders?

Mandoki: Es wird ja viel über den Osten gesagt und geschrieben. Ich bin allerdings der Meinung, dass man dort gewesen sein muss, um mitreden zu können. Wir haben im Erzgebirge gedreht - und zugegebenermaßen musste ich erst einmal googeln, wo das genau liegt (lacht). Wir haben auch gleich zwei Erzgebirgskrimis fertig gestellt und insgesamt vier Monate dort verbracht. Ich konnte die Leute und die Gegend also etwas kennenlernen.

teleschau: Wie genau haben Sie denn die Region erlebt?

Mandoki: Ich bin im Voralpenland aufgewachsen, von daher habe ich das Erzgebirge nicht besonders bergig erlebt (lacht). Aber ich fand es wunderschön! Die Landschaft hat fast etwas Mystisches, es gibt viel Wald und Nebel, süße, verwunschene Örtchen und Burgen. Alles wirkt sehr ursprünglich. Ich kann gut nachvollziehen, dass in der Kultur der Region viele Sagen verankert sind.

teleschau: Und die Leute?

Mandoki: Die Menschen dort haben einige Probleme, die natürlich bekannt sind, aber die ich durch den Aufenthalt ein bisschen besser verstehen konnte. Überhaupt habe ich dadurch einen etwas besseren Blick bekommen für das Deutschland, in dem wir leben.

teleschau: Kamen Sie ins Gespräch?

Mandoki: Ja. Ich habe meinen Beruf aber immer schon so verstanden, dass er auch dazu da ist, Brücken zu bauen und mit den Menschen zu kommunizieren, die man bei Dreharbeiten in der Umgebung trifft. Auch im Erzgebirge wollte ich nicht, dass wir, das Filmteam aus dem Westen, einfach nur dort hinkommen, ein paar Wochen Rambazamba machen und wieder abhauen. Manchmal ist es ja so mit den Dreh-Teams: Die tauchen irgendwo auf, sind ganz laut, ganz präsent, machen viel Müll - und sind wieder weg. Das galt es, zu vermeiden. Für "Der Tote im Stollen" hatten wir zum Beispiel sehr viel Komparserie aus der Region. Dadurch ergaben sich viele Gespräche. Ich habe die Leute als sehr herzlich empfunden, sehr gastfreundlich, sie haben selbst auch den Dialog gesucht.

teleschau: Im Film geht es um die Menschen im Erzgebirge - und um ein Lithiumvorkommen...

Mandoki: Das es dort tatsächlich gibt. Das wussten schon die Russen, als sie dort Uran abgebaut haben. Daher gibt es in diesem Krimi-Fall auch einen historischen Bezug. Es sind viele Menschen daran gestorben, was zu einem Trauma für die gesamte Region geführt hat.

teleschau: Grundsätzlich ist das TV-Format mit einem Ermittlerduo in einer bestimmten Region Deutschlands unheimlich häufig, weil unheimlich beliebt. Kann es davon nie genug geben?

Mandoki: Ich glaube, dass es DEN Krimi in Deutschland nicht gibt. Jeder Krimi behandelt auch eine gesellschaftliche Komponente, auch eine aus einer bestimmten Region. Das hat für die Region nicht selten positive Folgen. Mir fällt direkt der Spreewaldkrimi ein, der bewirkt hat, dass der Tourismus dort zugenommen hat. Wir zeigen mit dem Erzgebirge jetzt auch einen Teil der Republik, den ansonsten nicht jeder wahrnimmt. Wir lassen per Fernsehen eine Kommunikation entstehen - und davon kann es tatsächlich nie genug geben.

teleschau: Apropos Regionen: Sie sind in Ihrer Schauspielkarriere schon viel rumgekommen, haben in Bayern und Kalifornien studiert, leben heute in München und Berlin - und erwähnten einmal, dass Sie sich vor allem europäisch fühlen würden.

Mandoki: Auf jeden Fall. Meine Muttersprache ist Ungarisch, mein Heimatdialekt ist Bairisch, und ich kenne das U-Bahnnetz von Berlin auswendig. Ich finde, es ist ein unglaubliches Geschenk, Europäerin zu sein und in einem friedlichen Europa zu leben, mit all seiner Diversität. Allein die Möglichkeit, an einem Freitagabend in nur vier Stunden runter zum Gardasee fahren zu können, ist doch ganz wunderbar. Zudem ist die Geschichte meiner Familie wahnsinnig spannend und macht mir sehr bewusst, was Europa bedeutet.

"Habe das Gefühl, dass ich doppelt so stark kämpfen muss"

teleschau: Warten Sie eigentlich schon auf Fragen nach Ihrem Vater?

Mandoki: Zumindest finde ich es erstaunlich, dass das Thema erst jetzt angesprochen wird (lacht).

teleschau: Schätzen Sie mal, in wie vielen journalistischen Berichten von zehn wir Sie im Mandoki: Vorfeld als "Tochter von ..." bezeichnet fanden?

Mandoki: In zehn.

teleschau: Richtig. Nervt das?

Mandoki: Ich finde es schade und habe das Gefühl, dass ich doppelt so stark kämpfen muss, um ernst genommen zu werden, wie andere Schauspielerinnen. Ich frage mich auch, ob das daran liegt, dass ich die "Tochter von", und nicht der "Sohn von" bin. Ich meine: Ich bin stolz auf meinen Vater und seine Biografie, aber seine Arbeit sollte meine nicht reduzieren. Das ist vielleicht so eine gesellschaftliche Sache: Zu viele Schubladen werden zu schnell aufgemacht. Die Dinge scheinen unbedingt kategorisiert werden zu müssen.

teleschau: Gab es denn irgendwann mal eine Job-Situation, in der es für Sie von Vorteil war, die Tochter von Leslie Mandoki zu sein?

Mandoki: Nein.

Erik Brandt-Höge

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