MyMz

Mariele Millowitsch im Interview

"Ich habe viel Glück gehabt, ich muss nicht mehr"

Spätestens seit "Nikola" zählt Mariele Millowitsch zu den beliebtesten Schauspielerinnen des Landes. Im weißen Kittel sieht man die Kölnerin noch immer gern - so auch im neuen Format "Käthe und ich". Warum sie dennoch Sorge hat, dass alles schnell vorbei geht, verrät die 63-Jährige im Interview.

  • Mariele Millowitsch gehört zu den beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands - in ihrem Leben spielt das aber "keine große Rolle". Foto: 2017 Getty Images/Ulrik Eichentopf
  • In "Käthe und ich" spielt Mariele Millowitsch gemeinsam mit Hund Hoonah und ihrem Kollegen Christoph Schechinger an der Müritz. Foto: ARD Degeto/Britta Krehl
  • "Offenbar habe ich keine Tendenz zum Größenwahn", mutmaßt Mariele Millowitsch. Foto: 2017 Getty Images/Ulrik Eichentopf
  • Als Pflegeleiterin Hildegard muss sich Mariele Millowitsch (links) auch allerlei familiärer Probleme annehmen. Foto: ARD Degeto / Britta Krehl
  • In der Rolle der Marie Brand überzeugte Mariele Millowitsch in den vergangenen Jahren. Foto: ZDF / Guido Engels

Im nächsten Jahr ist es bereits eineinhalb Dekaden her, dass ihre Paraderolle endete: Spätestens mit "Nikola" geriet Mariele Millowitsch, zuvor mit der Serie "girl friends" bekannt geworden, an der Seite von Walter Sittler zu einer der beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands. Der Krankenschwester-Part, den sie von 1997 bis 2005 spielte, brannte sich derart ins kollektive Gedächtnis, dass man die 63-Jährige noch heute gern in Weiß sieht. So auch in ihrem neuen Format "Käthe und ich", das die Kölnerin als Pflegeleiterin eines Krankenhauses im Mecklenburgischen zeigt. Hilfe bekommt Pflegerin Hildegard, so Millowitschs Alter Ego, in der neuen ARD-Reihe (Start am Freitag, 1. November, 20.15 Uhr) vom titelgebenden Hund und dessen Halter, dem Psychologen Paul (Christoph Schechinger). Was die promovierte Veterinärmedizinerin vom Dreh mit Tier an der Müritz hielt, wo sie sich ihre Auszeiten gönnt und warum sie manchmal glaubt, alles könnte schneller vorbei sein als gedacht, verrät Mariele Millowitsch im Interview.

teleschau: Bekommen Sie im Alltag eigentlich mit, dass Sie eine der beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands sind?

Mariele Millowitsch: Das fällt mir ehrlich gesagt nicht auf. Es spielt keine große Rolle in meinem Leben. Wahrscheinlich hat das damit zu tun, wie ich großgeworden bin.

teleschau: Inwiefern?

Millowitsch: Ich weiß seit meiner Arbeit am Volkstheater, was hinter diesem Beruf steckt. Offenbar habe ich keine Tendenz zum Größenwahn. Natürlich freue ich mich, wenn mir jemand sagt, er fände, ich sei eine tolle Schauspielerin. Aber in meinem Kopf habe ich das nicht.

teleschau: Liegt das auch daran, dass Sie die Schauspielerei in Ihrer Familie gewöhnt sind?

Millowitsch: In meiner Familie gibt es mittlerweile in der siebten Generation Schauspieler. Vielleicht hat man das dann nicht mehr. Der Beruf wurde mir in die Wiege gelegt. Das ist meine Arbeit, und alles Weitere ist ein Geschenk dazu. Wenn ich mich nur über meinen Beruf definieren würde, wäre das gefährlich.

teleschau: Weshalb?

Millowitsch: Ich bin nicht der Meinung, dass das alles so bleiben muss. Alles kann ratzfatz wieder vorbei sein. Ich kann ja krank werden. Oder mich will keiner mehr haben. Daher kann ich mein Sein und meine Stärke nicht darauf bauen.

teleschau: Woher nehmen Sie Ihre Kraft dann?

Millowitsch: Meine Freude ziehe ich aus meinen Freunden, aus dem Leben. Ich kann mich Gottseidank an Kleinigkeiten erfreuen.

teleschau: In "Käthe und ich" spielen Sie die Pflegeleiterin eines Krankenhauses. Haben Sie sich mit dem Pflegeberuf vorher intensiver auseinandergesetzt?

Millowitsch: Eine meiner besten Freundinnen leitet ein Altersheim. Da bekomme ich einiges mit.

teleschau: Mochten Sie den Part direkt?

Millowitsch: Die Rolle ist ja ganz witzig - eine resolute Frau, die sich nichts vormachen lässt. Ich kann politisch unkorrekte Sachen machen - das liegt mir (lacht). Man sieht mich offenbar gern in weißer Kleidung - in "Nikola" war ich ja auch in Weiß.

teleschau: Apropos: Sie haben selbst einen Doktortitel in Veterinärmedizin - war es daher etwas Besonderes, mit einem Hund zu drehen?

Millowitsch: Ich habe kein Problem mit Tieren und würde auch mit jedem Großtier drehen. Aber in dem Fall hab ich ja mit dem Hund Hoonah, also Käthe, nicht viel zu tun. Ein bisschen spielen durfte ich mit ihr.

"Ich persönlich bin eher der Berg-Fan"

teleschau: Wie war es für Sie als Kölnerin, in Waren an der Müritz zu drehen?

Millowitsch: Das ist ein schönes Stück Deutschland, das war mir vorher gar nicht so klar. Es ist so weit und flach, es gibt dort so viel Gegend. Und morgens sieht man auf den Wiesen die Rehlein stehen. Ich persönlich bin eher der Berg-Fan.

teleschau: Gönnen Sie sich selbst manchmal Auszeiten abseits des Trubels?

Millowitsch: Ich habe ein Häuschen auf dem Land - dort bin ich eigentlich nur. Lange Spaziergänge, Leute einladen, viel lecker essen. Nach dem ganzen Salatgedöns im heißen Sommer freue ich mich jetzt auch wieder auf gehaltvollere Sachen.

teleschau: Liegt Ihnen das Landleben?

Millowitsch: Ich habe auch noch eine Wohnung in der Stadt. Dass ich Stadt und Draußensein gerade gut aufteilen kann, ist ein Glücksfall.

teleschau: Schauen Sie sich Ihre eigenen Filme eigentlich selbst im TV an?

Millowitsch: Ich schaue tatsächlich gern mal mit meinen Freundinnen und einer Flasche Grauburgunder. Die wissen dann auch, dass sie ehrlich ihre Meinung sagen können (lacht). Das kann ich gut aushalten.

teleschau: Wie ist es, sich selbst beim Schauspielern zu sehen?

Millowitsch: Ich sehe mich selbst nicht gern. Wenn ich sehe, dass ich aus einer Szene mehr hätte machen können, dann ärgere ich mich ein wenig - und schwöre, dass mir das nicht noch mal passiert.

teleschau: Glauben Sie, dass es inzwischen ein Vorteil ist, dass Sie viel in Serien gespielt haben?

Millowitsch: Ich selbst schaue wahnsinnig gerne Serien, bin ein großer Netflix-Fan. Man kann so schön in Bögen erzählen, das mag ich. Früher hieß es ja in Deutschland immer, wer Serien macht, ist raus. Dass die Königsklasse das Kino sei. Ich sehe das völlig anders. In den 90er-Jahren wollten die Leute schon Serien sehen - in denen nichts Böses passiert, die Charaktere aber in Konflikte geraten. Das kam an.

teleschau: Und heute?

Millowitsch: Heute müssen sich die Redakteure in den TV-Sendern auf den Hosenboden setzen, weil sich die Streaming-Dienste was trauen. Außerdem schauen die jungen Menschen überhaupt kein lineares Fernsehen mehr.

teleschau: Gibt es noch Klischeerollen, die Ihnen angeboten werden?

Millowitsch: Klar, aber die mach ich dann nicht. Das Schöne ist, dass ich mir das leisten kann. Ich habe viel Glück gehabt, ich muss nicht mehr. Seit "Girl friends" und "Nikola" bin ich da unabhängiger. Man kommt im Fernsehen nicht ohne Klischees aus, aber man darf sie nicht nur bedienen.

Maximilian Haase

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht