MyMz

Cornelia Froboess im Interview

"Ich wollte immer eine von vielen sein"

Cornelia Froboess ist einer der wenigen Kinderstars, die auch als Erwachsene erfolgreich im Geschäft blieben. Nun ist sie mit 76 Jahren als Frau Holle in der ZDF-Produktion "Frau Holles Garten" zu sehen. Eine Traumrolle?

  • Frau Holle mit Mission: Cornelia Froboess (76) hatte nach eigene Auskunft viel Freude an der ZDF-Produktion. Foto: ZDF / Boris Laewen
  • Lagebesprechung in "Frau Holles Garten": Mia Goldig (Klara Deutschmann, rechts), Marissa (Lavinia Wilson, links) und Frau Holle (Cornelia Froboess) bilden ein kongeniales Team. Foto: ZDF / Boris Laewen
  • "Ich habe es mir vorher nicht vorstellen können, wie man so eine Geschichte in die heutige Zeit übersetzt. Ich war dann ganz erstaunt, dass das so unheimlich gut funktioniert: Cornelia Froboess (links, mit Lavinia Wilson) in "Frau Holles Garten" (Sonntag, 8. Dezember, 20.15 Uhr, ZDF). Foto: ZDF / Boris Laewen
  • "Die Perücke, die Art der Kleidung, das war schon irgendwie ein bisschen von einem anderen Stern": Cornelia Froboess, links, mit Klara Deutschmann) überzeugt als moderne Frau Holle. Foto: ZDF / Boris Laewen
  • "Ich hatte immer sehr gute, sehr kritische Ratgeber, die mich sehr genau geleitet haben", sagtCornelia Froboess. Foto: teleschau
  • "Ich pass auf die anderen besser auf als auf mich": Cornelia Froboess (bei einer Filmpremiere 2017). Foto: 2017 Getty Images/Hannes Magerstaedt
  • Showlegenden unter sich: Peter Kraus und Cornelia Froboess prägten die 60er-Jahre. Foto: Hannes Magerstaedt / Getty Images

Ein ganzes Leben im Rampenlicht - diese Herausforderung hat Cornelia Froboess fraglos gut gemeistert. Mit noch nicht einmal acht Jahren sang sich als quirlige Berliner Göre mit "Pack die Badehose ein" in die Herzen der Deutschen. Es war der Start einer langen Karriere, der Rest ist Geschichte: Es folgten neben weiteren Hits auch unzählige Auftritte in Film und Fernsehen. Wahrscheinlich wäre diese Erfolgsstory kontinuierlich fortgeschrieben worden, wenn die Künstlerin nicht mit Mitte 20 mit dem Wechsel ins Theater selbst den radikalen Schnitt vollzogen hätte. Von da an waren erst einmal die Bretter, die die Welt bedeuten, angesagt, bis Anfang der 80er-Jahre mit Rainer Werner Fassbinders "Die Sehnsucht der Veronika Voss" das gefeierte Comeback vor der Kamera folgte. Nun ist Cornelia Froboess, die auch in älteren Jahren immer wieder in feinen TV-Rollen auftritt, in der ZDF-Produktion "Frau Holles Garten" (Sonntag, 8. Dezember, 20.15 Uhr) zu sehen. Die mittlerweile 76-Jährige spielt natürlich die titelgebende Märchenfigur, die hier einmal in einer ganz anderen, sehr modernen Variante aufleben darf. Im Interview spricht Cornelia Froboess über ihre Karriere und kuriose Härtetests, die sie ganz am Anfang zu bestehen hatte.

teleschau: Wollten Sie unbedingt einmal in einem modernen Märchen mitspielen, oder was hat Sie daran gereizt, bei "Frau Holles Garten" mitzumachen?

Cornelia Froboess: Das Buch! Ich habe es mir vorher nicht vorstellen können, wie man so eine Geschichte in die heutige Zeit übersetzt. Ich war dann ganz erstaunt, dass das so unheimlich gut funktioniert, das hat mich fasziniert. Und mich hat diese Frau sehr fasziniert innerhalb dieser Geschichte.

teleschau: Anfangs hätten wir Sie in diesem Film fast nicht wiedererkannt ...

Froboess: Ich mich auch nicht!

teleschau: Sie wirken in der Rolle wie eine Engelserscheinung, so ganz in weiß ... Macht das was mit einem, wenn man so kostümiert ist?

Froboess: Ja, das macht viel aus! Die Perücke, die Art der Kleidung, das war schon irgendwie ein bisschen von einem anderen Stern. Das habe ich schon auch so empfunden. Durch das Kleid, durch das Aussehen wäre ich beispielsweise nicht schnell gelaufen, sondern ich bin dann automatisch einfach gegangen. So wie die Blüten im Film auf mich zukommen, so habe ich mich auch gefühlt, ein bisschen wie mit einem Glorienschein umgeben.

teleschau: Wenn Sie diese magischen Kräfte der Frau Holle hätten, wo würden Sie diese einsetzen?

Froboess: Ich setze sie permanent ein (lacht). Ob bei meinen Gänsen, bei meinem Hund, bei den Enkeln oder bei meinem Mann, ich versuche ununterbrochen, irgendwie zu vermitteln oder zu erahnen, wie es einem geht, wo was fehlt, wo es Ärger gibt, was wehtun könnte - also permanent. Wenn man die Augen offen hat, sieht man so viel.

teleschau: Wie würden Sie sich selbst einschätzen: Sind Sie eine Realistin oder eine Träumerin?

Froboess: Absolut Realistin. Ich glaube, als Träumerin durch die Welt zu gehen, puh, da muss aber einer schon schwer auf einen aufpassen. Ich pass lieber auf mich selber auf. Und auf die anderen. Ich pass auf die anderen besser auf als auf mich, würde ich sagen.

teleschau: Sind ja schon als kleines Mädchen berühmt geworden und standen ab da immer im Rampenlicht. Hätten Sie sich vielleicht auch mal eine normale Kindheit gewünscht?

Froboess: Ja. Dadurch, dass ich immer etwas Besonderes war, war es ein bisschen kompliziert. Ich wollte immer nach Frankreich ins Internat, weil die Kinder dort alle die gleiche Uniform anhatten, diese dunkelblauen Kleidchen mit den Hüten. Das fand ich so toll. Da habe ich mir gesagt, es wäre so schön, eine von vielen zu sein. Ich wollte immer eine von vielen sein und nicht im Mittelpunkt stehen. Meine Eltern hatten auch darüber nachgedacht, aber dann ist es das so ins Rollen gekommen mit der Singerei und dann den Filmen, ich habe ja auch schon sehr, sehr früh Filme gemacht.

teleschau: Hatten Sie diesen Wunsch, eine von vielen zu sein, später auch noch?

Froboess: Ja, den Wunsch, nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen, sondern dazuzugehören. Das habe ich dann mit der Schauspielschule nachgeholt. Dort konnte ich mich in ein Kollektiv hineinbegeben und nicht immer die mit der Extrawurst sein.

"Ich brauchte ein Kollektiv"

teleschau: Es gibt ja viele Kinderstars, die als Erwachsene in dem Beruf nicht mehr Fuß fassen konnten. Wie haben Sie es geschafft?

Froboess: Ich nehme an, das ist mir durch den Berufswechsel gelungen. Ich glaube, das war der Punkt, an dem ich weitermachen durfte. Ich wusste ja auch nicht, ob das funktioniert, ob das erfolgreich sein wird. Aber ich wollte das eben, ich wollte in einem Ensemble sein. Die Sänger damals waren ja alle Solisten, Solisten mit Orchester. Es gab noch nicht diese Combos, zu denen du dazugehörst. Wir standen damals immer mutterseelenallein da vorne. Ich aber brauchte ein Kollektiv, brauchte Partner, wollte so sein wie die anderen. Und das ist mir erst gelungen als ganz normales Mitglied an einem Theater, als ich am Salzburger Landestheater anfing. Die haben mich dann auch getestet, ob ich dazugehöre oder nicht.

teleschau: Wie?

Froboess: Ich musste jeden Abend mit denen saufen gehen. Ich habe damals wirklich gar nichts vertragen, dann hat mich immer einer der Kollegen nach Hause gebracht. Und das war der Test, ob ich mitmache, ob ich tauglich bin. Ich habe immer gesagt, ich habe aber morgen früh Probe. Dann brachte mich einer nach Hause. Das hörte erst auf, nachdem ich aufgenommen war. Dann brauchte ich nicht mehr mitzugehen. Das war der große Test, ob ich stabil bin. Der Weg ist dann irgendwie erfolgreich gewesen, oder er war wahrscheinlich für mich einfach der richtige.

teleschau: Was glauben Sie, haben Sie dabei immer die richtigen Entscheidungen getroffen oder auch einfach Glück gehabt?

Froboess: Wahrscheinlich beides. Ich hatte immer sehr gute, sehr kritische Ratgeber, die mich sehr genau geleitet haben. Da habe ich instinktiv bei dem einen oder anderen zugehört, habe das aufgenommen, habe versucht, es umzusetzen, und das war wahrscheinlich alles richtig. Also insofern Glück gehabt.

teleschau: Hatten Sie auch einen Plan B?

Froboess: Nein, es kam für mich nur die Schauspielerei infrage, das war das einzige, was mich interessiert hat.

teleschau: Würden Sie im Nachhinein noch irgendwas anders machen?

Froboess: Nein, sicher nicht. Selbst der eine oder andere Fehler, den man mal gemacht hat, hat sicher zur gesamten Entwicklung beigetragen.

Anja von Fraunberg

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht