MyMz

Helen Woigk im Interview

"Ich wünsche mir manchmal, mich mehr zu trauen"

Midlife-Crisis? Bei Helen Woigk noch lange nicht! Ob es um Routine, Sport oder neue Herausforderungen geht: Die Schauspielerin steht mitten im Leben.

  • Helen Woigk spielte schon neben Schauspielgrößen wie Wotan Wilke Möhring, Katja Riemann und Simone Thomalla. Sie hat aber auch eigene Pläne. "Ich habe viel Fantasie und schon ein paar schöne Drehbuchideen für einen Kurzfilm", erzählt sie. "Historische Stoffe sind auf jeden Fall sehr spannend." Foto: ZDF / Ivan Maly
  • In "Hüftkreisen mit Nancy" spielt Helen Woigk eine Sportlerin, die den geknickten Max in ihrem Bodybuilding-Club wieder aufbaut. Die Komödie zeigt das ZDF am 23. Mai, 20.15 Uhr. Auch privat ist die 27-Jährige sportlich. Foto: ZDF / Ivan Maly
  • Helen Woigk macht gerne privat Sport. "Sport ist gut für den Körper, für den Geist, eigentlich für alles", erklärt sie. "Ich mag Reiten und Schwimmen, kann mich aber auch mit Krafttraining ganz gut anfreunden." Foto: ZDF / Ivan Maly
  • Helen Woigk tanzt privat gerne - besonders auf Tanz- und Feuershows der Mittelalterband Cultus Ferox. "Ich bin mit dieser Kultur aufgewachsen. Schon mein Vater hat viel auf Mittelaltermärkten gearbeitet", erzählt die 27-Jährige. Foto: ZDF / Ivan Maly
  • In "Hüftkreisen mit Nancy" spielt Helen Woigk neben Felix Knopp. Dieser spielt den 45-jährigen Max, der in eine tiefe Krise rutscht und mit Hilfe von Nancy versucht, sich in einem Bodybuilding-Club wieder aufzubauen. Foto: ZDF / Ivan Maly
  • Nancy (Helen Woigk) und Max (Felix Knopp) begegnen sich in "Hüftkreisen mit Nancy" das erste Mal im Fitnessstudio. Foto: ZDF / Ivan Maly
  • Anfangs ist Nancy (Helen Woigk) genervt von Max (Felix Knopp). Er scheint das Training nicht ernst zu nehmen und isst lieber, als zu trainieren. Nancy stellt ihn skeptisch zur Rede. Foto: ZDF / Ivan Maly
  • 2017 spielte Helen Woigk in dem Event-Zweiteiler "Der Puppenspieler" nach dem Bestsellerroman von Tanja Kinkel die Rolle der fiktiven Figur Saviya. Der Historienfilm begibt sich auf die Spuren des Jakob Fugger (gespielt von Herbert Knaup, rechts) Ende des 15. Jahrhunderts. Foto: ARD Degeto / Raphael Wüstner,
  • In "Besser spät als nie" (2015) spielte Helen Woigk Annika (links), die Tochter von Catrin (Nele Mueller-Stöfen), die mit 40 Jahren wieder an die Uni und ihr Medizinstudium zu Ende bringen will. Foto: ARD Degeto / Volker Roloff
  • Schon 2013 übernahm Helen Woigk als Filmtochter von Wotan Wilke Möhring in der Tragikomödie "Das Leben ist nichts für Feiglinge" eine Hauptrolle. Foto: WDR / NFP / Georges Pauly
  • In dem Melodram "Ohne Dich" (2013) verkörperte Helen Woigk die junge Frau Motte, die ungewollt schwanger wurde. Als Hebamme Rosa glänzte Katja Riemann. Foto: HR / HR / SWR / ophir film / V. Roloff

Max (Felix Knopp) rutscht in die Krise. Der Journalist, der es sich in seinem Alltag als Familienvater und Autor bei einem drittklassigen Blatt gemütlich gemacht hat, wird an seinem 45. Geburtstag gekündigt. Was tun? Dem Schicksal folgen! Das begegnet ihm in Person der superhübschen, supersportlichen Nancy (Helen Woigk), der er in einen Bodybuilding-Club folgt und sich von ihr fortan coachen lässt. Max krempelt sein Leben um - aber löst das auch seine Probleme? Das zeigt die ZDF-Komödie "Hüftkreisen mit Nancy" (23. Mai, 20.15 Uhr), verfilmt nach dem gleichnamigen Roman von Stefan Schwarz. Ein Gespräch mit der 27-jährigen Hauptdarstellerin Helen Woigk über Selbstzweifel, Mut, Mentoren und eine Vorliebe für Mittelaltershows.

teleschau: Helen Woigk, in "Hüftkreisen mit Nancy" geht es um das Bewältigen des nicht immer einfachen Alltags. Haben Sie so etwas eigentlich als Schauspielerin: einen Alltag?

Helen Woigk: Es ist schön, dass ich mir meine Zeit oft frei einteilen kann, aber es ist auch wichtig für mich, eine alltägliche Struktur reinzubringen. Regelmäßige Aufgaben, Termine und Rituale, also eine gewisse Routine machen ein manchmal doch recht chaotisches Leben auf jeden Fall leichter!

teleschau: Was für Routinen sind das bei Ihnen?

Woigk: Zum Beispiel regelmäßig zum Sport zu gehen. Sport ist gut für den Körper, für den Geist, eigentlich für alles.

teleschau: Haben Sie einen Lieblingssport?

Woigk: Ich mag Reiten und Schwimmen, kann mich aber auch mit Krafttraining ganz gut anfreunden. Für "Hüftkreisen mit Nancy" hatte ich im Vorfeld auch einen Fitnesstrainer, der mich auf die Filmarbeit vorbereitet hat.

teleschau: Wie lange trainierten?

Woigk: Wir fingen zwei Monate vor den Dreharbeiten an. Neben dem Krafttraining gab es intensives Tanztraining mit einer Profitänzerin (Anne Retzlaff; Anm. d. Red.), was mir auch privat viel Spaß macht. Neben Modern Dance mache ich manchmal bei sogenannten Tanz- und Feuershows der Mittelalterband Cultus Ferox mit.

teleschau: Wie muss man sich das vorstellen?

Woigk: Das ist dann Bauchtanz mit Tüchern und Feuerfächern. Ich mag das sehr, einerseits die Musik, aber auch die allgemeine Atmosphäre bei den Shows. Ich kann dabei komplett loslassen und einfach mal die Seele baumeln lassen. Es ist, wie in eine Rolle zu schlüpfen, was ich ja auch aus meinem Beruf kenne.

teleschau: Sind Sie mit den Bands auch unterwegs, etwa auf Festivals?

Woigk: Genau, auf Mittelalterfestivals. Ich bin mit dieser Kultur aufgewachsen. Schon mein Vater hat viel auf Mittelaltermärkten gearbeitet.

teleschau: Noch mal zum Thema Alltag. In "Hüftkreisen mit Nancy" hat es sich Max in seinem Alltag ziemlich gemütlich gemacht, wirkt wenig strebsam und ambitioniert. Kennen Sie so etwas? Oder denken Sie eher immer höher, schneller und weiter?

Woigk: Was die Arbeit angeht, wünsche ich mir manchmal, mich mehr zu trauen, mehr neue Sachen zu wagen. Was das angeht, kann ich mir einiges von Max abgucken. Er taucht in eine andere Welt ein, diese Tanzwelt, obwohl er genau weiß, dass man sich da vielleicht über ihn lustig macht.

teleschau: Was möchten Sie sich denn gerne trauen? Was wären mögliche Mutproben?

Woigk: Da gibt es viele Dinge! Ich habe viel Fantasie und schon ein paar schöne Drehbuchideen für einen Kurzfilm. Gerade denke ich mir: "Schreib sie doch einfach mal auf, vielleicht ist das was für dich, das Drehbuchschreiben! Vielleicht ist das ein zweiter Karriereweg neben der Zeit vor der Kamera!" So kann ich herausfinden, ob es zu mir passt.

teleschau: Was für eine Art von Film schwebt Ihnen vor? Ein Mittelalter-Film?

Woigk: (lacht) Historische Stoffe sind auf jeden Fall sehr spannend. Aber dafür müsste ich mir noch mehr geschichtliches Wissen aneignen. Das wäre bestimmt ein ziemlich aufwendiges Projekt, aber da Mittelalterfilme in Deutschland noch nicht wirklich stark verbreitet sind - warum nicht!

teleschau: Und wenn Sie sich beim Schreiben eines Drehbuchs zwischen ernst und lustig entscheiden müsstest, was wäre Ihre Wahl?

Woigk: Wahrscheinlich erst einmal ernst. Comedy ist eine Königsklasse im Filmgeschäft. Es kommt sehr darauf an, wie die Witze geschrieben sind, wie die Pointen gesetzt sind, wie das Timing ist. Als Schauspielerin macht es zwar sicher Spaß, Comedy-Bücher umzusetzen, es ist aber auch sehr herausfordernd.

teleschau: Welche Herausforderung ist dabei die größte?

Woigk: Es geht ja um Authentizität und darum, die Figur, die man spielt, auch für voll zu nehmen und sich beim Spielen nicht über sie lustig zu machen. Die Figur erlebt etwas, das kann man lustig rüberbringen, aber es geht eben auch um Glaubwürdigkeit.

teleschau: Bleiben wir mal bei Herausforderungen. Mit 27 sind Sie natürlich weit entfernt von einer Max-mäßigen Midlife Crisis. Trotzdem: Welche Hürden sind in Ihrem Leben aktuell besonders hoch?

Woigk: Ich glaube, den meisten Schauspielern, so wie eigentlich den meisten Menschen, gelingt es nicht in jeder Situation, immer an sich zu glauben und niemals aufzugeben. Daran arbeite ich sehr und merke immer wieder, wie sehr es sich lohnt!

teleschau: Haben Sie denn jemanden, der Ihnen wie ein Mentor in schwierigen Situationen zur Seite steht?

Woigk: Ich rede viel mit meiner Familie über Dinge, die mich beschäftigen. Auch mit Freunden, die vielleicht Ähnliches durchmachen oder schon durchgemacht habe. Und was das Schauspiel angeht, habe ich Schauspielcoaches, mit denen ich über die Arbeit sprechen kann. Das kann ich natürlich auch mit meinen beiden Agenten, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Erik Brandt-Höge

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht