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Jasmin Gerat im Interview

"Momentan bin ich die uncoolste Mutter der Welt"

Vom "Bravo"-Gesicht zur TV-Kommissarin im "Kroatien-Krimi": Jasmin Gerats Karriere ist außergewöhnlich. Im Interview spricht die Ex-Moderatorin und Schauspielerin über ihre kroatischen Wurzeln, das Aufwachsen unter Frauen und die wilden 90er-Jahre.

  • Jasmin Gerat wurde einst als "Bravo"-Gesicht bekannt und arbeitet heute als Schauspielerin. Foto: 2019 Getty Images/Sebastian Reuter
  • "Ich kann sehr gut die Beine hochlegen", gesteht Schauspielerin Jasmin Gerat. Foto: 2018 Getty Images/Andreas Rentz
  • In Sachen Klima hat Jasmin Gerat klare Vorstellungen: "Eigentlich wünsche ich mich immer in die Wärme", so die 41-Jährige. Foto: 2018 Getty Images/Andreas Rentz
  • Jasmin Gerat spielt die neue Kroatien-Kommissarin Stascha Novak. Foto: ARD Degeto/Conny Klein
  • "Als ich in Kroatien ankam, konnte ich kaum fassen, wie 'zu Hause' ich mich dort gefühlt habe. Es gab nicht einen Moment der Fremdheit", verrät Jasmin Gerat über ihren Eindruck beim Dreh. Foto: ARD Degeto/Conny Klein
  • In ihrem ersten Einsatz müssen die selbstbewusste Ermittlerin Stascha Novak (Jasmin Gerat) und ihr Kollege Emil Perica (Lenn Kudrjawitzki) brisanterweise ein Attentat auf Kommissarin Branka Maric aufklären. Foto: ARD Degeto/Conny Klein
  • Kommissarin Stascha Novak (Jasmin Gerat) aus der Hauptstadt übernimmt im neuen "Kroatien-Krimi" die Ermittlungen. Foto: ARD Degeto/Conny Klein

Wer in den 90er-Jahren ein popinteressierter Teenager in Deutschland war, kennt ihren Namen und ihr Gesicht mit hoher Wahrscheinlichkeit schon ziemlich lange. Entdeckt von der "Bravo", geriet Jasmin Gerat als blutjunge Moderatorin schnell zum Gesicht des beliebten Jugendmagazins. Auf "Bravo TV" folgten ein MTV-Engagement an der Seite von Christian Ulmen und ein umstrittener "Playboy"-Ausflug. Heute arbeitet die gebürtige Berlinerin mit türkischen Wurzeln seit inzwischen zwei Dekaden im Schauspielgeschäft - und bewies sich dabei sowohl im Theater als auch in TV-Serien und Kinokomödien wie Til Schweigers "Kokowääh"-Filmen. Nun spielt die 41-Jährige nach ihrer Hauptrolle in "SOKO Köln" (2005 bis 2007) abermals eine Fernsehkommissarin. Warum sie beim "Kroatien-Krimi", in dem sie in der Folge "Tote Mädchen" (Donnerstag, 12. März, 20.15 Uhr, ARD) die Nachfolge von Neda Rahmanian antritt, eine Menge Neues über sich selbst erfuhr, verrät Jasmin Gerat im Interview.

teleschau: Nun, da Sie die neue Hauptkommissarin im "Kroatien-Krimi" spielen: Stimmt es, dass Sie selbst kroatische Wurzeln besitzen?

Jasmin Gerat: Das ist tatsächlich so - der Vater meiner Mutter ist Kroate, aber da wir nicht mit ihm groß geworden sind, war dieser Teil in meinem Alltag nie präsent. Als dann die Anfrage für diese Reihe kam, dachte ich: Da war doch was!

teleschau: Forschten Sie dieser Seite Ihrer Herkunft nach?

Gerat: Ich habe natürlich sofort angefangen, meine Mutter mit Fragen zu löchern, die ich bis dahin verdrängt hatte. Und als ich in Kroatien ankam, konnte ich kaum fassen, wie "zu Hause" ich mich dort gefühlt habe. Es gab nicht einen Moment der Fremdheit, im Gegenteil, ich dachte: "Endlich treffe ich auf Menschen, die dieselbe laute Lache haben wie ich!" - Jeder, der schon mal in Kroatien war, kennt diese Herzlichkeit und Lebenslust, die überall spürbar ist. Das kommt meinem Wesen sehr nahe, und ich bin neugierig, diesen bisher vergessenen Teil in mir noch genauer kennenzulernen.

teleschau: Wünschen Sie angesichts des deutschen Wetters manchmal in die kroatische Wärme zurück?

Gerat: Eigentlich wünsche ich mich immer in die Wärme. Andererseits gibt mir das deutsche Wetter viel mehr Gelegenheiten, mein Zuhause zu genießen und dort auch Dinge zu erledigen, zu denen ich sonst nicht komme. Manchmal ist es schön, auch zur Ruhe gezwungen zu werden, und jedes Wetter hat so seine guten Seiten (lacht).

teleschau: Die Ruhe gönnen Sie sich sonst nicht?

Gerat: Als Freiberuflerin und Mutter zweier Kinder gibt es für mich so was wie einen klassischen Feierabend nicht. Aber glauben Sie mir, ich kann sehr gut die Beine hochlegen.

teleschau: Wie merken Sie, wenn die Energie sich langsam erschöpft?

Gerat: Ich kenne mich heute besser denn je und spüre viel schneller, wann ich den Stecker ziehen sollte. Ich bin gerne komplett offline und tanke so auf. Als erstes lösche ich die Instagram App von meinem Handy, das ist der Kommunikationskanal auf den ich am besten verzichten kann (lacht).

teleschau: Liegt das an der heutigen Reizüberflutung?

Gerat: Mir persönlich ist diese Erreichbarkeit auf den verschiedensten Kanälen zu viel. Wahrscheinlich bin ich zu sensibel für diese Reizüberflutung. Auch ich musste erst lernen, eine gesunde Grenze zu ziehen, zwischen dem was wirklich wichtig ist und dem, was warten kann oder gar keine Relevanz hat.

"Manchmal brabble ich beim Kochen Text vor mich hin"

teleschau: Dabei galten ja schon die 90-er ja als lautes und krasses Jahrzehnt. Prägte Sie das auch?

Gerat: In den 90er-Jahren war ganz klar eine Menge los, gefühlt war vieles sehr laut, schrill und intensiv. Ich liebe die 90-er und in diesen auch kulturell geprägt worden zu sein. Mit den Teenies von heute möchte ich wirklich nicht tauschen.

teleschau: Weshalb?

Gerat: Es herrscht ein ganz anderes Energie- und Leistungsniveau, auch durch die Medien mitgeprägt. Der Druck, im Vergleich mit anderen bestehen zu müssen, ist viel stärker, es existieren überall Vergleichsmöglichkeiten, weniger Individualiät. Besonders für junge Mädchen. Das hatten wir damals nicht, wir haben auch nicht permanent unseren Alltag dokumentiert und per Selfie gecheckt, wie wir aussehen.

teleschau: Machen Sie sich da bei Ihren Töchtern Sorgen?

Gerat: Es geht ja darum, über diese Themen miteinander im Gespräch zu bleiben, zu diskutieren, zu reflektieren und das nicht als die allgemeingültige Wahrheit zu akzeptieren. Allerdings bin ich momentan die uncoolste Mutter der Welt, weil meine Tochter als Einzige in ihrer Klasse noch keinen Instagram-Account hat.

teleschau: Spielt es bei der Entwicklung Ihrer Kinder eine Rolle, dass Sie Schauspielerin sind?

Gerat: Ich glaube, meine Kinder finden meinen Beruf noch immer sehr abstrakt: Manchmal brabble ich beim Kochen Text vor mich hin, und es gibt noch nicht mal ein Büro, in dem sie mich besuchen können, wie andere ihre Eltern.

"Es ist schön, mitzugestalten"

teleschau: Wie sehr wünscht man sich, als Schauspielerin eine Rolle in einer Reihe zu bekommen?

Gerat: Wie oft habe ich 90-Minüter gedreht und erst am Ende gedacht: Jetzt kann's richtig losgehen, ich habe meine Figur gefunden! (lacht) Bei einer Reihe ist das Riesengeschenk, dass ich mich immer mehr in meine Figur reinleben und mich mit ihr weiter entwickeln darf.

teleschau: Wie sehr sind Sie beim Entwickeln involviert?

Gerat: Mit den Autoren bin ich in engem Kontakt, und wir spinnen herum und tauschen uns aus - es ist ein gemeinsamer Prozess, ein gemeinsames Entwickeln. Was meine Figur angeht, kann ich Impulse und meine Energie einbringen. Es ist schön, mitzugestalten und nicht nur Ausführende zu sein.

teleschau: Ihre Figur wird anfangs als "männerhassende Zicke" eingeführt - die sie dann aber gar nicht ist. Wie viel Klischee darf man heute dahingehend noch bedienen?

Gerat: Es ist legitim, Klischees zu zeigen, schließlich steckt darin immer auch ein wenig Wahrheit. Letztlich ist es eine filmische Entscheidung, was man daraus macht. In meinem Fall ist es nur der Ruf, der ihr vorauseilt. Und wie wir wissen, steckt hinter einer sogenannten "Zicke" meist eine Frau mit einer eigenen Meinung und Haltung.

teleschau: Was setzt man dem alten Bild der weiblichen Zicke entgegen?

Gerat: Meine Figur ist ein gutes Beispiel für das aktuelle Frauenbild. Die Männer nehmen sie in ihrer Eigenart, ihre Arbeit zu erledigen, sehr ernst, sie vertrauen ihr als Führungskraft - und die Zeit ist ja auch, wie wir an vielen aktuellen, weiblichen Vorbildern sehen können, reif dafür!

Maximilian Haase

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