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Lisa-Marie Koroll im Interview

Partys, Sex und Schmerz: "Bibi und Tina"-Star ist jetzt Serienheldin

Obwohl Lisa-Marie Koroll schon als Kind vor der Kamera stand, ist die junge RTL II-Serie "Wir sind jetzt" ein Neuanfang für die 21-Jährige. Erzählt wird authentisch von 17-jährigen Schülern, von deren Freundschaften und Partys. Von Sex, Liebe und Schmerz.

  • Lisa-Marie Koroll, die Tina aus "Bibi und Tina", debütiert mit einer jungen Dramaserie. In der TVNOW-Produktion "Wir sind jetzt" erzählt die 21-Jährige gemeinsam mit einem Ensemble junger Schauspieler von den - durchaus ernsten - Nöten des Erwachsenwerdens. Ab Montag läuft die neue Serie bei RTL II. Foto: RTL II
  • Instagram und Co. - alles Lüge? Lisa-Marie Koroll empfiehlt ihren Altersgenossen und vor allem den Jüngeren, die "schönen Leben" im Netz nicht für bare Münze zu nehmen. Foto: RTL II
  • Heile Welt, cooles Leben: Lisa-Marie Koroll als 17-jährige Schülerin Laura in der Serie "Wir sind jetzt". Vier Teile mit jeweils 45 Minuten Länge wurden zunächst bei TV NOW gezeigt, nun sind sie bei RTL II im Programm. Foto: RTL II
  • Freundinnen gehen "online" steil (von links): Zoé (Soma Pysall), Laura (Lisa Marie Koroll) und Julia (Gina Stiebitz) haben ein Video "abgedreht". Foto: RTL II
  • Immer zusammen - oder auch mal ohne den anderen sein? Laura (Lisa Marie Koroll) und Oliver (Justus Czaja) probieren sich und einander aus. Foto: RTL II
  • Nur eine platonische Freundschaft? Laura (Lisa-Marie Koroll) kennt ihren Kumpel Daniel (Gustav Schmidt) schon seit Ewigkeiten, ist aber mit dessen Freund Oliver zusammen. Foto: RTL II
  • Mal einen Kuss zum Spass probieren, als Vorbereitung auf ein Date von Single Daniel (Gustav Schmidt)? Laura (Lisa Marie Koroll) und Daniel ist nicht so recht wohl dabei ... Foto: RTL II
  • Laura (Lisa Marie Koroll) und Oliver (Justus Czaja) sehen aus, wie das perfekte Paar. Doch ist - und bleibt - alles so gut, wie es scheint? Foto: RTL II
  • "Haben Sie etwa alle Ihre Tage?" Die Frage des Sportlehrers lässt die Freundinnen (von links) Zoé (Soma Pysall), Laura (Lisa Marie Koroll) und Julia (Gina Stiebitz) kalt. Sie schwänzen weiter den Sportunterricht. Foto: RTL II
  • Bibi (Lina Larissa Strahl) und Tina (Lisa-Marie Koroll): Nichts kann sie trennen. Über vier Filme spielten die beiden Jung-Schauspielerinnen unter der Regie Detlev Bucks die Kultfreundinnen. Lina Larissa Strahl macht heute - unter dem Namen Lina - vor allem Popmusik. Lisa-Marie Koroll arbeitet regelmäßig als Schauspielerin. Foto: DCM
  • Lina Larissa Strahl (links) und Lisa-Marie Koroll 2014 bei der Premiere von "Bibi & Tina: Voll verhext!". Nach vier Filmen der mega-erfolgreichen Familienfilmreihe war für die beiden aus ihren Rollen herausgewachsenen Hauptdarstellerinnen im Frühjahr 2017 Schluss. Foto: Christian Augustin/Getty Images
  • Seelige Kinderzeiten: Lisa-Marie Koroll (links, als Tina) und Lina Larissa Strahl (Bibi) bildeten zwischen 2014 und 2017 ein an der Kinokasse höchst erfolgreiches Freundinnen-Duo. Ihre Filme und Songs kannte in Deutschland - im wahrsten Sinne des Wortes - jedes Kind. Foto: DCM
  • Dauerjob im Ersten für Lisa-Marie Koroll (rechts): Seit 2005 spielt sie Clara, die von der Familie Christian Kleists (Francis Fulton-Smith, dritter von links) adoptiert wurde (Szene mit Uta Schorn und Niklas Bernd). Foto: ARD / A. Wünschirs

Erwachsenwerden ist kein Zuckerschlecken. Auch nicht, wenn es einem - vermutlich - an nichts Wesentlichem fehlt. In der jungen Serie "Wir sind jetzt", die nach der Streaming-Ausstrahlung bei TV NOW ab Montag, 20. Mai, 20.15 Uhr, auch bei RTL II im Free-TV läuft, spielt der ehemalige "Bibi und Tina"-Star Lisa-Marie Koroll die 17-jährige Laura. Sie hat einen coolen Freund, eine nette Mädchen-Clique und sogar einen platonischen, geheimnisvollen Kumpel. Doch ein tragisches Ereignis lässt diese Stabilität in sich zusammenbrechen. Über zunächst vier 45 Minuten lange Folgen schafft es "Wir sind jetzt" tatsächlich, ein recht authentisches Bild der Generation zwischen schwindenden Kindheitsträumen, neuer Coolness und Verletzlichkeit zu zeichnen. Dabei kommt ein junges Schauspieler-Ensemble fast ohne Erwachsene aus. Im Interview spricht Lisa-Marie Koroll, 21, die seit ihrem achten Lebensjahr auch in der ARD-Serie "Familie Dr. Kleist" mitspielt, über die Ängste ihrer Generation, gefährliche Lügen von Instagram und Co - und wie man wirklich sein Glück findet.

teleschau: Was war Ihr Plan nach dem Ende von "Bibi und Tina"? Lisa-Marie Koroll: Wir drehten den vierten und letzten Film im Sommer 2016, damals hatte ich gerade Abi gemacht. Danach zog ich von Thüringen nach Berlin, um als Schauspielerin zu arbeiten. Natürlich weiß man in diesem Beruf nie, ob das auch wirklich klappt. Und ich bin auch nicht der Typ, der sagt: Na klar wird das was! Aber ich hatte bislang gut zu tun - und bin glücklich damit. teleschau: Ihre ehemalige Partnerin Lina, die "Bibi", hat sich entschlossen, sich auf ihre Musikkarriere zu konzentrieren. Bei Ihnen war es dagegen immer klar, dass Sie Schauspiel zum Beruf machen wollten? Lisa-Marie Koroll: Gefühlsmäßig schon. Ich habe das ja auch lange vor "Bibi und Tina" schon gemacht - als Kinderdarstellerin. Es machte mir so viel Spaß, dass ich mir bislang keinen Plan B zurechtgelegt habe. Weil ja auch immer wieder neue Rollen kamen. teleschau: Wäre Schauspielschule eine Option für Sie? Lisa-Marie Koroll: Nein. Nicht, weil ich so arrogant bin zu sagen: Ich brauche das nicht! Ich empfinde es eher so, dass mir die Ausbildung dort zu theaterlastig ist. Ich weiß, dass es für mich gerade nichts wäre. Den Weg, den ich gehen möchte, kann ich auch über Coachings und intensive Vorbereitung mit den Regisseuren schaffen. Das ist ja auch eine Art Ausbildung. teleschau: Ist "Wir sind jetzt" Ihre erste erwachsene Rolle - obwohl Sie eine Jugendliche spielen? Lisa-Marie Koroll: Es ist zumindest eine große und wichtige Rolle, in der ich eine neue Facette zeigen kann. Ich empfinde die Serie als sehr authentisch. Sie zeigt das Leben junger Leute so, wie es wirklich ist. "Wir sind jetzt" spielt nicht in einer Filmtraumwelt.

"Man muss erst mal rausfinden: Wer bin ich überhaupt?"

teleschau: Wie schafft man das? Lisa-Marie Koroll: Es fängt damit an, dass man sich das Kostüm, also die Klamotten selbst aussucht. Dazu verbrachten wir nur sehr wenig Zeit in der Maske, oft waren es nur fünf Minuten. Wir sehen aus, wie wir eben aussehen. Und natürlich sind Dialoge und Handlung wichtig. "Wir sind jetzt" wurde von einem jungen Autor geschrieben. Dazu haben wir Schauspieler beim Dreh auch improvisiert und gemeinsam mit dem Regisseur an den Dialogen gefeilt. teleschau: Sind die Dialoge - vor allem - improvisiert? Lisa-Marie Koroll: Nein, nein - sie sind schon geschrieben, was ich persönlich auch wichtig finde. Allerdings haben wir als Cast beim Dreh noch daran geschliffen. Wir hatten viele Proben zusammen, was auch nicht normal ist. Dabei ist eine gute Chemie entstanden. Wir wollten gemeinsam als Gruppe, als Freunde, eine gute Serie erschaffen. teleschau: Ist "Wir sind jetzt" mehr Komödie oder Drama? Lisa-Marie Koroll: Ich würde sagen, dass es ein Drama mit lustigen Momenten ist. Es werden echte Jugendthemen angesprochen: Partys, Sex, Beziehungen, Freunde. Das Ganze ist sicher keine Komödie und zeigt auch keine "heile Welt", wie es noch bei "Bibi und Tina" der Fall war. Es geht um die Realität des Erwachsenwerdens. Um ein schlimmes Ereignis, das meine Figur in eine Krise stürzt und ihren Umgang damit. Die Rolle besitzt eine große emotionale Tiefe. Es ist toll, dass ich das spielen durfte. Dass man mir zutraute: Die kann das! teleschau: Sind Sie eher selbstkritisch als selbstbewusst? Lisa-Marie Koroll: Eigentlich bin ich eher selbstkritisch. Doch mit dieser Rolle habe ich mich sehr wohlgefühlt. Wenn etwas authentisch ist, lässt es sich leichter spielen. Es ist viel einfacher, die Wirklichkeit zu spielen als eine Kunstwelt. In der Serie geht es viel um die Ängste dieser Generation. teleschau: Was sind denn die größten Ängste dieser Generation? Lisa-Marie Koroll: Wenn ich an meinen Freundeskreis denke, glaube ich, dass es für viele von uns ein Problem ist, dass wir heute so viele Möglichkeiten haben. Die ganze Welt wird einem über Instagram und die sozialen Netzwerke präsentiert. Man muss erst mal rausfinden: Wer bin ich überhaupt? Viele haben große Probleme, sich selbst in der Dauerpräsentation dieses tollen Lebens da draußen zu finden. teleschau: Man lebt sozusagen in einer zu großen Welt, um sich selbst darin zu finden? Lisa-Marie Koroll: Ja, es ist nicht leicht, diese Welt auf die kleine, persönliche herunterzubrechen. Eine Welt, auf die man direkten Einfluss hat. Auch ganz ohne soziale Medien. Wir sind heute weltweit verknüpft und können überall zuschauen. Dabei entstehen oft Gedanken wie: Die führt ein viel besseres Leben als ich! Sie hat eine viel bessere Figur als ich! Und der fährt viel bessere Autos, hat mehr Geld und so weiter. Das Internet ist ein großes Vergleichsding.

"Man wird permanent mit perfekten Leben konfrontiert"

teleschau: Was muss man vor allem herausfinden - beim Erwachsenwerden? Lisa-Marie Koroll: Man muss herausfinden, was einen glücklich macht. Nicht kurzfristig, sondern langfristig. Natürlich muss man auch lernen, welchen Preis man für dieses Glück bezahlt. teleschau: Findet man die Antwort darauf in den sozialen Medien? Lisa-Marie Koroll: Ich persönlich finde: nein. Allerdings bin ich ein sehr familiärer Mensch, auch was meinen Freundeskreis angeht. Ich finde, dort liegt das, was man wirklich sucht. Dies sind die Menschen, die dich wirklich prägen. Nicht irgendwelche Figuren oder Leute, deren Bilder du "gelikt" hast. teleschau: Auf Instagram und Co. stellen die Leute ihr Leben meist sehr positiv dar. Ist es nicht frustrierend, wenn junge Leute das ernst neben. Neben dem tollen Leben der anderen, kann das eigene doch nur abschmieren - oder? Lisa-Marie Koroll: Klar, das ist ein großes Problem. Ich hatte Phasen, in denen ich exakt so gedacht habe. Auch meine Freundinnen hatten solche Phasen. Der Frust, wenn man das tolle Leben anderer Leute im Netz mit dem eigenen vergleicht, ist auf jeden Fall verbreitete Realität. Manchmal fühlt man sich unzufrieden, und weiß nicht mal, wo es herkommt. In diesem Fall sollte man darüber nachdenken, ob sich nicht genau dieser Effekt dahinter verbirgt. Man wird permanent mit perfekten Leben konfrontiert, die so eigentlich gar nicht stattfinden. Es kann nicht gesund sein. teleschau: Internet-Stars sind also meistens Betrüger? Lisa-Marie Koroll: Das Netz ist eine Welt, die die echte nur zum Teil widerspiegelt. Ich mache es ja genauso: Wenn ich gerade geweint habe oder es mir sonst irgendwie schlecht geht, poste ich kein Bild davon. Es ist die Idee von Instagram, dass man sich inszeniert. Da eine Wahrhaftigkeit reinzukriegen, ist einfach schwer. Die meisten Leute wollen diese Wahrhaftigkeit ja auch nicht sehen, weil sie nicht mehr daran gewöhnt sind. teleschau: Suchen sie diese Ernsthaftigkeit woanders? Lisa-Marie Koroll: Ich weiß es nicht. Schaut man sich an, was im Kino oder im Netz erfolgreich ist, dann sind das meist Komödien und Action-Sachen. Alles spielt in einer Traumwelt. Was wir geboten bekommen, ist meist oberflächlich und seicht. Auch ich selber merke öfter an mir, dass ich einen Bogen um ernste Themen mache und ich mir die Zeit und Muse nehmen muss, mich auch mit unschönen Dingen auseinanderzusetzen. teleschau: Wo findet Ihre Generation Raum, den eigenen Schmerz zu fühlen? Lisa-Marie Koroll: Für mich persönlich - nur im engen Kreis. In der Familie und mit Freunden. Ich kann nur jedem empfehlen, ehrlich zu sein. Und mutig! Man braucht viel Mut, um sich verletzlich zu machen. Aber anders ist es nicht möglich, gesund zu bleiben und vielleicht auch glücklich zu werden.

(Die vierteilige Miniserie "Wir sind jetzt" wird in Doppelfolgen am Montag, 20. und 27. Mai, jeweils um 20.15 Uhr, bei RTL II ausgestrahlt.)

Eric Leimann

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